Uneinigkeiten – (m)eine fremde Szene

Rechtzeitig zum Osterfest suchen wir jetzt keine Eier mehr, stattdessen die Fehler in der Gesinnung und dem Verhalten anderer? Auf dieser (eingestellt?) und anderen Veganseiten lese ich hauptsächlich mit, denn ich habe große Achtung vor allen engagierten Tierrechtlern und Veganern, dafür muss ich nicht jede einzelne ihrer Ansichten teilen. Doch wird mir höchst betrüblich einen Austausch von Feindseligkeiten vorzufinden wo ich eigentlich eine Lösungssuche erwarte.

Dass Herr Kaplan oder andere engagierte Veganer in dem einen oder anderen Punkt von meinem Verhalten abweichen gibt mir nicht das Recht, ihre ganze Arbeit in Frage zu stellen. Ich sprach mich bereits für die vegane Lebensweise aus, da war ich noch Fleischesser. Durch die Fürsprache nach außen bereitete ich mir den Weg zu meiner eigenen veganen Entscheidung auf, und das war eben alles andere als ein gerader Pfad. Und nun? – Macht mich das unglaubwürdig? – Und wenn schon, was für Geistesgrößen haben es überhaupt nötig, ihre Entscheidung davon abhängig zu machen, oder meine Fehler als Ausrede zu verwenden, um “erst recht” nichts zu ändern? – Das ist in etwa so armselig wie Hitlers (meines Wissens gar nicht praktizierten jedenfalls nicht freiwillig) Vegetarismus als Ausrede vorzuschieben.

Für mich war die Entscheidung vegan zu leben nicht von irgendwem abhängig dessen Buch ich gelesen hatte, oder dessen Name mir was bedeutete. Ich hatte mich vorher lange mit intelligenter Datenverarbeitung beschäftigt und es gelang mir schließlich, das technische Modell und die Wahrnehmung dessen was sich im eigenen Gehirn abspielt, in Übereinstimmung zu bringen. Die vielen Tiere in mir wurden mir zunehmend stärker bewusst, was sie schließlich zu einem Teil von mir machte, den ich nicht mehr als Nahrung betrachten und behandeln wollte. Mein Lehrer war kein Mensch, es waren die Tiere selbst und die IT.

Vom Geschehen außerhalb meiner Arbeit hatte ich mich schon zuvor weitgehend zurückgezogen, beobachte jedoch die Entwicklungen mit großem Interesse. Ich weiß wie die Sache ausgeht – das Richtige wird bestehen – doch ich weiß nicht, ob die Menschen es zustande bringen werden. Dann wäre alles was wir heute tun, inklusive essen, ohne Bedeutung für unsere Nachkommen und die Zukunft der Menschheit. Wenn Nahrungsaufnahme nicht mehr dem Überleben dient, sondern im Gegenteil, es sogar gefährdet, erfüllt sie ihren Zweck nicht mehr. Da ist es nur folgerichtig sie zu überdenken und neu auszugestalten. Hier versagt die bestehende Marktwirtschaft mit ihren trägen Subventionsstrukturen, vor dem Hintergrund eines Zieles, das keines sein kann: Geld.

Die Namen die in einer Tierrechtsszene von der ich damals ebenfalls nichts wusste vertreten sind, kannte ich vor meiner Entscheidung nicht. Mich interessierten nur Technik und Fakten. Gefühle spielten dabei nicht nur eine, sondern die Hauptrolle. Doch in der Diskussion wie diese Welt noch (zu unseren Gunsten) zu retten ist sind meine persönlichen Empfindungen zu irgendwelchen Verhaltensdetails anderer Menschen nicht hilfreich. Was bringen persönliche Angriffe außer einer neuen Kriegsfront? – Wem soll die nützen? – Davon haben weder 1 Mrd hungernder Menschen noch die Tiere was. Klüger werden kann jeder nur für sich selbst, und dass es hier noch ungeahnten Spielraum gibt, ist mehr als nur ein Verdacht (meine Einschätzung: Faktor 20).

