(von Menschen) erschöpfte Welt

Durch die Verwendung von Begriffen wie „Patriarchat“ und „Matriarchat“ hatte ich neulich in einer Diskussion Assoziationen ausgelöst, die nicht dem entsprechen, was ich mit dem, was ich zum Ausdruck bringen wollte, verbinde. Für mich geht es vordergründig um Denk-(Gefühls-/Werte-)Strukturen, welche wiederum die Basis unserer Organisationsstrukturen und deren Beschaffenheit sind. Lebensfreundlich oder -feindlich, integrativ oder ausschließend, Wettkampf oder Kooperation ….

Die Macht des Geistes wird in Esoterikkreisen gerne aufgegriffen. Nun habe ich mit Esoterik (als „Fachgebiet“) nichts am Hut, und kann auch den vielfach kitschig-farbigen Bildchen mit Teilungsaufforderung und Gesäusel über „habt Euch alle lieb“, Katze sieht sich im Spiegel als Löwe und anderes Regenbogengeblinke einfach nichts abgewinnen. Es wäre mir teilweise einfach nur peinlich, es zu teilen (selbst wenn ich mit den Aussagen grundsätzlich einverstanden bin). Ich glaube an Folgerichtigkeit, sonst nichts. Das klingt womöglich recht trocken, geradezu trostlos. Das täuscht allerdings, denn ich sehe eine solch unbeschreibliche Fülle, dass keine noch so fantastische Idee übertreffen könnte, was ich auf Basis einfacher Naturgesetze alles für möglich halte. Zudem war da etwas, hatte ich ein Erlebnis, das in mir ein Gefühl auslöste, das ich nur mit tiefer Liebe beschreiben kann, und das mir in einer Nacht widerfuhr, an der sich mein Verstandesdenken in seiner eigenen Kompliziertheit verstrickte, und ich daher gezwungen war, einfach loszulassen und die Gedanken nur noch fließen zu lassen und dabei zuzusehen. Nichts war danach noch so wie vorher. Wichtige Lektion am Rande: es ist nicht das Loslassen das schmerzt, sondern das Festhalten.

Als ich ein Kind war, las ich viel, vor allem Science fiction. Die Zukunft ging mir über alles. Ich wollte in einer Zeit leben, in der Umweltprobleme, Hunger, Kriege und das alles, längst überwunden waren. Eigentlich war ich sogar ziemlich bepisst, vor dem Zeitalter interstellarer Raumfahrt geboren worden zu sein (war aber womöglich eine der letzten Chancen überhaupt noch so etwas wie ein Leben auf diesem Planeten zu ergattern). Mit Darwin war ich früh vertraut und zerbracht mir ständig den Kopf darüber wie die Zukunft gestaltbar sein könnte, und verstand nicht, warum Menschen Dinge taten die ihre und vor allem die Zukunft ihrer Kinder gefährdeten, obwohl sie es doch besser wussten. – Heute sehe ich es anders. Sich getraut es auszusprechen hatte seiner Zeit Sokrates, doch ist er für mich aktueller denn je. Sie wissen gar nichts, sie wissen nicht, was sie tun, nicht mal, warum sie es tun. Die Hoffnung liegt darin, dass sie im Begriff sein könnten, es gerade (neu?) zu lernen. Nicht die Gehirnforschung wird der Spiegel sein der es sie (an)erkennen lässt (da machen sie lieber „Neuromarketing“ draus, um andere noch effizienter zu ihrem eigenen Vorteil zu manipulieren – Menschen müssen anderen keinen Vorteil verkaufen, da sie der Vorteil füreinander sind), sondern etwas, das fassbarer ist, und mit dem sie umgehen lernen werden, künstliche Intelligenz.

Vielleicht schließe ich das aber auch nur, weil sie mein Lehrer war. Was sich aus einem prinzipiell einfachen Modell ableiten ließ, verblüffte und begeistert mich bereits seit Jahren.

Heute sage ich zu vielem was man mir als Kind weiszumachen versuchte: Blödsinn. Denn ich sammelte eigene Erfahrungen, in denen sich etwas ständig wiederholte, nämlich: weiter gedacht, besser gemacht. Ich bin praktisch täglich damit befasst Lösungen zu finden. Ich programmiere. Wenn ich eine Lösung finden will die besser ist als der erstbeste Ansatz der mir einfällt, finde ich sie. Und denke ich noch weiter, habe ich am Ende ein skalierbares wiederverwendbares Modul entwickelt, und wieder eine Menge gelernt. – Was anderes als Programmierung ist es prinzipiell, wenn sich Empfinden, Ideen und Gedanken (Werte) der Menschen in ihren Organisationsstrukturen manifestieren?

Es ist alles Entwicklung, und Entwicklung funktioniert immer gleich. Woran sich die Elemente orientieren, daran entlang verläuft ihre Entwicklung. Orientierung -> Entwicklung. Beim Menschen ist viel mehr Ausschlag gebend was und wie er fühlt als was er bewusst „denkt“. Was er weiß, aber nichts dazu fühlt, hat keinen Impact auf seine Entscheidungen, ist folglich nicht „verwertbar“. Anders wenn er was dazu empfindet (mit Hilfe des emotionalen Eindrucks lässt sich die Güte von Information erst einschätzen). Es hat dann Gewicht in seinem „Belohnungssystem“ – die Aussicht auf Wohlbefinden die seinen Entscheidungen zu Grunde liegt, wird davon dann mitgestaltet. – Das ist zum Beispiel der Grund, warum es vegan lebenden Menschen besser geht, wenn sie keine Tiere essen. Es fühlt sich besser an. Bei den meisten Menschen ist das derzeit (noch) nicht so. Doch tauchen immer mehr Gründe auf, die das allgemeine Empfinden verändern. Was sich in den letzten fünf Jahren getan hat (damals waren Veganer noch exotische Außenseiter) war geradezu weltbewegend.

