Werbewirkung

Den Müttern wird tagtäglich erzählt, dass sie gar nicht stillen müssen. Man kann das auch nicht widerlegen, schließlich haben zwischenzeitlich ein paar Generationen ohne Muttermilch überlebt. Wenn vorangestellt wird, „stillen ist das Beste für Ihr Kind“, dann jedoch folgt: aber wenn Du nicht kannst (magst) haben wir eine so gute Alternative, dass Du kein schlechtes Gewissen haben brauchst, deinem Kind unser Produkt zu füttern (wenn ich das eh nicht haben muss, warum dann nicht gleich den Weg zum Industriefutter abkürzen, macht mich gleich „unabhängiger“ von dem kleinen Kitakandidaten), ist manches unschuldige Baby von Anfang seines Lebens an von der Nahrungsmittelindustrie gekauft.

Später dann kommen die bunten Farben und putzigen Gebilde mit denen ungesundes Essen beworben wird, oder in bunte Formen gepresstes Plastik, dessen einziger Zweck darin besteht, dem Erbauer Geld zufließen zu lassen. Das ist die Ausschüttung / Belohnung um die es dabei geht, und der Menschen Verhaltensstrategien daran angepasst. Diese werden bereits über das Bildungssystem vermittelt, das uns unter anderem lehrt, mit Geld und Marken zu rechnen, die wir uns von anderen in die Gehirne p… lassen, sonst gehören wir nicht „dazu“. Echte Werte? – Tja, die kann man nun mal nicht beziffern, wie soll man sie also in die Geldrechnung einbeziehen? – Empathie, gar noch für Tiere, in seine Entscheidungen einfließen zu lassen, ist da nur ein Hemmnis. – Wenn mich wer fragt, ist das (mangels angewandter Empathie) – evolutionär und ohne Plan – beim Werden so geworden, und war nicht dazu geeignet, unsere besten Wesenszüge zu fördern. — Oder? – Vielleicht grade, durch den „Abstand“ zu uns selbst aus dem wir uns heute betrachten können, in einer ganz neuen Dimension?

Klar fliegen Kinder auf bunte Sachen, sie wissen ja noch nichts darüber, was damit für Schadwirkungen verbunden sind, noch sind sie in ihrem Urvertrauen fähig, damit zu rechnen, dass jemand Schaden an ihrem Leben billig-end in Kauf nimmt. Sie ahnen nicht, wie sehr die Tiere gelitten haben, deren „Produkte“ ihnen die Eltern gedankenlos in die Münder schieben. Die Eltern wiederum wollen in die strahlenden Gesichter ihrer Kinder sehen (oder auh nur mal ihre Ruhe haben). Wenn die es dann endlich erfahren, und es ist auch noch „so weit weg“ und das Ausmaß des Grauens sowieso unvorstellbar, wollen sie von dem Zeugs auch schon nicht mehr lassen, sind „süchtig“ und den Industrien die sie „füttern“ hörig („Marken“ ersetzten innere Orientierung). Jede Ausrede seine Gewohnheiten weiter zu pflegen, seien sie in Hinblick auf die Vernichtung von Regenwäldern, verhungernde, vertriebene und ausgebeutete Menschen, Umwelt und Artenbeständen noch so grausam und absurd, wird dankbar aufgegriffen. „Alle anderen“, die das auch tun, sind wie eine bestärkende Betonwand, gegen die man als „Außenseiter“ so wenig ankommt, wie das Omegarhesusäffchen mit seiner einsamen Salzwasser-Kartoffelwaschstrategie auf Anerkennung hoffen darf, obwohl alle Affen davon begeistert wären, würden sie es einfach mal ausprobieren. Lernen ist mit zumindest temporärer Unterordnung verbunden, und das hindert besonders jene daran, die es eigentlich am Nötigsten hätten, ignorante Erwachsene (zwischen Ignoranz und Dummheit sehe ich wirkungstechnisch keinen Unterschied).

Durch stufenweise „Gewöhnung“ nehmen wir einen permanenten Anstieg von Umweltgiften und Leiden in Kauf, und ich glaube nicht, dass es auch nur einen Menschen auf diesem Planeten gibt, der in der Lage ist, das Gefahrenpotential das wir in die Welt gesetzt haben, realistisch einzuschätzen. Es ist ja nicht nur eine einzige Gefahr mit unserem Gebahren verbunden, sondern viele, die nicht nur von modernen „Errungenschaffen“, sondern auch von Menschen ausgehen. – Es kann jedoch schon fatal sein, wenn uns nur eine davon auf den Kopf fällt.

