Weltvegantag 01. November

Ja, Tiere sind ein wenig anders als wir. Sie können keine Vorurteile vererben und Legenden überliefern (aus denen wir nebenbei bemerkt auch nichts gelernt haben), weil sie noch unverfälscht nach ihren individuellen Werten handeln, und nicht in daraus (vielfach fehlinterpretierten) abstrahierten (und vielfach kopierten) Symbolen.

Je länger ich mich mit Kognitionsforschung beschäftige, umso kleiner werden die Unterschiede. – Eigentlich hatte ich gar keine andere Wahl als vegan zu werden. Der menschliche Verstand ist auch nur ein Programm, das in seinem Organismus arbeitet. Letztlich kommen die Werte die ihn steuern wie bei anderen Lebewesen aus dem Triebsystem. Die humane Motivation ist in keiner Weise von der tierischen verschieden. Menschen haben auf Grund eines größeren Gedächtnisspeichers jedoch mehr Einfluss auf ihre Justierung.

Auch Ferkel und Kälbchen sind jemandens Kinder, und ihre Mütter trauern, wenn man ihnen ihre Babys wegnimmt, und sie tun es aus den gleich guten Gründen wie wir. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Schmerz eines Tieres und dem eines Menschen. Gefühle sind den Lebewesen gegeben um mit ihnen zu rechnen (Werte > Intuition > zeitnahes Erfassen komplexer Situationen durch Mustererkennung und Mustervervollständigung). Dazu sind wir potentiell sogar dann in der Lage, wenn wir sie nicht selbst empfinden können (an der Stelle muss endlich klar werden, dass nicht Empathie, sondern das Fehlen derselben ein Defizit darstellt), aber beispielsweise jemand, den wir glücklicher machen wollen, weil wir ihn akzeptieren, wertschätzen oder sogar lieben.

Totes Gefühl isst totes Fleisch, und dieses Fleisch frisst (das Vielfache an Nahrung von) Menschen, die dafür leer ausgehen. Wozu soll das gut sein? Was bringt es, dass es die systematische Vernichtung von Urwäldern, Böden, Artenvielfalt, Ressourcen und der Klimasituation rechtfertigt? – Wir können das Vernichtete nicht zurückkaufen. Was erzählen wir in 20 Jahren unseren Kindern oder Enkeln – na, es schmeckte halt so gut? – Ein derart gebrauchter Verstand ist nichts weiter als der Übersetzer seines Stoffwechsels. Wenn wir zu mehr nicht in der Lage sind, dürfen wir erst Recht keine Tiere essen, weil der mentale Unterschied dann noch geringer wäre als zu jemandem der sein Leben durch bewusstes Nachdenken und Neubewertung von Aspekten willentlich an neu erkannte Erfordernisse anpassen kann.

Es geht keinem Veganer darum, Dir was zu missgönnen oder Dich einzuschränken, sondern um – des Erhalts von Friedens und Freiheit wegen – auf Fehlentwicklungen hinzuweisen, deren Ursachen in unserer fehlgeleiteten Wert(ein)schätzung zu finden sind. Das ist – zumindest technisch gesehen – korrigierbar. Jemand muss damit anfangen, und er wird anfangs sehr alleine damit sein, weil die Mehrheit auf der anderen Seite steht. Daher bildeten sich ja all die Probleme wie Welthunger, Umweltzerstörung, Klimawandel, Zivilisationskrankheiten heraus, und schrieben eine endlos lange Liste nicht nur von Tier-, sondern auch von unvorstellbarem Menschenleid.

