subjektiv und von hinten durch die Brust ins Hirn

Vor ein paar Stunden sah ich kurz in eine Sendung über Neurowissenschaften rein (nichts Neues dabei). Der Zusammenhang zwischen Sozialverhalten, Gefühlen und Neurologie bzw. in unserem Fall Kognition, ist ein Thema mit dem mein Partner und ich seit über einem Jahrzehnt befasst sind. Empathie wird mittlerweile auch von den Wissenschaften neurologisch untersucht. Bisher wurden alle unsere Erkenntnisse bestätigt (jeweils ein paar Jahre später).

Dabei kann das jeder, wirklich jeder selbst an sich erfahren.

Den rationalen Menschen immerhin, haben sie abgehakt (worauf müsste sich das Denken eigentlich beziehen, um als rational zu gelten?).

Sie trennen Emotionen und Gefühle. Gefühle sind offenbar der kulturell geprägte Teil. Doch das macht sie nicht zu was anderem, allenfalls die Zuordnungen / Reize und dann auch Auslöser, sind andere, doch die „Werte“ sind nach wie vor, was sie ohne „Kultur“ auch gewesen wären. Wir trennen daher zwischen Empfinden (Temperatur, Schmerz, Hunger, beschleunigter Herzschlag – ganz Grundlegendes) und Emotionen (unabhängig von kulturellen Aspekten).

Die Werte (Emotionen) der Menschen sind auf der ganzen Welt gleich (siehe Babies), die Erfahrungen und Symbole mit denen sie diese verknüpfen unterscheiden sich (kulturell, regional). Und dann meinen zwei dasselbe, verwenden nur eine unterschiedliche Symbolik, und schon bricht ein Krieg aus, gegen eine Lebensform, die einem ähnlicher ist, als der Affe in einer Gruppe dem anderen (Schimpansen haben meines Wissens mehr genetische Differenzen innerhalb einer Gruppe als die ganze Menschheit).

Ich habe bei meinen Grenzerfahrungen (wo endet das Tier, wo beginnt der Mensch) kein Gefühl und keine Motivation ausfindig machen können, die nicht auch bei Tieren vorkommt. Selbst Liebe hat ihren Ursprung beim seine Babies liebevoll umsorgenden Säugetier, noch dazu mit einer Bedingungslosigkeit die vielen Menschen fremd geworden ist, oder die sie mit Besitz verwechseln.

Eng mit Liebe verbunden ist Vertrauen. Die Urbeziehung die beides hervorbrachte ist die zwischen Mutter und Kind – die Mutter schüttet es aus und „vererbt“ über einen Botenstoff das Gefühl an ihr Baby und prägt alle weiteren Bindungen, die auf dieser Urbeziehung aufbauen. Das ist kein menschliches Privileg, sondern von Säugetieren entwickelt, und deswegen nicht weniger erstaunllich und großartig, auch wenn es, wie bei ihnen, einem biologischen Zweck dient (warum sollte dieser als niedriger gelten, als ein anderer, so genannter „höherer“? – wir wissen nichts vom Ende der Skala erlangbarer Komplexität oder Intelligenz, wir sind immer noch Wesen in Entwicklung, also bereits konzeptionell zu „höherem“ fähig)

Nein, ich sehe in keiner Weise, dass damit der Wert des Menschen geschmälert wird, oder der des Tieres sich „plötzlich“ unbillig erhöht – alle sind immer noch, wer sie sind, wir wollten es nur nicht sehen. Wer sich dennoch abgewertet fühlt, dem versichere ich, dass ich darauf nicht hinaus will, und er darf sich gerne fragen, aus welcher Ecke des Tierreichs (gar nur vom Stoffwechsel?) dieser Eindruck in seine Gedanken drängt :-). Wer wen abwerten muss um sich selbst größer zu fühlen denkt grade gar nicht mal so menschlich wie er vielleicht gerne glaubt.

In Grund und Boden schämte ich mich, als ich vor mir eingestehen musste, dass es den „Unterschied“ mit dem ich das Morden und Fressen fühlender, intelligenter Mitlebewesen vor mir selbst rechtfertigen wollte, gar nicht gibt. Ich wüsste nicht, was mich jemals mehr erschüttert hätte, als die Entdeckung meiner eigenen Dummheit. – Die tut sehr wohl weh.

