Sonnenstürme 2012

Fasziniert verfolgte ich in den letzten Jahren Gerüchte um den bevorstehenden Weltuntergang 2012, die Prophezeiungen der Mayas, den Übergang in eine neue Ära, und gelangte heute (mal wieder) zu den angeblichen Warnungen der NASA vor Sonnenstürmen, die globale Konsequenzen haben könnten, bis hin zu noch einem Ende-unserer-Zivilisation-Szenario. Richtig? – Falsch? – Oder – – – weder noch? – Da bekomme ich richtig Lust, selbst ein wenig zu spekulieren, und zwar wie folgt:

Wenn unsere Ära zu Ende geht, dann dürfte das m. E. mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Folge unserer eigenen Fehler sein. Davon gibt es weit mehr als genannte äußere Einflüsse ausmachen, noch dazu in diesem winzigen Zeitfenster. Denen wären wir jedoch im Gegensatz zu dem was wir selbst beeinflussen können „hilflos“ ausgeliefert. Ja es droht, aber wir wollen gar nichts dagegen tun (können), denn es ist so viel bequemer es einfach auf sich zukommen zu lassen. Vielleicht ist die Hilflosigkeit nur ein stiller Wunsch, denn Eigenverantwortung zu übernehmen wäre bei höherer Gewalt kein konstruktiver Lösungsansatz. Und wenn eh schon der Weltuntergang vor der Tür steht, warum dann noch lange darüber nachdenken, was man tut und welche destruktiven Wirkungsketten man dabei in Gang setzt oder verstärkt? Echt bequem, wenn da eh grade der Menschenkalender ausläuft. Mensch raffe noch was geht, nach mir – siehe 2012.

Was ich auch nicht ausschließen möchte, ist, dass sich in den Gerüchten „fundierte“ Ahnungen widerspiegeln. Unser Gehirn sammelt ja nicht nur Wörter und Fakten ein, viel mehr seiner „Daten“ sind gesammelte Eindrücke auf emotionaler oder noch älterer Ebene, und die verbale Manifestation teilweise aus Mythen, Spekulationen und dem zusammengesetzt, was andere bereits vor einem fabulierten, und in dem man seine eigenen inneren Bilder wiedererkennt. Wieder(!)Erkennung ist überhaupt das Wesentliche daran, um Wissen für uns über bloßes „Faktenkopieren“ hinaus annehmbar zu machen und es so tief geht, dass unser Belohnungssystem damit arbeiten kann. Eine bloße Zurkenntnisnahme prägt noch keine solche Relevanz in uns – daher handeln wir so oft „wider besseren Wissens“. In diesem Szenario wird zwar inhaltlich von falschen Voraussetzungen ausgegangen, eine globale Gefahr besteht dennoch, nur dass sie von uns selbst ausgeht. Die prognostizierten Ereignisse 2012 wären dann dafür das Sinnbild.

Früher hatte der Mensch überhaupt nur die, um Erkenntnisse über das Leben, das Universum und den ganzen Rest mit anderen zu teilen. Das Erlangen wissenschaftlicher Fakten ist als Methodik Wissen zu schaffen ja noch nicht so alt. Im Gegensatz zum Austausch von Sinnbildern muss man schon ein Freak sein, sich bei jeder Idee die man verbal ausdrücken will, erst einmal durch die ganzen Instanzen zu wühlen um einen eindeutigen Beleg dafür zu haben. Und Mensch wäre kein Mensch, wenn es nicht auch Gegenstimmen zu dem gäbe, was als wissenschaftlich erwiesen gilt. Daraus soll man noch schlau werden oder gar noch ein Gespür für seine Mitwelt entwickeln? – Abgesehen davon, wenn man sich so viel Wissensstoff reingezogen hat wie ich, wird es mit dem Abrufen von Details mit der Zeit problematisch. Es reicht dann allenfalls für eine Plausibilitätsprüfung und zu wissen, wonach man im Zweifelsfall suchen muss. Zum Beispiel fiel mir irgendwann auf, dass zwischen Neutronenstern und Schwarzem Loch noch eine Lücke sein musste, und so suchte ich nach dem Begriff „Quarkstern“ – und wurde fündig.

Für Interneteinsteiger wird es immer schwieriger, Wissenschaftliches von Pseudo zu unterscheiden, zumal sich Verbreiter von Fehlinformationen auf einen wissenschaftlichen Hintergrund oder populäre Institutionen wie die NASA berufen – die muss ja nichts davon wissen. Viele übernehmen oder verweisen auf Inhalte in gutem Glauben, da die Quelle als seriös erlebt wird, und möglich, dass sie das sonst auch ist. Selbst wer sorgsam darauf bedacht ist, keinen Fehlinformationen aufzusitzen muss irgendwann erkennen – er kann nicht überall dabei sein.

Vom Laien ist der Wahrheitsgehalt einer Ausführung nicht immer überprüfbar. Will er sich den Luxus einer differenzierten Betrachtung gönnen, bedarf es vielfach mehrerer Quellen. Skeptikersites lese ich übrigens gerne, bin dabei aber skeptisch. Da Fakten nicht gegeneinander stehen, sondern miteinander existieren, unabhängig davon ob sie sich uns erschließen oder nicht, ist das, worum Menschen sich streiten, nach meinem Empfinden nicht die Wahrheit als solche, sondern wer „Recht“ hat. Zur Not muss ich so lange mit einer Mischannahme leben (es könnte das wahr sein oder auch das, vielleicht aber auch keins davon), bis meine Zweifel ausgeräumt sind. Allerdings gehe ich auch dann nicht fix von 100 Prozent aus, denn ein einziger neuer Aspekt, und schwupp ist genau das Gegenteil richtig… Entwicklung ist nach oben offen. Wie intelligent oder komplex eine Bestandsform in diesem Universum werden kann, wissen wir nicht. – Letztendlich ist jede Sicht auf die Welt auch ein Blick ins eigene Gehirn. Immerhin – so weit ist alles wahr :-).

Was uns 2012 alles (nicht) droht, kannst Du unter anderem hier nachlesen.

Wissen ist eine Sache. Bedeutung eine ganz andere. Doch Wirkung entscheidend. Unsere Relevanzen werden immer noch vom Belohnungszentrum geprägt. Das kann erst mal überhaupt nichts mit „faktisch erwiesen“ oder nicht anfangen. Allerdings erlaubt es wiederum Rückschlüsse auf unsere eigene Funktionalität. Das Gute an unserer Beschaffenheit ist – so mein, natürlich, subjektiver Eindruck – haben wir sie erst einmal verstanden, kann sie nicht mehr als Entschuldigung herhalten – weil sie einfach zu großartig, zu vielschichtig, zu flexibel dafür ist, sich nicht bewusst an neu erkannte Erfordernisse anpassen zu können.

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