Mein verstörtes Verhältnis zur Wirtschaft

In ihrer derzeitigen Form halte ich die (Finanz)Wirtschaft (ausgehend von den mir zur Verfügung stehenden Daten, was für alles Weitere ebenso gilt) für unseren evolutionären Feind.
Die Relevanz eines Menschen an seiner Kaufkraft zu messen ist ein höchst einseitiger und relativer Wert, der viel zu viele andere ausgrenzt, weswegen wir der (vielwertigen) Komplexität in und um uns herum nicht mehr gewachsen sind. Schon ein Faktor kann ausreichen ein komplexes System aus dem Gleichgewicht zu bringen und die Lebensumgebung irreparabel zu schädigen. Der Mensch hat den Überblick über die Schadfaktoren die er in die Welt setzte, längst verloren, geschweige denn, dass er je über irgend etwas die Kontrolle (gehabt) hätte. Wenn es bröckelt, hält er an seinen Methoden noch krampfhafter fest und zermalmt damit auch noch, was ansonsten übrig bliebe. Es ist Zeit loszulassen – allerhöchste. Das Einzige was dann noch schmerzt wird die Tatsache sein, sich so lange damit verausgabt zu haben, festzuhalten was nicht bestandhaft war.

Die Lösung der Energiefrage sehe ich beispielsweise nicht im Zentralismus, sondern in der Kleinteiligkeit. Dazu müssen viele mitmachen. Auch in einer richtigen Demokratie müssten viele mitmachen, nicht nur Kreuzchen setzen und sich dann ärgern, dass auf die eigenen Bedürfnisse so gar keine Rücksicht mehr genommen wird. Meine Vermutung ist, dass die kritische Masse die was verändert, recht klein ist, während der Rest sich mit dem begnügt, was ihm vorgesetzt wird und allenfalls ein wenig herumschimpft. Diese Masse ist jedoch als Multiplikator relevant, weil sie Vorgesetztes ohne darüber nachzudenken konsumiert und kopiert. Das ist Chance und Fluch zugleich, denn auch dahinter verbergen sich enorme Potentiale die nur noch nie richtig gefordert waren.

Die meisten Menschen nehmen was da ist, weil es da ist. Das hat auch was mit dem Grundvertrauen zu tun, dass einem der “Anbieter” nichts Böses will, zumal er einem ja das Blaue vom Himmel verspricht, wenn man seine Produkte kauft. Profiteure nehmen sich mehr Freiheit heraus als sie Verantwortung einbringen. Die Differenz ist ihr Profit. Die Produkte werden davon nicht besser, vielfach sogar ungesünder. In den Meeren schwimmt sechs Mal so viel weggeworfenes Plastik herum wie Plankton. Es gibt davon viel, also ist es uns auch nichts mehr wert, doch kommt es wieder zurück – in unser Blut. Für den “kleinen Mann” macht es keinen großen Unterschied, was er kauft, denn er muss aus dem auswählen, was da ist.

Manche Profiteure würden am liebsten jeden Atemzug ummünzen, auf die Wasservorräte haben sie es bereits abgesehen. Zuerst schneidet man Menschen von ihren natürlichen Ressourcen ab, um ihr Überleben dann davon abhängig zu machen, dass sie Geld haben. Die dafür herangezogenen Daten sind unvollständig und / oder fehlerhaft, daher die meisten Schlüsse und Entscheidungen in diese Richtung bedenklich. Schon dass Profit das Ziel ist verfälscht die Ergebnisse. Gefühle (Werte) gelten hingegen als irrational. Menschliche Zivilisationen gibt es erst seit einem Augenzwinkern in der Geschichte der Erde, und nur 6000 Jahre “Herrschaft” haben gereicht, die Welt an den Rand der Zerstörung zu bringen – wenn da überhaupt noch ein Rand ist…

