Religion als Ausdruck der Menschwerdung

Die Vereinheitlichung der Weltanschauung und Implementierung von Regeln begründete den Übergang in große Gesellschaften, für die Gruppenwesen von Natur aus nicht ausgelegt sind. Dabei wurden die nahe liegenden Schlüsse aus dem bezogen, was geschrieben stand. Die Trefflichkeit der gesammelten Einschätzung über das Menschsein ist hingegen erstaunlich. Vieles davon ist heute logisch nachvollziehbar, das Unfaktische negierend, aber sonst eher relativierend und sogar geeignet, das Verständnis zu vertiefen. Womit wir uns befassen stellt sich uns immer durch das individuelle Wissen dar, mit dem wir es verknüpfen können. Vom Tunnelblick bis hin zu einem grundlegenden Verständnis seiner Position im großen Ganzen ist jede Variation vertreten, in jeder Glaubensrichtung.

Alles, womit wir es zu tun haben, lässt sich mit Religion in Zusammenhang bringen. Und daher kann sie jede Auswirkung auf uns haben. Die Wirkung des Strebens nach der Nähe zu Gott durch den einzelnen (Gnosis) wurde bisher von einseitiger Betrachtung und Gruppendynamik übertönt. Die Versuchung, ein so mächtiges Mittel für persönliche Ziele zu nutzen, ist dem Wesen des Menschen näher als lebenslange Selbstdisziplin und Ergründung. Man kann jeden Wohlbefindensaspekt vor unterschiedlichen Motiven und folglich auch mit unterschiedlichem Niveau verfolgen. Von niedrigsten Beweggründen bis hin zum philosophischem Streben, ein besserer Mensch zu werden. Dies ist nicht zuletzt eine Frage des Hintergrunds und der Optionen. Je weniger Perspektiven, umso ursprünglicher sind die herangezogenen Mechanismen, um sich und seinen Glauben vor Schadeinflüssen zu schützen.

Religion ist dafür konzipiert, Gemeinsamkeit dar- und Gemeinschaft herzustellen, weil ihr Konzept nicht aufgeht, wenn keine Einigkeit über das verfolgte Ziel besteht. Letztlich will jeder nur, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden, also dass es ihm und den Seinen gut geht. Nun unterscheiden sich Religionen in ihren Grundzügen gar nicht so sehr voneinander – selbst jenseits abrahamitischer Glaubensrichtungen geht es vorwiegend darum, sich mental auf eine höhere Entwicklungsebene zu begeben (Fasten, Beten, in sich gehen, Askese etc.) um der Erleuchtung näher zu sein. Da Entwicklungen aufeinander aufsetzen müssen, konnten Religionen diese lediglich an Grundhaltungen kanalisieren, langfristig ausgelegt, über Generationen. Wir sind mit unserer Menschwerdung doch eigentlich gar nicht fertig.

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