Wesen des Wandels

Wenn man genauer hinsieht bevor man etwas kauft, wird einem klar, dass man breitbandvergiftet würde, äße man den ganzen Schrott den sie einem heute als essbare Ware unterjubeln wollen. In den letzten Jahren hat sich das massiv verschlechtert. Gentechnologische Eingriffe erhalten einen Freibrief, man muss sie vorher nur durch den Tiermagen schicken, und schon müssen sie nicht mehr deklariert werden. Wer einen Frosch kochen will ohne dass der rausspringt, setzt ihn in kaltes Wasser und erhitzt es dann… Dasselbe machen sie grade mit uns. Wir müssten aus dem Kessel rausspringen, bevor der Deckel zugeht. Der Topf steht symbolisch für alle falschen Paradigmen, deren Wände in den Hirnen so hoch geworden sind, dass man nicht mehr darüber hinaussehen kann. Und schon ist der Raum in den die Neuronen hineinfeuern, zum winzigen Labyrinthchen geschrumpft, das Vorstellungsvermögen darauf beschränkt. Das nennen sie dann “Realismus”. Realistisch ist, wenn (objektive) Werte und (subjektive) Werteinschätzung korrespondieren. Davon sind wir ganz weit weg. Das, woran sich seine Elemente orientieren gibt dem System die Form. Eine falsche Orientierung führt zu falschen Schlüssen und Maßnahmen (Maßnahmen sind keine Lösungen!), das System verformt sich weiter ins Destruktive. Fehler erkennt man spätestens an ihren Auswirkungen. Doch die halten wir dann ja auch für “normal”…

Es sind nicht diejenigen realitätsfremd die sich für eine bessere Welt einsetzen, sondern jene die ignorieren, dass das Erfordernis, in Balance mit seiner Lebensumgebung zu bleiben, permanent besteht, und zwar in allen Bereichen des Lebens. Dem nicht Folge zu leisten und stattdessen seine Lebensgrundlage zu zerstören ist realitätsfremd – nicht umgekehrt.

Der Überfluss den wir permanent sehen, besteht so nicht. Er wird dem Planeten unter hohen Verlusten abgetrotzt und anderen Menschen dafür Lebenswichtiges vorenthalten. Das Hauptproblem das ich mit unserer Lebensweise habe ist, dass sie nicht einmal mehr für uns ausreicht, geschweige denn für alle Menschen. Wir müssten uns dafür entscheiden, schon jetzt so zu leben, dass diese Differenz nicht mehr besteht und weder die Ausbeutung von humanen noch nichthumanen Tieren weiter zu unterstützen. Instrumentalisierung in jeder Form ist das Grundübel, da ihre “Optimierung” zwingend in die Ausbeutung führt. Sämtliche daraufhin gebundenen Potentiale sind für die weiteren Entwicklungen verloren. Wenn es erst die Umstände sein werden, die uns dazu bringen unsere Lebensweise zu ändern, wird das Zerstörungswerk bereits bis zu seinem Ende durchgelaufen sein. Die zerstörerische Verschwendung hat nebenbei einen brutalen psychologischen Effekt: Neid auf die Schwächeren! Irgendwie wissen wir, dass wir den Ärmeren gar nicht helfen können ohne dabei selbst zu „verlieren“, und das bedeutet, wir wollen es nicht wirklich.

Unsere (evolutionäre) Beschaffenheit halte ich als Ausrede hingegen für ungeeignet, denn ist die erst einmal verstanden, sehen wir auch die Flexibilität und das nahezu unbegrenzte Entwicklungspotential darin. Intelligenz = die selbstgelenkte Nutzung von Verarbeitungskapaziäten. Sich Marken ins Gehirn brennen zu lassen (branding > Brandmarkung) ist davon das Gegenteil. Konsum ist per se etwas Uneigenständiges (Nachhaltigkeit ging mit dem Verlust der Subsistenz verloren > Abhängigkeiten entstanden, die Entscheidungsgewalt konzentrierte sich auf wenige Menschen, die weniger Werte umfassten und berücksichtigten als eine ganze Gemeinschaft es konnte). Umso wichtiger ist es, dass er sehr kritisch vollzogen wird.

