Du bist was Du willst

Status kann jeder sehen, innere Werte nicht. Dafür muss man einer Person schon recht nahe sein um sie schätzen zu lernen. So nah kommen wir einander aber gar nicht mehr so gerne.

Neulich las ich, dass in biologischem Olivenöl eine krebserregende Substanz vorgefunden wurde. Babyfläschchen, Kinderspielzeug und Microwellenpopcorn mit Butteraroma sind weitere Beispiele für Giftstoffe, mit denen Massen in Berührung kommen. Wenn ich kann, beziehe ich Gemüse direkt von da, wo es angebaut wurde. Frisch, knackig und wohlschmeckend, wie es sich gehört. Diese Möglichkeit hat allerdings nicht jeder. Daher wäre es schön, zumindest darauf vertrauen zu können, dass das Bestmögliche getan wird, um hochwertige und unbelastete Produkte anzubieten – was ohnedies nur noch eingeschränkt möglich ist, denn Umweltgifte sind gerecht, sie verteilen sich auf dem ganzen Planeten und jeder muss mit ihnen leben. Allerdings stehen auch Hersteller und Anbieter unter Druck, und müssen sich Sachzwängen beugen oder sehen keinen Weg da hinaus.

Entwicklung geht nun mal vorwärts und baut so lange auf Bestehendem auf, bis Grenzen erreicht sind, an denen es nicht mehr weitergeht. Die besorgen mich durchaus, denn es sind viele Grenzen erreicht. Im Sport haben wir kaum noch neue Rekorde zu erwarten, jedenfalls nicht ohne Dopingskandale und technische Hilfsmittel. Die Fettsucht die sich ausbreitet zeugt nicht gerade von einem glücklichen Leben der betroffenen Menschen, denn zu viel auf der einen Seite bedeutet, es fehlt woanders – Kompensations- oder Suchtverhalten wirken sich zunehmend extremer aus. Und dünner als bis an den Punkt, an sie verhungernd vom Stangerl fallen, können Modells nun auch nicht mehr werden.

Vor dem Hintergrund einer wachsenden Wirtschaft, in deren Maschinerie ja alle eingebunden sind, und sei es „nur“ als Konsumenten, stellt sich dann schon die Frage, ist die Beziehung von Mensch und Wirtschaft noch kooperativ?

Ich zweifle an der Zukunft von Arbeit, weil Leistung ein Kostenposten ist, den ein Unternehmer der „wirtschaftlich“ denkt, nicht länger als nötig tragen will. Nichts lässt sich im IT-Bereich besser verkaufen als etwas, das Mitarbeiterpotentiale einspart, und weil sie davon leben, erfüllen Programmierer das. Leistung ist schon heute immer weniger Wert – abgesehen von den obersten Rängen. Die Kluften werden größer, und ich sehe dafür keinen vernünftigen Grund, sondern Mechanismen am Werk, die so alt und so natürlich sind wie das Leben. Vielleicht würde ich es gerne sehen, dass der Mensch sie durchschaut und darüber steht. Denn unser Streben hat nach wie vor nichts mit Vernunft zu tun, da der Antrieb von viel tiefer kommt.

Im Großen und Ganzen hatten wir alles, womit wir heute in ungeahnten Ausmaßen konfrontiert werden, schon vorausgesehen. Allerdings tritt keine Verhaltensänderung ein, wenn die Nachteile des bisherigen Verhaltens nicht gefühlt werden. Reiche Menschen spüren keine Nachteile für sich, wenn sie immer reicher werden. Wie diese nehmen alle nur Unterschiede wahr. Ist etwas konstant, gewöhnen wir uns dran. Der Reiz liegt also in Unterdeckung, Überdeckung, Veränderung, im Neuen und so weiter.

Das sind nur Relationen, keine Konstanten, also auch keine eindeutige Orientierung. Das ist ein heißes Feuer, das da in uns brennt, was wir nur deshalb nicht so wahrnehmen, weil es bisher immer irgendwie(!) ging, und weil wir uns an das was heute ist gewöhnt haben. Das ist nicht aussagekräftig. Nichts von dem was und wie wir es heute leben, ist selbstverständlich. Doch für die Wahrnehmung der überwundenen Differenzen fehlt uns der Sinn, und das macht es so schwer, das Richtige zu tun.