Ach so, „Bisher ist ja nichs passiert“ –
A) falsch, eine Menge ist passiert, und passiert weiterhin vor unseren Augen (jeden Tag verhungern Zigtausende Menschen, das ist also „nichts“, aber die Menschen kommen vor den Tieren – ähm, welche eigentlich?), nur daran haben wir uns auch gewöhnt,
B) richtig schief gehen kann es nur einmal, und dann wird es für niemanden mehr einen Wert als „Beweis“ haben – wir überleben das nur durch Vermeidung, nicht indem wir es so lange herausfordern bis es uns trifft

Es gab keine Zeit in der wir so viele Informationen zur Verfügung hatten wie heute durch das Internet. Nicht verwunderlich, dass die „Anführer“ es regulieren wollen (nicht verschwörungstheoretisch gemeint, das halte ich als Erklärung für unnötig). Wenn woraus etwas hervorgehen könnte, dass das System nicht nur in Frage stellt, sondern bereits das ablösende Vernetzungsmodell liefern könnte, dann ist es am ehesten ein freies Internet in dem Menschen teilen können, wonach ihnen ist. In ein paar Jahren könnten dadurch noch deutlich mehr Menschen „Opensource“ ticken, und bereits die übernächste Generation (sofern es sie noch gibt, und sie dann noch die Freiheit hat, ihre eigenen Gedanken zu entwickeln), wird mit Befremden auf unser heutiges Treiben zurückblicken. Das Gehirn dafür braucht mehr Freiraum (statt Pflichtenhefte und Routinen die seine Kapazitäten überwiegend für die Interessen anderer binden) und individuelle Bildung. Gleichmacherei schafft Benachteiligung, keine Chancengleichheit.

Glück kann man lernen, Intelligenz kann man lernen, Empathie, und auch die Geschmackssinne sind in der Lage sich wieder auf das einzustellen, was uns tatsächlich und auf Dauer gut tut. Wir sind, und das ist ein anerkennenswertes Feature des Menschen, zu alles Bisherige übertreffenden Gehirnleistungen fähig (zumal wir grade am Anfang stehen, uns auf neurobiologischer Ebene zu erforschen und zu verstehen).
Ob der Verstand Fluch oder Segen ist, steht noch nicht fest, sondern wird sich m.E. noch erweisen. – Für die Ausreden- statt Lösungssuche gebraucht, finde ich ihn in Anbetracht unserer Fähigkeiten bedauernswert verschwendet. – Das kann uns auch gar nicht richtig glücklich machen (Unzufriedenheit ist zudem der Antrieb des Wirtschaftssystems, daher ist „zufrieden“ jetzt auch schlecht, und wird, zusammen mit „Harmonie“ mit „Entwicklungsstillstand“ gleichgesetzt). Dafür ist das Gehirn nämlich zu schlau. – Das ist der Grund, warum ich nicht einfach damit aufhören kann, zumindest an den Hauch einer Chance auf eine Lösung zu glauben.

Die Aufgabe von Bildung wäre es daher m.E., den mentalen „Rückstand“ zwischen Bewusstsein und Gehirn (und Körper!) aufzuholen, so weit die These. Ausgestattet mit einer gesunden, umfassenden Selbstverständnisbasis (kann einem auch keiner mehr so leicht was vormachen zwecks Indoktrination etc.), inklusive Annahme und Integration des Tiergartens in sich (weshalb m.E. omnivor nicht mit angemessener Selbsteinschätzung in Einklang zu bringen ist, nicht mehr heute), geht das weitere Lernen sowieso viel tiefer, und daher selbst-verständlich leichter, als Teil von einem selbst, nicht als abstrakter Overhead auf dem wir rumhaschen wie eine von Fischeanimationen irritiere Katze auf einem Touchscreen. – Loslassen macht (die Menschen) wieder frei, und aus dem Verstand mehr, als eine ferngesteuerte Bedienoberfläche, deren Verbindungen zur bloßen Seinsebene keiner mehr fühlen kann, und sein Leben lang vergebens auf der Habenseite sucht.

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