Leben in Not

Eine der Botschaften derer die glauben jedes Recht zu haben, Flüchtlinge abzuweisen ist: »Mir kann es nur gutgehen, wenn es anderen schlecht(er) geht (als mir)« – oder »mir geht es schlecht, und schuld daran sind jene, die noch gar nicht da sind«…

Das Geld der anderen darf die Grenze überschreiten, aber die Opfer der Geldmacherei haben gefälligst draußen zu bleiben.

Über wenige Generationen wurde gelernt, dass auf Kosten anderer zu leben »normal«, »natürlich« und »unvermeidlich« sei. Dabei macht das knausrige Maß angewandter Empathie nicht wirklich einen Unterschied zwischen Menschen (die einem persönlich nicht nahe stehen) und Tieren (die einem persönlich nicht nahestehen, das eigene Haustier ist natürlich was anderes). Es setzt sich schlicht über das Wohl anderer hinweg. Doch das herausgenommene „Recht des Gewaltbereiten“ ist über jedes verträgliche Maß hinaus destruktiv und daher kurzlebig.

Das System in dem wir leben ist: verbrauchend, auf Wettkampf ausgerichtet, gewalttätig, egozentrisch, werteverarmend, zukunftsunfähig. Viele Bewohner darin haben verlernt, kooperativ zu empfinden und zu denken. Vom Kind das über die Zustände noch erschüttert wäre auf dem Weg zum mediengesteuerten Bewohner scheint der Mensch verloren gegangen zu sein.

Die Auswüchse an Grausamkeiten die heute wie selbstverständlich akzeptiert sind, hatten in keinem Zeitalter der Menschheit solche Ausmaße. Die Menschheit kann keine echten Erfolge feiern, so lange so etwas geschieht. Es gibt keinen Anlass glücklich auf dem Rücken derer zu sein, die für das was andere erreichten leiden oder ausgeschlossen werden, oder das damit einhergehende Maß an Zerstörung zu feiern. Es wäre eine Fehlbewertung der Gesamtsituation. Und je schlimmer es wird, umso weniger wird der Konsum der Sinnlosigkeiten dazu beitragen, dass es Menschen besser geht.

Ich kann es nicht richtig finden, wie wir hier Geld und Ressourcenverbrauch hinterherjagen, während die Welt woanders weit davon weg ist, in Ordnung zu sein. – Sind wir nicht soziale Wesen? – Sollte menschliches Bestreben nicht daraus bestehen, Erfüllung im Für- und Miteinander zu finden? – Was tun wir hier eigentlich, und wofür, wenn es nicht mal Zukunft hat?

Cambridge Declaration on Consciousness in Non-Human Animals

Nun ist es (endlich) offiziell, nicht nur der Mensch verfügt über ein Bewusstsein.

Empathie differenziert übrigens nicht nach Spezies. Wer Veganern unterstellt, sie würden das Wohl der Tiere vor das der Menschen stellen, liegt damit falsch. Doch nicht selten verhält es sich so, dass Veganer sich von Menschen die mit Vorurteilen behaftet sind und wenig Interesse daran haben sich mit einer nachhaltigeren Denk- und Lebensweise vertraut zu machen, zurückziehen und die Gesellschaft von Tieren vorziehen. Leiden sehen können sie Menschen genauso wenig wie Tiere. Die Empathie von Vegetariern und Veganern ist allgemein höher. Doch anderen deswegen schon unverbesserliche Rohheit vorzuwerfen, wäre vorschnell. Empathie ist kein statischer Wert, sondern kann sich da besser entfalten, wo vermieden wird, anderen Schaden zuzufügen. Viele Menschen werden zwar (auch) aus Empathie vegan, doch kann es auch passieren dass sich durch die Veränderung der Lebensweise – beispielsweise aus gesundheilichen Gründen – erhöhte Empathie erst nachher einstellt. – Die (datenverarbeitungstechnische) Bedeutung von Empahie für unsere Entwicklung und Zukunftsfähigkeit kann ich gar nicht hoch genug ansetzen.

Schmerz, Leid aber auch Freude können wir in allen Gesichtern erkennen die Empfinden ausdrücken und sind davon mehr oder weniger stark berührt. Wir finden ja auch das Kindchenschema an jungen Säugetieren artenübergreifend „putzig“. – Das bedeutet aber auch: wenn wir unseren Kindern die Empathie gegenüber Tieren aberziehen (die meisten Kinder mögen Tiere), sind von der damit einhergehenden Rohheit später auch Menschen betroffen. Ich habe es bereits vor ein paar Jahren herausgefunden, als ich mich mit der Entwicklung und Funktionsweise des Fühlens und Denkens auseinandersetzte. – Leid ist Leid ist Leid – und wird nicht größer oder kleiner dadurch, dass wir(!) einen Unterschied machen, wen es (be)trifft. Es entsteht dabei ein Schaden. Und wir richten ungeheuer viel davon an (1 – 2.6 Billionen Meereslebewesen pro Jahr, ca. 60 Milliarden Landtiere, ohne die Kollateralschäden an Wildtieren – und Zigtausend Menschen jeden Tag) – Viele reden vom Umdenken. Ich glaube, wir haben noch nicht mal damit angefangen – darüber nachzudenken, was wir hier eigentlich tun. – Und es bleibt nicht mehr viel Zeit. Die Kinder müssen alles ausbaden, was die Erwachsenen jetzt noch vor sich her schieben.

Liebe geht durch den Magen

Wie sagten unsere Großmütter: „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es erlebt wie Du den Schmerz“. Ethische Gesichtspunkte sind für mich mehr als ausreichend tierische „Produkte“ zu meiden, denn Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Einfühlungsvermögen und Leidensfreiheit gehören für mich untrennbar zusammen.