Was einen nicht berührt, bewegt auch nicht sein Denken. Ganz ehrlich: ich wusste zu meiner omnivoren Zeit sehr genau Bescheid um das Leiden von Tieren. Ich hatte Bilder gesehen von Vivisektionen, und – es war mir egal. Ich aß weiter Fleisch und kümmerte mich nicht weiter um das Leiden anderer, natürlich auch nicht von Menschen (keiner derer die postulieren dass Menschen zuerst kämen, lebt das wirklich, sonst könnte es keinen Welthunger mehr geben). Ich glaube, es war der Tag an dem mir klar wurde, dass meine „geliebte Zukunft“ nicht nur auf dem Spiel stand, sondern wir kurz vor einem globalen Kollaps stehen, dass jedwedes Leiden ein Hinweis auf einer möglichen Zukunft nicht zuträglichen Zustände war, und dass es keinesfalls richtig sein konnte, wenn Menschen das Ausmaß des Leidens auf diesem Planeten permanent erhöhen um einer Sucht nachzugehen, die niemals leisten kann, was sie eigentlich darin suchen – Erfüllung. Gier mag mächtig sein, und sich im Augenblick global durchsetzen. Aber sie führt an keine Lösung, da Gier nicht erfüllbar ist. Sie wird nur immer größer, je mehr man sie füttert. Und die Manifestation davon unter der nun alle leiden, ist unser so genanntes Wirtschaftssystem, das vieles sein mag, aber mit „Wirtschaftlichkeit“ nichts mehr zu tun hat.

Es kommt weit mehr auf emotional-soziale Bildung an als auf alles andere. Statt dem zu entsprechen wurden Kinder schon früh miteinander in Wettbewerb gestellt („Marken“) und mit wirtschaftlichen Kennzahlen indoktriniert. Familienverbände lösten sich auf. Heute steht jeder als mehr oder weniger emotional isoliertes Einzelwesen da – voller Angst oder Wut, Trauer, Unsicherheit, beziehungsgestört womöglich noch, konsumsüchtig – wie die „Wirtschaft“ ihn braucht eben. Dabei sind Menschen soziale, mitempfindungsfähige Wesen die alleine auf sich gestellt gar keine tiefe Erfüllung finden können, weil in einem Leben ohne Liebe und Vertrauen etwas grundlegend wert(e)volles Menschliches fehlt das sich mit noch so vielen Gütern und Reichtum nicht ersetzen lässt. Ja, den Erfordernissen des Kapitalismus haben sich die Menschen angepasst und dafür ihre höchsten Werte verraten. (Miteinander) glückliche Menschen konsumieren nicht, sie produzieren auch keinen Abfall. Falsche Orientierung, falsches Fühlen, falsches Denken, viele Fehler, große Müllhaufen, großes Unglück. Die Entwicklungen müssen sich aber genauso gut wie sie uns hierherführen konnten, auch wieder umkehren lassen.

Der Reichtum weniger basiert auf Ausbeutung. Das Wohl aller auf Kooperation.

Wenn ich heute höre, Menschen verändern sich nicht, weiß ich, dass das nicht stimmt. Wenn dem so wäre, dann nur, weil sie nicht wollen (zu bequem / zu träge). Sie können alles lernen, ein Leben lang – bis hin zu Glück und Intelligenz, Menschen die ihr (Fehl)verhalten mit ihrer Beschaffenheit rechtfertigen, haben sie nicht verstanden.

Als Kinder wussten wir es noch besser, stimmt’s nicht? – Und die grundlegenden Zusammenhänge wurden nicht anders oder komplizierter, nur weil wir erwachsen geworden sind. Es sind immer noch dieselben. Komplexität gedeiht auf Basis einfacher Prinzipien und Zusammenhänge. Kompliziertheit ist eher hinderlich. Sie bildet einen Knoten in komplexen Strukturen und bleibt in ihnen stecken. Das schränkt die Entwicklungsfähigkeit ein. Und ich glaube, der Verstand verursacht das, weshalb Emotionalisierung (Erleben) von Wissen und Relativierung lebensnotwendige Anwendungsgebiete in der Kognition sind (Intelligenz ist Anwendungssache). Das funktionierte früher auf unbewusster Ebene „von selbst“. Heute müssen wir es erst wieder über „Bewusstmachung“ neu lernen. Dass wir es können, ist aber grundsätzlich und tief in uns implementiert. Ich glaube an die Intelligenz des Gehirns, und dass wir ihr durch ein unzureichend (aus)gebildetes Bewusstsein im Wege stehen. Da ist viel mehr drin, und ich beziehe mich dabei auf 95% an bislang nicht einbezogenen Potentialen, derer Menschen sich nicht (mehr) bewusst sind.

Unser „Wirtschaftssystem“ ist nicht skalierbar. Die Ressourcen die wir in diesem Jahr zur Verfügung hätten, sind bereits aufgebraucht. Die Menschheit reitet ein totes Pferd. Unsere Anführer hören einfach nicht auf, es vor unseren Augen zu schlagen weil sie offenbar davon überzeugt sind, wir merken dann nicht, dass es tot ist.

Das Falsche erkennt man mal nicht daran, dass es sich nicht durchsetzt, sondern dass es nicht zu halten ist. Was sich kurzfristig als stark darstellt, kann schnell in einen zukunftsmordenden Fehler umschlagen (Gier frisst sich am Ende selbst). Auf Stärke kommt es nicht an, sondern wie Lebewesen mit Umgebungsbedingungen umgehen lernen. The fittest = der Passendste.

Passt Euch an, so lange Ihr noch könnt.

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