Glück ist unbestechlich

Die wenigsten Menschen schöpfen ihr Glückspotential aus, schon daher, weil sie keine Vorstellung vom oberen Ende der Skala haben. Glück kann man außerdem nicht einfach kaufen, auch wenn einem das so gerne dargestellt wird. Mit der Generation Flatrate wurden in allen Richtungen die Grenzen menschlicher Extreme erreicht. Es scheint jedoch ein Phänomen unserer Zeit zu sein, nur noch die Oberfläche zu sehen und Symptome zu bekämpfen, als wüssten wir nicht längst, dass wir biologische Lebewesen mit Trieben und damit verbundenen Bedürfnissen sind, die wir als Kinder unserer jeweiligen Zeit und Kultur aus dem Entwicklungsstadium der jeweiligen Zeit rekrutieren.

Was wir kaufen, steht eigentlich nur repräsentativ für unser Inneres, ist ein zunehmend verzerrtes Sinnbild unserer Wesenszüge – materialisierte Dämonen wenn man so will. Bei allem was wir tun oder denken geht es um Verbesserung des aktuellen Status, die wir mit jenen Mitteln erreichen, die man uns als Kinder lehrte. Vergegenwärtige Dir, wie die Generationen nach dem Krieg aufgewachsen sind, welche Einflussfaktoren sie jeweils prägten und welche Auswirkungen das zwingend auf ihre Sicht der Welt und ihr Verhalten haben musste, aber auch ihre Reaktionen auf die nachfolgenden Entwicklungen.

Geschäfte und Supermärkte entstanden, und vor den Augen der Kinder tat sich ein wachsender Überfluss an Ressourcen auf. Die einzige Knappheit die sie kennen lernten war die von Geld, das alles war was man brauchte, um aus dem Vollen zu schöpfen. Wir begehren was wir sehen, und daher wird uns immer mehr vor Augen geführt das Kauflust weckt. Überfluss weckt bereits im Tierreich Übermut, denn die Lebewesen sind weniger gefordert. Da Disziplin eher was für schlechte Zeiten ist, wurden aus ansparenden Käufern schließlich Kreditnehmer. Davon, was oder wie wir es heute anwenden ist nichts natürlich oder selbstverständlich. Doch da es von Anfang des Lebens an da ist, wird es im Zuge der emotionalen Anpassung an die Umgebungsbedingungen so empfunden und bestimmt dann das Denken und Handeln des Erwachsenen.

Fakt ist: Ressourcen sind nicht unbegrenzt verfügbar.
Erlebt ist: Es gibt alles im Überfluss, man braucht nur Geld, damit man haben kann was man will.
Die Wahrheit ist: Einseitigkeit ist im Verlauf unserer Geschichte und der Evolution noch nie lange gut gegangen.

Evolutionär betrachtet hat Geld einst essentielle Emotionen so wie das soziale Gewissen abgelöst. Das Individuum braucht zum Überleben nicht das Wohlwollen und Vertrauen anderer Menschen, sondern nur noch deren Geld. In diesem Rahmen ist es manchmal erfinderisch, meist aber nur systematisch und treibt die Entwicklungen zunehmend einseitig voran. Das liegt daran, dass wir uns immer weniger investieren wollen, aber immer mehr dafür haben und nennen das dann „Rationalisierung“ oder „Optimierung“, ohne die auf unvollständiger Kenntnis der Zusammenhänge basierende Perspektive (den eigenen Standpunkt) je verlassen zu haben. Das Leben ist nichts, das man sich mit einem Job erkauft, es ist eine Aufgabe und ein Auftrag zur gedeihlichen Entwicklung, die den ganzen Menschen fordert. Sie kann nicht ausschließlich außerhalb von uns selbst stattfinden, denn damit verlieren wir (uns).

Die Preisdrückerei führt vor Augen, wie wir die aktuellen Entwicklungen einzuschätzen haben, nämlich wert(e)los. Wobei das biochemisch gesehen gar nicht stimmt. Somit geht es uns nicht einmal um die Dinge die wir kaufen, sondern was sie an uns bewirken, sei es vor oder nach dem Kauf. Wir haben von klein auf gelernt, unserer Unzufriedenheit mit Konsum zu begegnen. Die biochemische Ausschüttung könnten wir aber auch „billiger“ und besser haben und vor allem nachhaltiger, wenn wir uns mit dem angebrachten Respekt und weitsichtig an den Rahmenbedingungen orientieren, die für uns nach wie vor gelten. Für“s Gehirn ist das nur eine Rechenaufgabe, für den Menschen muss es ein handlungsrelevantes Gefühl sein.

