Und ich konnte meine eigene Dummheit sehen

Stell Dir einen Taschenrechner vor. Wir nehmen so ein Ding, tippen Werte ein und erhalten eine Summe. Die Summe kann nur jene Werte enthalten, die wir in den Taschenrechner eingegeben haben, bevor wir auf = tippen.

Mir ist klar, dass es nicht naheligend ist, die Verbindung zwischen Zahlenwerten und Gefühlen herzustellen. Darauf kam ich eigentlich erst nach mehreren Jahren KI-Forschung (künstliche Intelligenz). Nur nennen wir sie auch nicht von ungefähr „Werte“. Wenn Du Dich eingehend selbst beobachtest wird Dir auffallen, dass Du Dir über nichts den Kopf zerbrichst, das Dich nicht in irgendeiner Weise berührt. Es liegen Dir dann gewissermaßen Werte (Befindlichkeitseindrücke) darüber vor. Dass davon unmittelbar abhängt, welche Summe hinten raus kommt, ist – so hoffe ich – einleuchtend.

Wut bewirkt ein anderes Verhalten und schafft demnach eine andere Realität als Liebe es tut. Bei Werten geht es nicht (nur) um Meinungen. Es geht darum, was für unser Überleben und unsere Entwicklung wichtig ist und was nicht. Letztlich sehen wir uns in Relation zu allem was uns umgibt. Schätzen wir das schon gering, überträgt sich diese Geringschätzung nicht nur auf andere Menschen, sondern letztlich auch auf uns selbst. Wir brauchen immer mehr Material um unser Selbstwertgefühl auf dem gleichen Niveau zu halten, und wachsen dadurch in eine verhängnisvolle Richtung.

Jene Faktoren die sich nun kumulieren und gegen uns wenden haben ihren Ursprung bereits viel früher. Sie liegen sozusagen am Grund eines tiefen Meeres, und wir sind nach wie vor an dem Punkt, wo wir so tun, als wäre es damit getan, dessen Oberfläche zu polieren. Die Wogen werden wir damit aber nicht glätten können, sie werden mit jedem Versäumnis höher und gewaltiger, bevor sie über uns hereinbrechen.

Wie soll es weitergehen? – Manch politische Stimme meint, die Krise sei überwunden, wenn wir alle wieder so weitermachen wie vorher. Ich frage mich, was in diesen Gehirnen vor sich geht, denn intelligente kognitive Leistung kann es ja wohl nicht sein. Dafür sind neue Werte vonnöten. Damit sind wir in der Lage, neue Denkmuster, neue Ideen zu generieren und umzusetzen. Die Erde hat keine Rettungsboote, sie IST das Rettungsboot, und wir alle sitzen drin.

Da wir uns eine funktionierende Natur nicht kaufen können, sind wirtschaftliche Gründe keine taugliche Überlebensstrategie (im Gegenteil, Wirtschaft ist eine Folgeentwicklung, die uns genauso evolutionär verdrängen und vernichten kann wie ein biologisches Nachfolgemodell, denn Evolution ist universell). Es gibt außerdem Motivatoren jenseits von Gier, so dass ich Frieden und Versorgung keineswegs gefährdet sehe, wenn wir uns von reiner und ohnedies ewig unbefriedigt lassender Gewinnsucht als Motivator verabschieden. Unverständlicherweise werden die Gierigsten immer noch als “Elite” bezeichnet. Die Wahrheit ist, dass ihre Kapazitäten nicht ausreichen, über den eigenen schnellen Kick hinauszudenken. Und weil sie das nicht können, tun sie es uns gegenüber ab, das betrifft auch die so genannten pragmatischen, weniger „erfolgreichen“ Modelle – und jene die es anders sehen nahmen es bislang dennoch hin, weil sie einer knappen inhaltsarmen Argumentation nicht etwas ebenso knappes, inhaltsarmes entgegenzusetzen haben und sich dann hilflos, ja geradezu unzulänglich fühlen.