Gesundheitliche Aspekte des Veganismus

In diesem Beitrag lass ich die Links für sich sprechen

Amerikanische Krankenkasse empfiehlt vegane Ernährung
Fleisches-Frust – für eine bessere Welt und gegen Vorurteile
Positionspapiere der American Diet Association und Chinastudie
Umfassendes Veganismus-Wiki
Vegane Ernährungspyramide
Buchrezension The China Study
medizinische Aspekte des Vegetarismus
Ärztegesellschaft zur Förderung der vegetarischen Ernährung
Die (wirkliche) Wahrheit über Soja
Das Vitamin B12
Was bei einer veganen Ernährung beachtet werden sollte
Vegane Kinder
Hilfe, mein Kind isst vegan
Veganismus aus wissenschaftlicher Sicht
Vegetarier leben länger
Intelligente Menschen ernähren sich öfter vegetarisch
Informationen über die gesündeste Ernährung und ihre Auswirkungen auf Klima, Umweltschutz, Tier- und Menschenrechte
Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM) (Englisch)

Liebe Veganer

Früher war es für mich normal davon auszugehen, dass tierische Produkte ein notwendiger Bestandteil der menschlichen Ernährung sind wie für viele noch heute. Schon daher kann ich sie nicht verurteilen, was auch nichts brächte. Denn sie gegen mich aufzubringen heißt, sie auch von meiner Lebensweise abzuschrecken, ein Effekt, wie er kontraproduktiver nicht sein kann. Es geht um das Leben, nicht “nur” jenes der Tiere, sondern auch das der Menschen (die auch nicht einfach “aus ihrer Haut” können). Es kann nicht unsere Aufgabe sein, die Lebensweise anderer in Frage zu stellen, sondern ihnen positive Impulse zu schenken, die dazu führen, dass sie selbst bereit sind Neues auszuprobieren, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Das gelingt besser, wenn Wohlgesonnenenheit gegeben ist. Hass ist genau so wenig eine Antwort wie Neid oder Gier eine sein kann. Denn sie verengen – wie die von uns aus gutem Grund nicht gut geheißene Ignoranz – das Gesichtsfeld, statt es zu erweitern – wie beispielsweise Vertrauen und Liebe es tun.

Die Stärke des durchschnittlichen Verstandes war es noch nie, verschlungene und vielschichtig miteinander vernetzte Pfade (die dann ein Netzwerk bilden) zu erfassen. “Man sieht nur mit dem Herzen gut” ist eine technisch zutreffende Feststellung, weil wir mit der Intuition eine mit all unseren Werten versetzte Gesamteinschätzung erhalten die etwa 375.000 mal informationsdichter ist als der (evolutionäre) Rest, der den Verstand noch erreicht. Das verstehe ich heute, weil ich es sehen und erleben kann. Früher war das halt ein netter Spruch.

Was hat mein Denken verändert? Nun, diesbezüglich hatte ich einen kleinen Vorteil, die KI-Forschung (KI = künstliche Intelligenz), im Zuge derer ich verstehen wollte, wie das Denken funktioniert. Der Beobachter verändert das System. Die Funktionsweise des Denkens zu durchdenken verändert das Denken. Das ist natürlich eine Untertreibung, es stellt alles auf den Kopf und alles in Frage, von Grund auf, bis hin zu den frühkindlichen Prägungen. Die Auswirkungen waren anfänglich recht beunruhigend, weil ich damit jeglichen Anker verlor. Ich war beschämt, desillusioniert und fühlte mich in Anbetracht der Menschheitsprobleme und ihrer Ursachen hoffnungslos erschlagen. Manche hätten mir wohl vorgeworfen, mein Realitätsbezug wäre verloren gegangen. Allerdings halte ich unsere Lebensweise für hinweislich dafür, dass dies ein allgemeines Problem ist – Verlust des Realitätsbezuges, genau genommen der wahrheitsgemäßen Wert(ein)schätzung (falsche Daten führen zu falschen Schlüssen und Entscheidungen, deren Folgewirkungen sich dann als Schaden erweisen).

Doch über die Zeit wurde mein Bezug zur Umgebung lediglich erneuert, und die Orientierung wieder hergestellt. Die Flexibilität des menschlichen Gehirns ist wahrlich erstaunlich – m.E. ist es mindestens um den Faktor 20 intelligenter als das Bewusstsein. Meine (emotionale) Bewertung erfuhr eine Reorganisation, ausgerichtet an einem Ziel jedoch, der Vision des (wieder!) zukunftsfähigen Menschen (das Wohl aller > lediglich eine Rechenaufgabe mit Werten, die ich als die größte Herausforderung der Menschheit sehe). Fazit: trotz alledem bin ich immer noch ich, und auch für Bekannte die mich lange nicht getroffen haben noch als die Person erkennbar, die sie in Erinnerung behielten.