Bewusstmachung der Schüssel zur Veränderung

Dass wir bewusst Einfluss auf unsere Bewertung nehmen können, macht uns als Menschen aus. Damit verändern sich nämlich auch die Gefühle, die wir zu etwas haben – die Wert(igkeiten) die wir unseren Entscheidungen zu Grunde legen.

Bei den Gepflogenheiten die sich „eingebürgert“ haben, leben wir im guten Glauben, dass sie richtig sind. So ergeht es uns wohl mit den meisten Dingen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind, dass sie nicht „normal“ sind, nur weil wir da grade hineingeboren sind und Anpassung eigentlich kein Vorgang ständigen Hinterfragens ist. Da könnte sich ja gleich jeder die Welt vollständig neu erschließen. Doch nichts von dem, was uns beigebracht wird, ist selbstverständlich, geschweige denn über einen längeren Zeitraum bewährt. Und nichts was wir verändern hat nur positive Nebenwirkungen. Je weniger Aspekte wir bei der Verfolgung unserer Zielvorstellungen berücksichtigen, umso schneller verlieren wir die Kontrolle.

Warum nicht (wieder) mehr Aufwand betreiben und dabei die Intention verfolgen, unser Bestes zu geben? Den Beruf als Aufgabe mit Entwicklungspotential sehen und erleben? Selbst dem Haustier Hund wird vom Tierpsychologen bescheinigt, dass er eine Aufgabe braucht um sich wohl zu fühlen, weil er ein soziales Gruppenwesen ist. Was ist mit uns und unseren Aufgaben?

Qualitätsbewusstsein schont Ressourcen

Das muss in Summe nicht weniger Wohlstand bedeuten, auf jeden Fall aber nachhaltigeren. Schließlich würden sich die Menschen dann stärker in das investieren was sie tun. Und überhaupt ist der Markt umso größer, je mehr Menschen daran teilnehmen können und motiviert sind sich einzubringen.

Die Entwicklungen werden davon gesteuert, wofür Menschen bereit sind Geld auszugeben. Hinterfragen ist nicht nur angebracht, sondern auch nötig, von beiden Seiten – den Anbietern und denen, an die Angebote gerichtet sind.

Die isolierte Betrachtung von Zusammenhängen (durch den Verstand) kann einerseits zu exakten Erkenntnissen führen, allerdings auch zu höchst dynamischen Fehlentwicklungen, basiert der Schluss auf einem Irrtum (kann bei unvollständiger Betrachtung leicht passieren) um den sich dann weitere eigenständige Konstrukte ranken. Die haben dann noch so viel mit der Ausgangsfrage zu tun wie Geschichten über Rudi das Rentier mit dem Leben Jesu.

Das Grundsatzproblem ist, dass wir Erfolg damit gleichsetzen, wie viel Geld bei etwas rauskam. Es ist an sich sehr praktisch, sich auf einen Bewertungsstandard zu einigen, an dem sich alle orientieren. Und das tun sie auch, und zwar ausschließlich. Das ist eine Reduktion, die essentielle Faktoren außer Acht lässt, weil wir keinen Weg gefunden haben, sie in dieses globale Bewertungssystem zu integrieren. Wohlbefinden zum Beispiel, Gerechtigkeit, Glück, Liebe – das sind erstrebenswerte Zustände, über deren Wert in Geld wir keinerlei Aussagen machen können. Daher werden sie im Zuge der Orientierung am Bezifferbaren außer Acht gelassen. Um kurzfristig zu überleben sind sie auch nicht wirklich nötig, doch entspricht es unserem Wesen auch nicht, ihnen zu entsagen. Mit jenen Verhaltensweisen, die wir erlernten, begeben wir uns auf die Suche nach dem, was uns erfüllt. Wenn nicht zielgerichtet, dann über Umwege, die mittlerweile mehr Ressourcen beanspruchen, als wir haben.

Die Wellness-Bewegung wurde zwar durch Degeneration ad absurdum geführt, aber darauf kam es nicht an. Es war nur die erste Phase, die Verdeutlichung, dass es da etwas Erstrebenswertes gibt, das wir haben wollen – nämlich ganzheitliches Wohlbefinden. Geld verdienen alleine erfüllt diese Sehnsucht nicht. Das Motiv bestimmt die Qualität des Ergebnisses. Derlei Motive führen jedoch nur in Ausnahmefällen zu einer Bewertung in Geld, da haben wir eine Lücke, weil wir unsere Aktionen an konkreten Zahlenwerten orientieren, die nicht auf das Botenstoffe-Ergebnis (Wohlbefinden) übertragbar sind.