Je weniger Aspekte (Werte / Individuen) in unsere Denk- und Produktionsprozesse einzogen werden, desto mehr wird Überleben zur reinen “Glückssache”. Wir leben auch noch in einer Phase bewusst praktizierter Ignoranz, z.B. Einsatz bienengefährdender Gifte, Fracking, Ausquetschen der letzten Reserven an Erdöl für wenige Jahre Energieversorgung, Atomkraft trotz zweier Supergaus, deren Folgen noch nach Generationen nicht ausgestanden sein werden. Und das alles nicht etwa um lebensnotwendige Produkte herzustellen, sondern mehr als 90% (99% innerhalb eines halben Jahres in den USA) dessen was dabei rauskommt, auf den Müll wandern zu lassen. Wirklich gebraucht werden von der verfügbaren Energie also allenfalls mal 10 Prozent, mit dem Rest wird lediglich die „Wirtschaft“ gefüttert, die im Endeffekt den Reichtum Weniger kumuliert. Die das Konstrukt stützen und auch noch eifrig durch ihr Kaufverhalten füttern, haben von dem Ganzen nichts außer dem Schatten einer Illusion von Bedeutung. Nicht zuletzt aufgrund dieser Herabsetzung müssen heute so viele Tiere bluten.

Kooperation ist die einzige Lösung. Durch Instrumentalisierung findet hingegen eine progressive Verzerrung des “Stoffwechsels” (Ressourcenverbrauch) statt. Sie kann nicht funktionieren, weil die Rechnung permanent Fehler (zunehmende Benachteiligungen / Ungerechtigkeiten) zurückgibt, was das gesamte System destabilisiert.

Die Vision die ich mit “vegan” verbinde ist, das von Menschen geschaffene Leid zu verringern bis hin zu seiner Abschaffung. Das betrifft alle fühlenden Wesen (eine Trennung kann ich schon daher nicht vollziehen, da es mir nicht mehr darauf ankommen kann wer leidet, sondern dass es wem angetan wird).

Nichts zu tun ist die größte Last von allen

Wer sich über die Interessen anderer (Lebewesen) hinwegsetzt kann sich doch nicht wirklich darüber wundern, wenn ihm dasselbe widerfährt. Im Zusammenhang mit dem “Dioxinskandal” von neulich empfinde ich wesentlich mehr Bedauern darüber, dass für die von Menschen konsumierten Eier 50 % der Küken kurz nach dem Schlüpfen vergast und / oder lebendig zerschreddert werden, als dass sich “Verbraucher” die sich über derlei und andere leidvolle Tatsachen unbedacht hinwegsetzen eine Schadsubstanz mehr als sonst in ihren Cocktail rühren lassen mussten. – Selbstverständlich finde ich es grundsätzlich nicht in Ordnung wenn Menschen geschadet wird. Es ist verwerflich anderen (wissentlich) physisches oder psychisches Leid zuzufügen.

Dass für Geld alles versucht wird andere – selbst unter billigender Inkaufnahme ihnen damit zu schaden – auszutricksen ist in Anbetracht einer Umgebung in der sich Rücksichtslosigkeit (die bereits von den Konsumenten ausgeht und mit auch deswegen von den Produzenten ebenfalls ausgeübt wird) temporär (sie kann nichts hervorbringen das von Dauer ist) durchsetzte nur folgerichtig.

Fortschreitende Machkonzentration kostet (neben Werten) nicht nur Zufriedenheit, sondern auch immer mehr Ressourcen um Verlorenes zu kompensieren, was aber nicht geht (Erfüllung ist ohne die Wahrnehmung von Eigenverantwortung nicht erlangbar), und so entwickeln sich immer mehr Suchtmuster, die ihre Lebensumgebung immer schneller vernichten (weil Menschen nur noch zu “Verbrauchern” geworden sind – mehr zu nehmen als zu geben gilt fälschlicherweise als “Gewinn”).

Wem es wirklich um Nachhaltigkeit geht, der kann sie nicht nur in einer Sache verwirklichen, sondern sie nur ganz leben, indem er sie überall umsetzt wo er Verbesserungspotential erkennt. Der größte Schritt den wir in Richtung Nachhaltigkeit machen können ist es nun mal, unsere Ernährung umzustellen. Doch es dauert seine Zeit bis diese Information so angekommen ist, dass sie annehmbar wird. Sie muss so tief in uns eindringen, dass sie Einfluss auf die Stimulation unseres Belohnungssystems hat, erst dann ist sie tatsächlich verwertbar. – Daher bin ich auch nicht (mehr) der Ansicht, dass Menschen wider besseren Wissens handeln, sondern dass “zur Kenntnisnahme” und “verwertbares Wissen” zwei völlig unterschiedliche Dinge sind, und zwischen beidem ein langer Weg liegt.

