Wendepunkt

Die Ratio ist nur das Werkzeug tierlichen Begehrens. Man kann keine Werte wegnehmen, nur neue hinzufügen und dadurch die Gewichtungen verschieben. Es ist Mathematik auf grundlegender – biochemischer Ebene. Das macht Menschen, wo es ihnen an innerer Orientierung fehlt, leichter von außen lenkbar.

Das wird getan, weil es „Erfolg“ bringt, von dem wir mit der Zeit eine falsche Vorstellung entwickelten. Wird diese Vorstellung korrigiert, werden sich die Begehrlichkeiten der Menschen auf andere Ziele ausgerichtet kanalisieren. Niemand weiß besser als unser Gehirn, dass Belohnung kein Selbstzweck ist.

Den Herausforderungen nun mit Hass auf die „Reichen“ zu begegnen wäre keine gute Strategie, weil es sich um ein einengendes Gefühl handelt (Tunnelblick). Ist das „Ziel“ dann erreicht, ist es das Ende, nicht der Anfang von etwas.

Wir haben ein strukturelles Problem, verursacht durch einseitiges Denken. Die Organisationsstruktur differenziert zu wenig, spiegelt eben nur(!) dieses Denken wider, und das ist im Zuge seiner Entscheidungen überwiegend asozial und gewissenlos, da der Fokus vor allem der individuelle „Gewinn“ ist, woraus das Belohnungssystem die jeweiligen Werte ableitet die in unsere Entscheidungen einfließen (Gewichtung). Ich halte das für ein (verarbeitungs)technisches Problem, weniger für persönliches Versagen derer die anführen. Wären es beliebige andere, würde das an der Situation wenig ändern, so lange die Haltung der Menschen ihrer Mitwelt gegenüber bleibt wie sie ist.

Im Moment sind wir alle (wieder) Pioniere des (Über)Lebens, und Werte sind der Schlüssel, genauer gesagt unsere Fähigkeit sie (langfristig) richtig einzuschätzen, so dass unser Belohnungssystem der Realität entspricht, was es jetzt nicht tut. Überleben ist keine Frage des Wissens, sondern eine Gewissensfrage. An sich keine neue Erkenntnis. Mit der Gehirnforschung bzw. den Kognitionswissenschaften erlangen wir – womöglich erstmalig – begreifbares (verbalisierbar, übertragbar) Verstehen dieser Zusammenhänge. Damit wird ein kognitiver Wendepunkt erreicht.

Das menschliche Gehirn ist eine Wahnsinnstechnologie. Die holen wir erst ein, wenn wir sie verstanden haben. Doch wenn wir sie verstanden haben, wird das unser Fühlen und Denken grundlegend verändern. Ich bin überzeugt, zum Besseren.

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