Veganismus war die schlichte, logische Konsequenz, mit oder ohne Tierliebe. Die Wahrheit um die es geht, liegt nämlich in der Wirkung.

Liebe bewirkt Akzeptanz, Berücksichtigung, Integration (von Menschen und ihren Werten / Aspekten) in unser Denken. Unsere Methoden für unser Auskommen zu sorgen sind mittlerweile so Effizient geworden, dass alles durch den Rost fällt, was uns gleichgültig geworden ist – aber anderen vielleicht noch nicht. So geschah es, dass wir selbst das Funktionieren unserer Lebensumgebung aufs Spiel setzen, weil die meisten Menschen keinen Gefühlseindruck mehr haben, der sie in ihrem Denken adäquat gewichtet. Denken wiederum kann man sich als lineare Abfolge vieler kleiner Einzelentscheidungen vorstellen, in denen die Gewichtung der Einzelaspekte vom einst erlernten oder noch vorhandenen emotionalen Bezügen geprägt ist. Anders ausgedrückt: Was uns emotional nicht berührt(e) bewegt auch nicht unser Denken. Dass die Trägheit des Herzens und des Geistes in einem Zug genannt sind, ist also technisch gesehen richtig. Werte (Gefühle) sind tatsächlich der Schlüssel. Selbst Rationalisten werden nicht umhinkommen, sich mit den technischen Gegebenheiten zu arrangieren. Nicht Hochsensibilität ist nämlich ein Defizit, sondern die Reduktion der Wertebandbreite, die ursächlich dafür ist, dass Menschen sich nicht nur über ihre physischen Grenzen, sondern gleichzeitig auch über Interessen anderer (Lebensformen / Menschen > egal, Methodik und Gesinnung sind dieselben) hinwegsetzen und so zerstören, was für alle (über)lebenswichtig ist.

Je länger ich mich mit Kognitionsforschung beschäftige, umso kleiner werden die Unterschiede. Zumindest für kurze Momente kann ich mich in die kognitive Welt eines Tieres hinein versetzen. Auch daher hatte ich gar keine andere Wahl, als für das Leben zu stimmen und pro vegan zu werden, doch es war meine, an neuen Erkenntnissen folgerichtig getroffene, Entscheidung.

Um das angewandte, an der Stimulation des Belohnungszentrums beteiligte, Wertespektrum zu erweitern, muss die Empfindungsfähigkeit ausgedehnt werden. So klein wie sie jetzt ist, reicht sie definitiv nicht aus. Es ist nicht der Verstand der die Entscheidungen trifft. Er ist die letzte Instanz die überhaupt davon erfährt. Genau genommen ist er nur die Hure unserer Werte, kann aber auch das intelligenzsteigernde Analysewerkzeug sein, mit dem wir unsere Wert(ein)schätzung (immer wieder) neu justieren.

Klimaschutz beginnt mit dem, was wir uns auf den Teller tun

In letzter Zeit wird viel über Nachhaltigkeit und Werte geredet und geschrieben. Beide Bereiche spielen in meiner Lebensweise mittlerweile eine tragende Rolle. Wenn es uns ernst ist mit Nachhaltigkeit kommen wir nicht umhin, der größten Klimabedrohung von allen ins Auge zu sehen – unserer Ernährungsweise, zumal sich der weltweite Fleischkonsum bis zum Jahr 2050 verdoppelt haben soll. Allerdings wird es so weit gar nicht erst kommen, denn wir machen keine 20 Jahre mehr so weiter, geschweige denn 41…

In der Vergangenheit mag unser Überleben davon abhängig gewesen sein, tierische Produkte verwerten zu können – heute trifft offenbar das Gegenteil zu.

Der Einfluss den die Tierindustrie auf das Klima hat, wurde bislang unterschätzt. Bis zu 51 % der Treibhausgase könnten wir einer Ernährungsform verdanken, die auch unsere Gesundheitssysteme zunehmend belastet und außerdem unvorstellbares Tierleid legalisiert.