Nur weil der Mensch lernte, seine Triebe wirkstark über den Verstand abzuhandeln und die vielschichtig vernetzte emotionale-soziale Verarbeitung auszuschalten bzw. mit konsumierten Stimulationen vom Wesentlichen (Überlebensgefühl) abzuschirmen, macht ihn das eben noch lange nicht intelligent. Das Gegenteil trat vielmehr ein. Kalt berechnend wie er dadurch wurde, verpufft er Unmengen wertvoller Rohstoffe, um sich um ein gleichbleibendes Wohlbefindensniveau abzumühen, das nur Bruchteile von dem beträgt, was er (er)leben könnte. Das ist auch der Grund, warum er niemals satt wird. Und weil er es (nur) so und nicht anders erlernte (Paradigmen), wachsen – nein wuchern wir genau in die falsche Richtung. WIR sollten (über uns hinaus) wachsen. Nicht unsere Kreationen uns über den Kopf.

Evolution ist was Universelles, und neue Strukturen die alte ablösen, müssen – das haben wir selbst bewiesen – nicht zwingend biologische Lebensformen sein. Ich glaube, die Systemkrise hat noch nicht mal richtig angefangen, geschweige denn dass sie enden kann, so lange das System weiterhin in der Form besteht. Wer sich nicht an die Spielregeln (der Natur!) hält, muss das Feld räumen und Platz für tauglichere Modelle machen. Grade wir sollten das wissen. Aber Wissen und Verstehen sind eben zwei völlig verschiedene Dinge.

Der Mensch erhöhte seine Wirkkraft, indem er Werte reduzierte und seine Potentiale darauf konzentrierte. Damit wurde er durch Vernachlässigung aller anderen Aspekte dermaßen ineffizient (sinnentleertes Füllen in unvorstellbaren Massen mit unvorstellbarer Abfallgenerierung statt Erfüllung), dass er mehr und den Großteil sinnlos verpufft als der Planet regenerieren kann. Wir müssten damit sofort aufhören. Es fällt mir mit jedem Tag schwerer, die Trägheit zu verstehen, mit der Politik, Wirtschaft und vor allem die Menschen die ja allesamt betroffen sind, re-agieren. Meine Anstrengungen wirtschaftlich zu überleben kommen mir in Anbetracht dessen wie ein Kampf gegen Windmühlen vor, und das auch noch ohne Pferd und Waffe. Der Wunsch, Arbeit und Sinn zu verbinden brennt immer stärker in mir (bin Angeboten aufgeschlossen, die mich davon leben lassen).

Wenn das System die Krise ist, hilft es auch nichts, es grün zu färben. Nicht jede Organisationsstruktur ist intelligent. In einem Ameisenstaat kommen beispielsweise die Potentiale aller zum Tragen, auf aus unserer Sicht(!) niedrigem Niveau zwar. Beim Menschen liegen massenhaft fähige Köpfe brach, die einfach nicht zum Zuge kommen, ja deren Bedenken sich nicht einmal jemand VERANTWORTLICHER anhört. War es früher der Krieg, der unsere Kinder fraß, ist es heute die Wirtschaft, und die Art und Weise wie sie geführt wird schließt nicht aus, dass sie uns nochmal in eine große Unruhe stürzt. Schon jetzt leiden viele, sehr viele Menschen unter den Bedingungen. Und wir sitzen alle im gleichen Boot.

Wenn der Mensch nicht willens (unfähig) ist, seine Fehler zu korrigieren, bevor sie irreparable – durchaus absehbare – Schäden anrichten, ist das, was er den Tieren voraus haben will nichts weiter als eine neuronale Luftblase.

Soziologie

Neulich nachts landete ein Igel glücklich nach seiner Straßenüberquerung auf dem sicheren Gehsteig, tappte Richtung Wiese und legte einen Zahn zu, als er mich kichern hörte. Igel sind wirklich putzige Gesellen, aber so stachelig, dass das vielleicht auch der Grund dafür ist, dass man sie zuerst von unzähligen Flöhen und Zecken befreien muss, bevor die unterernährten Exemplare bei einem in Winterurlaub dürfen. Sich gegenseitig von Parasiten zu befreien kommt für Igel offenbar nicht in Frage. Das könnte eine blutige Nase geben.
Menschen haben auch ihre Spitzen. Sie entstehen nach der Geburt in ihren Köpfen.