Geldkalkulierer können nicht rechnen. Statt es zu fördern und zu schützen vernichten sie Leben(sgrundlagen). Denn wir haben die Lüge, und falsche (oder unvollständige) Daten führen zu den falschen Schlüssen und Entscheidungen. Was im Verborgenen geschehen muss, um gebilligt zu werden, kann niemals nachhaltig sein. Tansparenz ist daher eine Lebensnotwendigkeit, und sich so zu verhalten, dass man alles offenlegen kann was man tut, die einzig wahre Zukunftsstrategie.

Mit den Tieren die wir ihres Fleisches oder ihrer Pelze wegen töten, sterben auch Menschen, deren Nahrungsgrundlage an „Nutzvieh“ verfüttert wird, damit wir viel zu viel von dem bekommen, was wir nicht wirklich brauchen. Das ist eine Tatsache. Natürlich kann man das verdrängen, das habe ich auch eine Weile lang gemacht und schäme mich heute zutiefst dafür.

Hast Du Kinder? – Sahst Du diese jemals hinter einem Tier herjagen als wollten sie es reißen? – Wenn Kinder hinter Tieren her sind, dann um sie zu streicheln! – Das sollte allen Eltern zu denken geben, noch bevor sie etwas verfüttern, über dessen grausamste „Gewinnung“ ihre Kinder noch völlig ahnungslos sind, die aber wohl fast jedes Kind zutiefst bestürzen würde, wäre sie ihm gegenwärtig. Wenn die Ausbeutung anderer dann als „normal“ in ihr Gehirn tätowiert ist, bewegt es sie nicht mehr. Das macht es aber damit noch lange nicht richtig, und sei es auch „legal“. Dann den jungen Menschen vorwerfen, dass sie „verroht“ seien und „respektlos“ ist doch etwas eigenartig, vergenwärtige ich mir, woran wir sie alles „gewöhnt“ haben, bevor dieser Effekt eintrat. Haben wir uns überhaupt den Respekt unserer Kinder verdient?

Auf die Ausbeutung fühlender Lebewesen gänzlich zu verzichten würde eine vollkommen neue Gesellschaft hervorbringen, schon alleine deswegen, weil wir uns dann nicht mehr wie Jäger aufführten, die sich gegenseitig die Beute neidisch sind. Wir leben im Überfluss und verhalten uns dennoch so feindselig, als würden wir Mangel erleiden, denn alles um uns ist darauf ausgelegt, uns Defizite vor Augen zu führen die es angeblich zu füllen gilt. Ob echter Mangel oder gefühlter – wir handeln das immer gleich ab. Die Phase der Befriedigung wird mit dem Qualitätsverlust jedoch zunehmend kürzer, daher muss es immer mehr sein.

Gier füllt, und sie reicht bis zum Zerplatzen (der Geldblase zum Beispiel) – doch Erfüllung bringt sie keine, niemals, zu keiner Zeit. Sie ist unserer und der Komplexität unserer Lebensumgebung bereits nicht mehr gewachsen seit es Gefühle gibt, die eine differenziertere Bewertung erlauben. Komplexität ist nicht mit Kompliziertheit zu bewältigen, und auch nicht mit Regelprogression (dadurch laufen sich nicht nur neuronale Netze tot), die nicht alles berücksichtigt und daher zu neuen Fehlern führt, die wieder nach neuen Regeln verlangen. Das Wesen von Komplexität ist ihre Vielwertigkeit, daher sehen viele Menschen nicht (mehr) die Einfachheit darin. Es wäre leichter, sich an Grundprinzipien zu orientieren, deren oberstes Gebot die Unversehrtheit von Körper und Geist ist.

Das wurde mir im Zusammenhang mit der Turingmaschine gegenwärtig, deren Beschreibung mich dazu verleitete, Intelligenz als etwas so ungeheuer Kompliziertes wahrzunehmen, dass es mir nicht möglich sein würde, ihre Mechanismen zu verstehen. Das kostete mich ein halbes Jahr, dann gelang es mir, sie losgelöst vom Mechanismus zu begreifen der sie anwendet, und ich sah meine eigene Dummheit. Damit veränderte sich für mich ALLES. Dieser Schritt steht uns als Gesellschaft noch bevor, aber er wird unweigerlich kommen, und hoffentlich tun wir (dieses Mal) das Richtige…