Dass wir so viele Menschen unter uns haben, die zu viel von etwas zu sich nehmen – sei es Alkohol, Nahrung oder sonstwas, ist Zeugnis für das Maß an Unglücklichsein, das in unserer Gesellschaft kursiert. Und auch die sinkende Kaufkraft, die sich kumulierende, Ohnmacht erzeugende Schuldenlast derer, die den Erfolgssprung nicht schafften, sorgen für Depression, Resignation und Bereitschaft, sich Optionen zuzuwenden, die gesellschaftlich nicht akzeptiert sind oder sogar schaden. Der aktuelle Status ist das Ergebnis dessen, was an Hand unvollständiger Daten als Handlungsbedarf (Differenz von Zielvorstellung minus Ausgangssituation) errechnet und vollzogen worden war. Zu wenig Parameter berücksichtigt.

Irgendwann hätten wir sie lernen müssen, der Umgang mit unseren Kindern sowie das Bildungssystem sehen das aber offensichtlich nicht vor.

Ist das System noch zu retten?

„Der ökonomische Anreiz für eine Lohnarbeit ergibt sich aus dem effektiven Stundenlohn, der besagt, welcher
Mehrverdienst durch Arbeit erzielbar ist.“ (aus einer Forumsdiskussion)

Ja, dieser Text wurde uns allen in die Ganglien tätowiert. Das war schon immer eine statistische Sicht, die an keiner Stelle die Menschen einbezieht, auf deren Rücken dieser „Wettbewerb“ ausgetragen wird.

Und wen interessiert schon, was die irgendwann mal bilden *sollen*? Tatsache ist, dass daraus alles hervor geht, was keiner wollen kann und es jedem egal ist, solange nur genug Geld fließt.
Falsch ist die Aussage nicht, aber dafür unerheblich. Die Optimalmarke, an der die Preise dem Produktwert entsprechen ist für den Wirtschaftstreibenden auch gleichzeitig die Ausstiegsmarke. Haben sich die Preise so entwickelt, wie sie sollen, macht es ihm auch schon keinen Spaß mehr. Genauso, wie ein Produkt entlang dieser Linie degeneriert wird, um das Ertragsverhältnis erfreulich zu halten, wird es durch ein neues ersetzt, sobald auch dieser Rahmen ausgeschöpft ist.

Am Arbeitsmarkt verhält es sich ähnlich. Sind so viele Arbeitnehmer hinzu gekommen, dass das Lohnniveau nicht mehr interessant ist, wird die Leistung vom Markt genommen. Während ein Deutscher nicht bereit ist, sich in der Kostenstruktur seines Wohnorts mit dem zu begnügen, was ein chinesischer Reisbauer bekommt, den seine eigene Regierung ausbeutet, sieht dieser wiederum im Gegensatz zu vorher besser aus. Vom dabei entstehenden Wirtschaftswachstum profitiert der westliche Arbeiter nicht, nicht gegen 1 Mrd. Chinesen, die man „Dreck fressen“ lässt.

Der Mensch spielt in diesem System keine maßgebliche Rolle. Die von ihm erbrachte Wirtschaftsleistung wird im System durch so viele und so teure Instanzen geschleust, dass sein Leistungsanteil daran nur noch gering ist. Und so behandelt man ihn dann auch. Dass seine Arbeit schlechter, aber dafür billiger und schneller von Maschinen ausgeführt wird, hat zu einem breiten Qualitätsgefälle geführt. Menschen mit Maschinen in Konkurrenz zu stellen, ist sonst nur noch beim Schach üblich, wo es gilt zu ermitteln, wann die Maschine mehr kann. Wieviel jemand essen kann und wo er wohnt davon abhängig zu machen, wie schnell und zu welchen Kosten eine Maschine seine Arbeit schlechter verrichtet, ist menschenverachtend. Wer unter diesen Druck gerät und das werden über kurz oder lang so gut wie alle sein, muss sich mit der Qualität aus der Massenproduktion zufrieden geben. Mehr ist für ihn nicht drin. Dafür darf er sich dann den Vorwurf gefallen lassen, kein Qualitätsbewusstsein an den Tag zu legen.

Kunst ist das letzte Feld, das Menschen vorbehalten bleibt, solange man sie als Teil der Kultur versteht. Wer will schon wissen, was eine Maschine an Lebensweisheiten beizusteuern hat. Wer allerdings kreativ unbefähigt ist, hat gar nix und kriegt gar nix.