Die Vorstellung, wegen Milch, einer Säuglingsnahrung die wir bereits mit wenigen Jahren aus der Mutterbrust ablehnen würden, einem Kälbchen die Mutter zu nehmen, die nichts anderes will als bei ihm zu sein und es zu füttern, war vor diesem Hintergrund einfach nur noch abwegig. Die Menschen die das tun müssen ja noch weniger fühlen als die betroffenen Tiere, wenn sie imstande sind, sich über deren Gefühle füreinander hinwegzusetzen. „Das ist nicht dasselbe“ ist einfach nicht wahr (allenfalls, dass jene die das sagen, da nicht heranreichen können, sonst müssten sie das doch sehen).

Es ist nichts „anderes“ was wir wollen, was wir fühlen, ja nicht einmal was wir denken. Das ist nämlich selektiert. Unser Gehirn macht das. Wenn wir uns unserer selbst bewusst sind, dann haben wir stärkeren „bewussten“ Einfluss darauf – doch die gedankliche Befassung mit etwas ist genauso auf Wohlbefindenssteigerung ausgerichtet wie eine Gefühlshandlung (das Wissen der Menschheit muss in ihr Belohnungssystem rein, damit wir es im wahrsten Sinne des Wortes angemessen verwerten [wollen] können).

Vor ein paar Jahren gelangte ich zu dem Schluss: „Ich denke nicht, ich fühle nur konkret“. Dazu stehe ich immer noch, denn ich habe deutlich beobachten können, wie was ich heute in ein paar unbeholfenen (im Vergleich dazu wie umfassend, faszinierend und mächtig das Ganze ist) Worten darstellen muss, und offenbar auch neurowissenschaftlich nicht mehr lange von der Hand zu weisen sein wird, durch und durch emotional motiviert war. Für eine geraume Weile fühlte ich mich ganz eins mit allem was ich wusste. – Mittlerweile hat mich die „Realität“ (haha) wieder, und ich weiß noch nicht so recht, wie ich mit ihr umgehen soll (Ideen oder Erfahrungen von anderen „Rückkehrern“?).

Der Mensch ist in meinen Augen das einzige Tier, das es geschaft hat, sich emotional und sozial zu reduzieren (der Verstand ist kein guter Schüler, zu kleiner Datendurchsatz, das gibt wenig vom Blick aufs Gesamtbild frei), was es uns erschwert, mit Komplexität klarzukommen (Verkomplizierung durch Überregulierung stattdessen, bis ein Zusammenbruch unvermeidlich wird). Um Komplexität zeitnah erfassen, verarbeiten und einschätzen zu können braucht der Mensch das System unterhalb der verbalen Ebene (Mustererkennung, mehrdimensional, millionenfach höherer „Daten“-Durchsatz, unscharf, daher variantenreich, das ist die natürliche Realität wie das Gehirn sie gut verarbeiten kann). Seine „Rationalität“ kann nämlich allenfalls so weit reichen wie dieses. – D.h., wo unsere Werte enden, da ist auch mit (Nach)Denken Schluss.

Ich bin der Ansicht, dass es keine haltbare Ausrede mehr gibt, Tiere aus unserer „Moral“ auszuschließen (und den Rest der Menschen, die dringend Mitgefühl und Unterstützung brauchen). Und schon gar keine, die etwas mit Rationalität, „Notwendigkeiten“ oder Vernunft zu tun hätte. Notwendig wäre es, die Erneuerbarkeit der Ressouren nicht zu gefährden, das Leid aus der Welt zu schaffen, und das Giftsprühen einzustellen, wie Veganer es schon lange wissen. Es gibt genug Sinnvolles zu tun, um vielen Menschen ein reichhaltiges, erfülltes Leben zu ermöglichen, und ich glaube, dass die geeignete Organisationsstruktur eine hohe Auflösung haben muss, die durch Integration erlangt wird, und nicht durch Ausschluss.

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