Was ist dran am Vorwurf? „Veganer halten sich für bessere Menschen“

Menschen die sich für „gut“ halten zeigen erwiesenermaßen weniger Bereitschaft etwas für andere zu tun (Link zu Ergebnis nicht mehr verfügbar), aktiv zu werden, etwas zu ändern, denn sie sehen ja kein Erfordernis mehr, sich zu verbessern.

Wenn von oder über Veganer geschrieben oder gesprochen wird, fällt oft der Satz, „Veganer halten sich für die besseren Menschen“, oder „Veganer hielten sich für was Besseres“.

Wir halten die Entscheidung vegan zu leben für besser, als Umwelt und Tiere länger auszubeuten, das stimmt ja nun schon. Würde ich die vegane Lebensweise nicht für die geeignetere halten, hätte ich die Entscheidung nicht getroffen so zu leben. Doch dazu zu finden, hat viele Recherchen (mit dem Ziel übrigens, den Fleischkonsum zu rechtfertigen, und den Veganern in einem Forum bei dem ich Mitglied war handfeste Argumente vor den Latz zu knallen) gebraucht. Das Potential sich zu verändern, steckt in jedem anderen Menschen auch.

Fast jeder erlebt einen oder mehrere Momente in seinem Leben, nach denen sein Verhalten nicht mehr dasselbe sein kann oder bereits festgefahrene Gewohnheiten in neue Bahnen lenkt. Alleine ein Umzug in eine Wohnung mit anderem Grundriss und einer ungewohnten Verkehrslage zwingt zur Neuorientierung: Wo geht es ab jetzt zum Einkaufen? – Brauche ich ein Auto um zur Arbeit zu fahren? – Wo ist die nächste Busstation? – Gibt es Fahrradewege? – Wo verstaue ich die Küchengeräte? – Ein vorher viel genutztes Gerät kann nahezu in Vergessenheit geraten, nur weil man es in der neuen Wohnung an einem schwerer zugänglichen Ort verstauen musste…

Es gibt viele Gründe für Veränderungen etablierter Gewohnheiten. Manche sind zwingend, manche folgen neuen Erkenntnissen und Überlegungen. Davor ist man in keiner Lebensphase sicher.

Auf andere herabblicken und was Besseres sein zu wollen – ein Motiv für Veganismus ist das nicht. Es geht vielmehr darum, dass man etwas besser machen will als bisher. – Doch daneben gibt es auch unter Veganern angenehme und weniger angenehme Charaktere. Manche haben Vorurteile gegen bestimmte Menschengruppen, noch andere hassen Menschen regelrecht für das was sie tun (ich mag nicht was Menschen Tieren und der Umwelt antun, aber ich hasse nicht die Menschen dafür – zumal sie es ja in vielen Fällen nicht besser wissen können).

Ansonsten verhält sich aus meiner Sicht sogar genau anders rum:
Damit Carnisten sich als etwas Besseres („überlegene“ Art) fühlen können müssen so viele Tiere sinnlos leiden und sterben. Wenn es rein um Nährstoffe geht, müssten es nämlich keine hoch entwickelten empfindsamen Tiere sein, sondern Insekten täten es auch. Wer sich nicht vor gewissen Nuggets graust, dem sollten zermantschte Insekten auch nichts ausmachen.

Und für alle, die das bisher nicht wussten: Proteine werden von Pflanzen gemacht. Tiere wandeln sie nur um, verbunden mit hohen Nährwertverlusten und begleitet von Unmengen stinkender Gülle die Gewässer und Böden verseucht. Wetten, dass Du nicht im Umkreis einer Schweinefabrik leben magst? – Aber andere sollen das ertragen müssen, damit Du Deine Arterien mit Schweinefett auspolstern kannst?

Ich halte die Idee einer für alle lebenswerten Zukunft für erstrebenswert. Auch wenn die Entscheidung die ich ja nur für mich treffen kann, das in ihrer Einsamkeit nicht erreicht, bin ich doch lieber eine Teil einer konstruktiven Idee die sich vielleicht nicht durchsetzt, und deren Verwirklichkung jenseits meiner Lebensspanne liegt, als Mitunterstützer destruktiven Wirtschaftens durch die Tierindustrien zu sein über dessen Untragbarkeit keine Unklarheit mehr besteht.

Viele Veganer fühlen sich nach ihrer Lebensumstellung besser. Sie ernähren sich sorgsamer, sie kaufen bewusster ein, sie entwickeln ihren Sinn für Wertschätzung neu. Und da Industriefutter meist kontaminiert ist, oder nicht ausgeschlossen werden kann, dass es das ist, kaufen sie sich Zutaten lieber frisch und unverarbeitet.

All diese bereichernden Nebenwirklungen führen dazu, dass man seltener krank wird, besser schläft und sein Leben als erfüllter wahrnimmt und sich glücklicher fühlt. Das wiederum ist eine Errungenschaft, die man andere sicher nicht dadurch spüren lässt, das man auf sie herabsieht. Ganz im Gegenteil, Glück wird immer mehr, je mehr man es teilt. Zudem schont es Ressourcen, denn – glückliche Menschen konsumieren weniger.