Dass das Wirtschaftssystem seine Ziele erfüllt, nämlich das Wohlbefinden der Teilnehmenden zu erhöhen, daran glaubt keiner mehr, der klaren Verstandes ist. Stattdessen wurde es zu offensichtlich, dass das dem Naturprinzip entlehnte Vorgehen dazu führt, dass der Stärkste es übersteht. Für die Natur gilt immerhin noch, das Überleben des am Besten Angepassten. Bei uns ist der am Besten Angepasste der, der am meisten Geld hat. Indem er es einsetzt, übt er beliebigen Einfluss aus.

Ob genug Geld fließt bestimmen solche, die es haben. Faktisch passiert also, was die wollen und nix anderes.
Zieht Produkt XY nicht mehr, wird es vom Markt genommen, gering bis gar nicht modifiziert und dem Zeitgeist angepasst neu beworben. Wer das Tempo nicht hält, fällt ‚raus. Von Über-40-jährigen wird das pauschal angenommen und keiner mehr von ihnen eingestellt. Die sehen wir erst auf dem Rentenmarkt wieder, wo die Nachfrage das Angebot übersteigt.

Es ist jedem zu empfehlen, es wie die aus der Spitzenfinanz zu machen. Hol‘ Dein Geld von der Bank und lege es in Ressourcenwerten an. So ziemlich alle Geldwerte orientieren sich am Dollar. Der Wert des Dollars wird privatwirtschaftlich festgelegt, ist von dort also beliebig steuerbar. Dieselben Privatwirtschaftler verschulden sich im Ausland in Dollarbeträgen und kaufen damit Ressourcen und Ressourcenquellen auf der ganzen Welt. Wir sprechen von allem, was man anfassen kann. Indem sie den Wert des Dollars nach unten orientieren, erhöhen diese Leute ihr Vermögen per Lichtschalter und verringern im selben Zug die Höhe ihrer Schulden. Das sind die Forderungswerte, aller Anderen gegen sie.

Dem heute erhaltenen Dollar oder der Einheit einer an ihm angelehnten Währung entspricht kein festgesetzter Gegenwert. Jeder Störeinfluss wirkt sich auf die Geldwerte aus, der kleine Mann hat dem nichts entgegen zu setzen. Aber er soll von den Summen ‚runterbeißen, die man ihm nur widerwillig zugesteht, gerade als sei es eine Gnade, für Leistung auch noch bezahlt zu werden.

Wer nicht bereit ist, das System an seinen Schwachstellen zu pervertieren, sondern auf eine soziale Atmosphäre setzt, in der er sich wohlfühlt, wird von denen zum Opfer gemacht, die nicht so zimperlich sind. Das sind nichtmal notwendiger Weise besonders helle Köpfe. Es ist fast wie in der Schule, wo die Kräftigen die anderen unterdrücken. Der Instinkt steuert einen auch durch das Wirtschaftssystem ganz gut, Verstand ist da keine Bedingung, sondern dem isolierten Streben nach Geld eher hinderlich.

Mit ist vollkommen unklar, wie man angesichts dieser Tatsachen, die nun wirklich kaum mehr jemandem fremd sein dürften, noch daran glauben kann, dass alles ganz prima läuft und wir es so lassen können, wie es ist. Im Rahmen der EU wird der Wettbewerbsgedanke sogar amerikanischen Verhältnissen nachempfunden.
Irgendwie ist es so, als würde man nichts aus dem lernen, was die sich antun. So ist es aber nicht. Das Prinzip verspricht nämlich große Macht für jene, denen es darin so richtig gut geht. Politiker also, Wirtschaftsmultis, bereits oder bald entmenschte Organisationen sehen es gerne, wenn die Mehrheit ihnen nicht von unten in die Suppe spucken kann.

Werden die zur Kasse gebeten, wollen sie es aber doch lieber auf mehrere Schultern verteilt wissen. Dass die Schultern an diesem Weniger zusammenbrechen, weil EUR 1000,- minus EUR 100,- numal 10% weniger sind und EUR 1 Mio. minus EUR 10.000,- nur 1%, ist denen einerlei. Für den Einen geht es ums Überleben und für den anderen um das, was er „Existenz“ nennt. Als sei die mit EUR 990.000,- irgendwie gefährdet. Trotzdem kann er sich darüber so ereifern, dass er Wenigerverdienende sich untergeordnet klassifiziert, also wie geschaffen dazu, statt seiner Entbehrungen zu erdulden. Die sind schließlich Kummer gewöhnt.

Na, danke.