Nirgendwo zeigt sich Intelligenz deutlicher als in der Fähigkeit an den Bedingungen neu orientiert umzudenken. Jeder Mensch kann dazu finden – mit dem Herzen, nicht mit der Höhe seines IQ. Dass der menschliche Verstand nur ein aufgesetztes “Programm” ohne eigene Werte (was für das Geldsystem übrigens auch gilt, beide erfassen nur einen winzigen Bruchteil der tatsächlichen Notwendigkeiten) ist, wird die nächste große Kränkung der Menschheit, schätze ich, auch wenn das nur jene betreffen wird, die (noch) nicht verstehen, was das bedeutet. Es kommt doch nur darauf an was wir aus dem was wir (über uns) wissen machen, und nicht, woraus es besteht.

Inspiriert von den Neujahrswünschen die ich zu diesem Jahreswechsel bekam, habe ich beschlossen, 2011 dem Thema Liebe besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Liebe ist überall, oft vergraben und kraftlos geworden unter der Last von Irrtums- und Missverständnissteinen, man braucht sie nur aufzudecken. Auch wenn uns die Steinwüste manchmal mutlos macht, jeder einzelne den wir entfernen oder dazu anregen dass er entfernt wird ist ein Gewinn. Diejenigen die damit angefangen haben (Danke), trugen davon bisher das größte Gewicht. Es ist jedoch mit Freude und Zuversicht verbunden, und daher unvergleichlich leichter zu tragen als die drückende, ohnmächtige Last des bloßen Zusehens und Nichtstuns.

Mit veganen Grüßen und Alle(s) Liebe für 2011,
Gabriele

Weih­nachts­vor­be­rei­tungen

Kekse sind gebacken, neun Sorten, und bereits ausgiebig getestet. Die veganen Bratwürste für morgen Abend kühlen grade ab. Die Mayonnaise für den italienischen Salat bereite ich morgen frisch zu. Drei tierfreundliche Weihnachtsmenüs sind durchgeplant und alle Zutaten eingekauft. Das turbulente Jahr 2009 nahm ein gutes Ende, nicht zuletzt weil ich erfahren durfte, was echte Freundschaft bedeutet. Vor mir liegen ein paar entspannte freie Tage, und so ist mir an diesem Weihnachten auch richtig zum Feiern. – – – Das hält mich nicht davon ab, jener zu gedenken, die das im Moment nicht von sich sagen können, weil sich ihr Leben nicht gut anfühlt. Sie haben keine Perspektiven, durchleiden Durst, Hunger, Angst, Krankheit, Hitze, frieren, sind eingesperrt, werden misshandelt, ausgebeutet, gequält, getötet – von solchen, die sich Menschen nennen.

Für all jene, die unter menschlicher Knechtschaft und Ignoranz leiden, seien es nun ebenfalls Menschen oder andere fühlende Wesen, wünsche ich mir mehr Mitgefühl, Aufmerksamkeit und Hilfe durch jene, die dazu in der Lage sind etwas zum Guten zu ändern – Du zum Beispiel. Nicht nur Weihnachten ist eine gute Zeit dafür, sein Herz für andere zu öffnen, und schwer ist es auch nicht. Es erfordert mehr Stärke als alles beim Alten zu lassen sich einzugestehen, dass man’s besser machen kann – und will. Doch genau darin liegen noch unzählige Quellen für neue Lebensfreude(n) und Inspiration verborgen. Die zu erfahren kann ich Dir ruhigen Gewissens wünschen. Ressourcen schonend sind sie zudem auch noch.

Ich bedanke mich bei allen Lesern für ihre Geduld, Treue und spannenden Impulse und wünsche Euch ein besinnliches, frohes Fest und ein erfülltes Jahr 2010.

Weitere vegane Kochexperimente

Bedauerlicherweise versäumte ich es, meine ersten selbstgemachten Bratwürste zu fotografieren. Durch das Pürrieren des Tofus bekamen sie eine Konsistenz, die sehr nahe an “echte” Bratwürste herankam. Fotos werde ich beim nächsten Mal nachholen.
Die Rezeptidee Chicken Style Saitan stammt von pogopuschel.wordpress.com/2009/08/15/chicken-style-seitan/. Der Rohstoff Saitan fasziniert mich zunehmend.
Den unwiderstehlichen Geburtstagskuchen entdeckte ich hier: vegan-und-lecker.de/2009/10/04/geburtstagstorte/, von diesem Blog stammt auch das Rezept für die zarten Vanillekipferl (die ich immer schon ohne Ei machte). Agavendicksaft fand ich zu meiner Überraschung im DM ganz in der Nähe. Ahornsirup gibt es da auch.
Das “Enten”stück kommt vom Verganversand und musste nur ein paar Minuten auf jeder Seite gegrillt werden.
Die anderen Gerichte habe ich einfach so zubereitet wie früher die “Originale” – Gulasch, Geschnetzeltes, Spaghetti Bolognese.