Nehmen und Geben gleichen sich in der Natur aus. Der Mensch nimmt sich heraus, vom Geben will er nichts wissen, denn es geht um Profit, das ist die Differenz zwischen Wirkungsrahmen und wahrgenommener Verantwortung. Profit entsteht durch Raub an der Natur, ihren Lebewesen, auch Menschen. Das, was wir unter Wirtschaft verstehen hat mit Wirtschaftlichkeit überhaupt nichts zu tun. Wir müssen (wieder) lernen, in echten Werten zu denken, bevor wir sie alle verunwirtschaftet haben.

Was wir global abbilden ist ein großes Gehirn mit extrem ausgedünnter emotionaler und sozialer Vernetzung (da Mitgefühl und soziales Gewissen bei wirtschaftlichen Entscheidungen außen vor gelassen werden, ist es ein soziopathisches Gehirn, also eigentlich krank). You only get out (values) what you input… Es ist keineswegs überlegen, geschweige denn intelligent, sich von den Gemeinheiten, die Anderen zugefügt werden, nicht berühren zu lassen. Ehe man sich versieht, ist man selbst betroffen (oder Täter). Werte die aus dem (Mit)Gefühlsbreich kommen sind immer höher entwickelt (und damit intelligenter) als jene aus dem Triebsystem. Zudem ist ihr Erfüllungsniveau höher, unseren Sehnsüchten verlangt es daher danach. Der Verstand ist nur das Werkzeug, mit dem unseren Werten entsprochen wird. Vielwertigkeit ist der Schlüssel um – was der Verstand alleine nicht schafft – Komplexität zu erfassen. Daher macht Egozentrik (arm an Werten) Menschen zwar hoch effektiv, aber dümmer, die kurzfristigen Erfolge bedeutungslos da nicht von Dauer.

Der gesündeste und nachhaltigste Egoismus ist die Kooperation (mit allem was einen umgibt), da sie der einzige Weg zur Unerschöpflichkeit und damit Nachhaltigkeit ist. Nachhaltigkeit wiederum betrifft alle(s). Man kann sie nur ganz leben oder gar nicht. Der bevorstehende Gesinnungswandel kann nur ein sehr grundlegender sein – und muss – verarbeitungstechnisch bedingt – auf Werteebene stattfinden – und ops, ja, das ist radikal. Nebenbei die großartigste Erfahrung die ein Menschengehirn machen kann, natürlich verbunden mit vorher nie erlebten Ausschüttungen. Es ist ja längst nicht so, dass unser Gehirn nicht zwischen Sein und Schein differenzieren könnte – schließlich ist es ja um einiges intelligenter als der kleine Rest von Daten die unser Bewusstsein bilden. Doch muss es den Unterschied irgendwann auch erfahren um ihn als erstrebenswert (an) zu (er) kennen, und hier besteht eine gigantische Bildungslücke.

Technisch sehe ich kein Problem, menschlich auch nicht. Aber menschlich zu werden bedeutet, die Entwicklung nicht mit dem “Ichbewusstsein” einzustellen. Je verfahrener die Situation, umso älter – und leider auch dümmer – die “Notfallprogramme”. Die Wettkampfgesellschaft ist ein künstlich erzeugtes Dauernotfallprogramm das zunehmend extremer wird. Und alles was wir verändern, verändert uns, daher: Stress, Ungerechtigkeit, Angst, Neid, Gier, Psychosen – und Schlachthäuser. Ja, es ist ein Mangel an (Mit)Gefühl, denn in unseren Entscheidungen zählt letztlich nur, was unser Belohnungssystem gewichtet. Objektivität gibt es so gesehen nicht, denn auch Denken besteht aus einer linearen Abfolge vieler kleiner Einzelentscheidungen.

Daher zählt nur die Intelligenz der Werte (Einschätzung). Wir erlangen umso mehr davon, in je mehr Anderem wir uns (wieder)erkennen. Daraus leitet sich das Ausmaß des Selbstbewusstseins (nicht zu verwechseln mit Geltungsdrang) ab, und es hat wenig bis gar nichts mit einer IQ-Zahl zu tun, aber sehr viel mit Lebendigkeit.

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