Wer entscheidet hier eigentlich?

Dieser Artikel ist zwar schon etwas älter, entdeckt habe ich ihn allerdings erst heute, und es geht darin um die Intelligenz der Gefühle.

„Mein Gefühl sagt „ja“, will sie unbedingt wiedersehen, aber mein Denkvermögen sagt mir voraus, dass diese Bekanntschaft kaum Aussicht auf längeren Erfolg hat, mir wohl eher nur Enttäuschung bereitet.“
Womit wir dann ja wohl wieder vor einem emotionalen Dilemma stehen, nicht wahr…?

Es ist immer die Bewertung der Fakten Ausschlag gebend, nicht die Fakten an sich. Die Ratio ist nichts anderes als ein Überbau der es uns gestattet, in eine vorstellbare Zukunft zu blicken. Selbst wenn die Überlegung nicht auf die Zukunft gerichtet ist, sondern beispielsweise auf die Analyse dessen was in der Vergangenheit beobachtet wurde, geht es für sie darum, einen für die Zukunft anwendbaren Nutzen zu ermitteln. Ohne dem wäre die Analyse der Vergangenheit irrelevant. Die Emotionen haben das nur bedingt drauf, da sie an die Situation / den aktuellen Eindruck gebunden sind – auch dem den die Vorstellung in uns erzeugt.

Werte sind das, was das Belohnungssystem stimuliert und wir in unseren Entscheidungen gewichten. Kein Mensch war je dazu in der Lage, eine rein rationale Entscheidung zu treffen. Auf welcher Basis denn bitte?

Das Gehirn ist daraufhin konzipiert, angemessen auf Umgebungseinflüsse zu reagieren, und die Basis dafür sind Schätzwerte, die Verarbeitungslogik dahinter Intuition, basierend auf Mustererkennung und -vervollständigung, gebildet aus allen Werteinschätzungen die dem Gehirn vorliegen (weil dies wiederum nicht die volle Bandbreite des Erlangbaren abdecken können, kann sich auch die Intuition irren, wird es aber bei komplexen Entscheidungen seltener tun wie der Verstand). Fakten zu „schaffen“ ist eine viel zu späte Errungenschaft, als dass daraus in der Evolution eine tragfähige, geschweige denn langfristige Methodik hätte hervorgehen können. Ob sie überhaupt funktioniert, muss sich noch erweisen.

Wir wollen was wir sehen, riechen, hören, schmecken, spüren. Die Vision solcher Eindrücke steuert unser Denken und Handeln. Fakt ist, dass Menschen sich auch dann noch um Fakten streiten (z.B. Klimawandelbefürworter und -Skeptiker), wenn diese angeblich erwiesen sind. Der Einzelne verfügt zudem kaum über die Kompetenz angebliche Tatsachen zweifelsfrei nachzuprüfen. Und so wendet sich der eine diesem Lager zu, der andere der Gegenseite – welche „Fakten“ wir also als solche akzeptieren, hängt schlicht davon ab, wie weit sie unserem Empfinden entgegenkommen. Fakten können aber gar nicht gegeneinander stehen, sie existieren nebeneinander. Worum Menschen sich streiten oder woran sie sich orientieren ist also letztlich was anderes als die Wahrheit.

Gefühlte Erfahrungen werden in unseren Entscheidungen ganz anders gewichtet, da sie direkt Einfluss auf die Stimulation des Belohnungssystems haben. Wir mögen gegen „besseres“ Wissen handeln – so weit ist es schon wahr, doch wenn wir Wissen aus Erfahrung heraus auch fühlen, passiert das nicht mehr. Botenstoffmathematik – sie funktioniert ein wenig anders als wir „rechnen“ gewohnt sind, und ist nicht verbalisierbar, weil unsere Entscheidungsebene nun mal nicht die Verstandesebene ist. Diese ist die letzte Instanz, die überhaupt davon erfährt.

Ich sehe im Verständnis unserer Funktionalität ungeheure Potentiale. Alles was wir uns je vorstellen konnten, ist drin, und noch mehr darüber hinaus. Die Frage ist gar nicht ob, sondern wie!

Du kannst darauf bauen, dass jedes Gehirn immer und ausschließlich in die Richtung denkt und entscheidet, in der es die größte Aussicht auf Wohlbefindenssteigerung vermutet (ja, auch lästige Pflichterfüllung und sogar Opferbereitschaft werden dabei „herausgerechnet“), unter Anderem spielen hier auch aktuelle Umgebungseinflüsse und Befindlichkeiten mit hinein, und natürlich ist der kognitive Rahmen stets ausbaufähig. Nur um Wohlbefindenssteigerung geht es – und ja, Wahrheitsliebe kann beim einen oder anderen durchaus dazu beitragen, das war dann (s)eine Entscheidung.

Gibt die Vorstellung nichts mehr her das die Aussichten verbessert, geht dem Gehirn der Antrieb verloren – das nennen wir dann Depression. Eigentlich eine intelligente Reaktion, zumal sie heute häufig auftritt. Verhalten wir uns falsch, entzieht uns das Gehirn dafür Glück. Dem kann man nun entsprechen (echt) oder aber es kompensieren (schein). Unsere Probleme resultieren m.E. daraus, dass wir mit heutigen technischen Errungenschaften sehr effektiv kompensieren können. Doch Kompensation behandelt nur Symptome, die Ursachen innerer Unzufriedenheit beseitigt sie nicht, und trägt daher auch nicht zur nachhaltigen Wohlbefindenssteigerung bei.

Glück ist eben nicht käuflich.