Extreme

“Dass Du überhaupt nichts Tierisches mehr isst – das ist aber schon extrem”, hörte ich heute. “Nein”, sagte ich, “was die Menschen den Tieren antun, das ist extrem”.

Tiere fühlen, sie spüren Schmerzen, sie haben Angst. Sie können sich nicht verbal mitteilen. Sie haben nur eine Hoffnung, Menschen die sie als fühlende Lebewesen (an)erkennen, und die das dann für sie tun. Es ist eine Frage der Richtung, aus der man blickt, wo man die Extreme sieht, und man soll sich dabei nicht davon blenden lassen, ob die Mehr- oder eine Minderheit sie praktiziert. Mir hat sich buchstäblich der Magen umgedreht, als ich der Wahrheit über unsere Ernährung ins Gesicht sah. Seitdem denke ich aus der anderen Richtung.

Speziesismus

Speziesismus ist das Vorurteil oder die Diskriminierung von Wesen auf Grundlage ihrer Artenzughörigkeit; insbesondere: Diskriminierung von Tieren, denen gegenüber der Mensch sich überlegen vorkommt und sich das Recht herausnimmt, sich ihrer Substanzen und ihres Lebens beliebig zu bedienen.

Massentierhaltungsstätten mit KZs zu vergleichen wird von Speziesisten als nicht statthaft abgewiesen mit dem Argument, man könne Tiere nicht mit Menschen vergleichen, oder gar noch diesen gleichsetzen. Wovor haben sie Angst? – Im Grunde nur, dass sich die Wurst auf ihrem Teller als grauenvoller Irrtum erweist, dem ins Gesicht zu sehen sie sich bisher entzogen haben. Wer der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen will, lebt sowieso die falsche. Unsere Angst und unser Schmerz sind älter als die Spezies Mensch, der Schmerz und die Angst die Tiere fühlen, dieselbe. Ein Vergleich damit nicht statthaft? Unser Freiheitsdrang ist älter als die Spezies Mensch, und das Leid der Gefangenschaft dasselbe. Ein Vergleich damit nicht statthaft? Unsere Grundbedürfnisse sind älter als die Spezies Mensch, so wie Leben und seine Kinder großziehen zu wollen. Ein Vergleich damit nicht statthaft?

Das, was Tiere in uns frisst ist selbst ein Tier, und seiner tierischen Nahrung keineswegs moralisch überlegen. Moralische Überlegenheit entsteht wenn wir zwar etwas können (es dann und deswegen zu tun ist re-aktiv bzw. evolutionär), aber unterlassen es zu tun, weil wir fähig sind, es als nachteilig, abträglich, umweltschädigend, für andere schmerzhaft und so weiter, zu erkennen. Da das Tier wesentlicher, ja Hauptbestandteil der menschlichen Physiologie ist, beschränkt sich wahre Humanität logischerweise nicht nur auf Wesen der gleichen Art, wie damit auch nicht nur Menschen gleicher Hautfarbe oder gleicher Kultur gemeint sein können. Selbst damit bestehen noch Schwierigkeiten. Noch in jüngster Vergangenheit erklärte ein fataler historischer Ausrutscher den Völkermord für “ganz normal”. So etwas passiert wesentlich schneller, wenn der Puffer zwischen Mensch und Gewalt eh schon klein ist, wie es beim Fleischesser der Fall sein muss, denn die “Gewinnung” seiner Nahrung ist unvermeidlich mit der Zufügung von Gewalt und Schmerz verbunden.

Erst kommt der Mensch und dann das Tier? – Das ist schon technisch gesehen falsch, weil das was wir zuerst an uns zu füttern lernen selbst erst mal ein Tier ist.

Liebe geht durch den Magen

Wie sagten unsere Großmütter: “Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es erlebt wie Du den Schmerz”. Ethische Gesichtspunkte sind für mich mehr als ausreichend tierische “Produkte” zu meiden, denn Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Einfühlungsvermögen und Leidensfreiheit gehören für mich untrennbar zusammen.

Ignoranz ist ein Defizit

Sie wirkt wie Dummheit. In harmlosen Fällen betreffen die Folgen nur einen selbst, zum Beispiel durch eine Krankheit, die mit mehr Umsicht verhindert hätte werden können. In schlimmen Fällen spitzt sich die ganze Sache zu, und es entstehen daraus verseuchte Gewässer, Umweltzerstörung, saurer Regen, ein Klima das aus den Fugen gerät, oder Massenmord.

Wer Tiere kaputt macht, macht auch Menschen kaputt