Unfreiheit als Wurzel des Übels?

Der ursprüngliche Jäger (sofern es den gab), der auf das Tier als Nahrungsquelle angewiesen war, musste dessen Lebensinteressen nicht abwerten. Es ging um Leben gegen Leben auf Augenhöhe. Die Wert(ein)schätzung veränderte sich erst, als der Mensch nicht mehr auf das Tier als Nahrungsquelle angewiesen war, und hat heute im Überfluss der es leichter denn je gestatten würde sich rein pflanzlich zu ernähren, ihren Tiefpunkt erreicht. Wertloser können wir Tiere nicht mehr behandeln als es heute geschieht.

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Selbstlosigkeit halte ich für technisch ausgeschlossen.- Egoismus ist immer im Spiel wenn wir Entscheidungen treffen. Der Unterschied liegt vielmehr darin, welche und wessen Werte unsere Wohlbefindensgewinnrechnung integrieren kann. Kognitive Leistungen beginnen nicht erst jenseits des Fühlens. Im Gegenteil – was uns nicht berührt, bewegt auch nicht unser Denken. Ob emotionale oder rationale Reaktion, ohne Impuls kein Feuer.

Da wir tierische Interessen abzuwerten lernten, kann die Kognition keine ihnen gerechte Gewichtung mehr an ihnen festmachen („Es sind ja nur Tiere“). Objektiv gesehen ist jedes Lebewesen Träger von Eigeninteressen, nicht der von anderen, auch wenn es im Zusammenspiel der Lebensformen unvermeidbar zu einem komplexen Gefüge von Synergieeffekten, Kooperationen und Symbiosen gekommen ist, wohingegen vernichtende Feindschaften das Gleichgewicht (auch) zu Ungunsten des „Gewinners“ zerstören und daher keinen Bestand haben können. Der geldbewertende Mensch ahnt noch nicht, was er in seiner unglückseligen Gier (wonach auch immer, jedenfalls sind nicht die Banker oder irgendwelche Verschwörer Schuld, denn wir alle haben mitgemacht) zerstört, so wenig wie er sich selbst versteht, sonst würde er nicht immer wieder auf dieselben Mechanismen reinfallen. – Vorwerfen kann man es ihm auch nicht so recht, denn mit seinem Verstand ging die Erfassung der Welt noch einmal ganz von vorne los.

Menschen niemals satt werden zu lassen ist das – sogar erklärte – Konzept das die Wirtschaft antreibt. – Die Wettkampfwirtschaft wird zum Feind des Lebens, weil sie überlegene Mittel vor immer noch denselben (alten, tierischen) Motiven anwendet. Lediglich von sozialen Werten losgelöste Triebhandlungen sind in Geld bezifferbar. Vertrauen, Liebe, Glück, etc. kann niemand in Geld aufwiegen. Wenn wir das Beste in uns jedoch für Geld gar nicht bekommen können, welchen Entwicklungsvorteil bietet es dann noch (wir verlieren damit ja Werte, statt welche zu gewinnen)?

Evolutionär betrachtet liegt der Fortbestand natürlich zugänglicher Ressourcen nicht im „Sinne“ naturräuberischer Konzerne, und so geht ihre Wirkung automatisch in Richtung Konkurrentenzerstörung oder Assimilation (nicht nur andere Konzerne, auch die Natur). – Ist die Natur zerstört und / oder vollständig assimiliert und als Versorgerin für Menschen komplett ausgefallen, verbleiben die „Gewinner“ als die einzige „Hand“ die alle füttert. Böser Plan, Absicht, Verschwörung? – Ein in Betracht zu ziehender Effekt.

Intuition / Mustererkennung ist m.E. die native Art und Weise wie unser Gehirn die Welt die es fühlenderweise bewertet, für sich wiedererkennbar macht, um sich im sinnlichen Zusammenspiel mit der Umgebung an seinem inneren „Weltmodell“ intuitiv und unmittelbar der Situation gerecht zu orientieren. Ein Bewusstsein umfasst alles, worin wir uns wiedererkennen, den kognitiven Raum, das Vorstellungsvermögen. – Jedes Wesen mit Gehirn geht mit Werten um, die aus seinem Triebsystem kommen und von emotionalen, später sozialen „Erinnerungen“ geprüft werden, bevor daraus ein Schluss, eine Entscheidung oder ein Gedanke werden kann. Steigende Komplexität („Vielwertigkeit“) erforderte eine höherwertige, mehr Aspekte / Interessen / Werte berücksichtigende Prüfsumme, ein Mehr an Wiedererkennung individuell erfahrener Erlebnismuster, die eine ebenso individuelle, vielschichtige Persönlichkeit ins Gehirn prägten.

Die Abwertung tierischer Eigeninteressen ist postnatal erlernt, wie vieles gegen die natürliche Tendenz des Kindes zu Gerechtigkeit und Tiere zu mögen, und damit lediglich soziosubjektiv und kann daher auch gesellschaftlich relativiert werden, zumal es keinen Mangel an Alternativen gibt. – Umfassender gebildete Generationen nach uns (sofern wir ihnen noch eine Lebensgrundlage übrig lassen) werden damit so wenig Sorgen haben wie heute gebildete Menschen mit der Akzeptanz der Gleichwertigkeit von Menschen jedweder Herkunft. – Natürlich haben wir die „Wahl“ wofür wir uns entscheiden, nicht jedoch welche gewählte Strategie (auf Dauer) bestehen kann (das „Richtige“, das „Geeignete“, das „Gute“). Freie, eigenverantwortliche Menschen können auf Gemeinheit als Mittel subjektiver (nicht realer) Selbsterhöhung verzichten. Sie sind aus sich selbst heraus wertig durch ihre Individualität mit der sie im Für- und Miteinander zum Wohle anderer wirksam sind. Warum nur verkaufen, wenn man es auch tun kann?

Einfühlungsfähigkeit (in systemische Strukturen) und Mitgefühl sind unsere Stärken mit Zukunft. Ich glaube, es wird Zeit einzuräumen, dass wir uns selbst wieder vermenschlichen müssen, statt die Dinge und Haustiere mit denen wir uns kompensationshungrig umgeben. Nur uns selbst können wir zu Menschen machen.