Jedes tierische Produkt ist nicht nur ersetzbar, sondern vielfach ist das Ersatzprodukt gesünder. Vegetarische und Vegane Ernährung sind von der American Diet Association als mindestens gleichwertig anerkannt worden. Bei vielen Krankheiten – z.B. Diabetis Typ II, Krebs etc., hat sich die vegane Ernährung als wirksamer erwiesen wie jede andere vorher angewandte Diät (http://www.vegetarische-initiative.de/ada_studie.htm).

Kaum ein Gebiet ist so umstritten wie die Ernährungswissenschaft, und die verbreiteten Informationen im Internet könnten widersprüchlicher kaum sein. Gerne unterstütze ich jeden, der seine Ernährungsweise in Hinkunft nachhaltiger gestalten möchte (nebenbei: fünf Jahre Ausbildung in Ernährungslehre), sei es, indem er dann und wann eine herkömmliche Mahlzeit durch eine vegetarisch / vegane Alternative ersetzen oder schrittweise umstellen will. Es ist nämlich nicht damit getan, Fleisch- bzw. tierische Produkte einfach wegzulassen, sondern auf eine ausgewogene und vielseitige Ernährung zu achten, um dem Körper alle Nähr- und Wirkstoffe zukommen zu lassen die er braucht.

Es ist ohnedies ratsam beim Einkaufen genau hinzusehen. Seit ich angefangen habe, Zutatenlisten zu lesen wächst mein Erstaunen darüber, welcher Müll uns heute als “Nahrung” verkauft wird.

Bis vor kurzem…

…war ich so naiv zu glauben, Ernährung sei Privatsache. Doch so lange wir das zulassen…
http://veg-tv.info/Earthlings
…ist alles, was über Klimaschutz und Nachhaltigkeit geschrieben wird, nur Heuchelei.

RICHTIG denken kann man nur, wenn man RICHTIG fühlt! Kognition ist nicht vom Gefühl zu trennen, denn unser Denken rechnet in die Richtung, in der wir den größten Wohlbefindensgewinn (für den Moment) vermuten. Die Zielsumme kann nur Werte beinhalten, über die das Gehirn verfügt.

Am gefährlichsten sind die Fehler die alle begehen, weil wir die als “Normalverhalten” hinnehmen, und die Gefahr darin dann nicht mehr (an)erkennen. Am Anfang jeder Veränderung steht daher der Mut, eigenständig zu denken und zu bewerten.

Was mich zwar nicht tröstet aber aufrecht hält ist die Gewissheit, dass Menschen alles ernten werden, was sie säen. Nur das Richtige kann auf Dauer nicht falsch sein – und Leid ist es definitiv nicht (Indikator für abträgliche Bedingungen) – egal wer es fühlt. Denn es zählt nur dass.

Wer sich ernsthaft für Nachhaltigkeit einsetzen will, muss bei dem anfangen, was er sich zuführt, was er einkauft, was er dafür billigend in Kauf nehmen will. Eine Produktentscheidung mag anhand eines einzigen Kriteriums fallen, aber in Wahrheit ist sie ein Ja zu vielen weiteren Aspekten, vor denen die Augen zu schließen sie nicht ungeschehen macht.
Die Tierindustrie tötet alleine in den USA jährlich so viele Lebewesen, wie Menschen auf dem Planeten leben. Die Tendenz ist steigend, denn bis 2050 soll sich der weltweite Fleischkonsum ja verdoppeln. Allerdings halte ich das für bloße Theorie, weil wir das Jahr 2050 (41 Jahre so weitermachen wie jetzt…?!!!?) ohne grundlegend umzudenken nicht ohne gröbere “Zwischenfälle” erreichen können.

Nebenbei: dass wir tierische Produkte benötigen um uns gesund zu ernähren ist überholt, wird aber nach wie vor gerne als Ausrede angeführt. Wir müssen nicht töten um zu überleben – das Gegenteil ist vielmehr richtig. Mit steigender Nachfrage steigt auch die Vielfalt pflanzlicher Alternativprodukte (Ernährungspyramide).

Das Leben findet immer einen Weg, daher muss das Denken für das Leben sein, damit auch wir ihn wiederfinden. Denn es gibt keine Zukunft außer der, die wir machen.