Progression

Wir sind auf mentale Anpassung angewiesen. Progression – ein Problem für den Verstand, weniger aber für den averbalen Bereich, denn Mustererkennung ist (nach wie vor) schnell. Ich sehe die Lösung nicht (alleine) im Verstand und der Vernunft, sondern darin, den „Unterbau“ des Menschen besser zu verstehen und zu bilden, und dadurch den Verstand zu präzisieren. – Der Unterbau trifft die eigentlichen Entscheidungen, er selektiert was letztlich vom Verstand verarbeitet wird. Emotional-soziale Verknüpfungen / empathisches Empfinden / Gewissen haben ein Art Pufferwirkung die verhindert, dass egozentrisches Triebbegehren direkt in den Verstand durchschaltet. Da wir immer egoistisch befinden, macht die emotionale Prüfsumme den Unterschied. Mustervervollständigung in Hinblick auf Steigerung des Wohlbefindens ist die „Grundformel“ nach der das Gehirn rechnet (gelingt dies nicht mehr, stellt sich Depression ein). Wir glauben nur, das was oben ankommt habe etwas mit unabhängigem Denken zu tun. Auf unserer Bildungsbasis plätschert die Verarbeitung an der Oberfläche rum, mit ihren ca fünf Prozent verbalisierbaren Denkens, daher kann das Gehirn auch sein Potential nicht ausschöpfen, von dem es gewiss nicht „zu viel“ hat, es verlernte nur wie es an sich selbst rankommt.

Einer Ideologie folgt man auf Grund von Indoktrination (Programmierung durch Dritte). Einem Ideal aus Einsicht und Überzeugung (generiert durch selbstgelenkte Nutzung von Verarbeitungskapazitäten, oder anders ausgedrückt; Intelligenz). Intelligenz erkennt sich selbst (im Anderen) – sie braucht keinen „Anführer“ (eine intelligente Organisationsstruktur folglich auch nicht). Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie zu ihren Lebzeiten meist nicht besonders beliebt war. Nach ihrem Ableben kann man sich auf sie beziehen und sie instrumentalisieren, ohne dass sie noch die Chance bekommt zu widersprechen. Darwin kam nicht zu dem entscheidenden Schluss, dass „der Stärkste überlebt“, sondern der am besten Angepasste.

Einem Tier wird eine gewisse Intelligenz bescheinigt, wenn es sich selbst im Spiegel erkennt. Bei Menschen verhält es sich genauso. Doch unser Spiegelbild geht weit über das visuelle Erkennen hinaus. Die Tiefe ist entscheidend wie viel von unserem Potential wir erfahren, erfassen und folglich nutzen können. Sie beinhaltet nicht nur alles Tierische in uns. An seinem Grund stehen zwei entwicklungsbedingende Aspekte die ohne einander nicht sein können – Bestand und Dynamik. Ohne Dynamik keine Entwicklung, doch zu viel Dynamik zerstört was besteht. Nachhaltigkeit bedeutet, Ausgewogenheit zwischen beiden nicht nur herzustellen, sondern auf Dauer zu halten. Das bedarf entweder eines geeigneten Instinkts (laut Rousseau sollten wir stärker auf unsere natürlichen Instinkte setzen – für mich ist er damit näher dran als Kant oder Voltaire – vielleicht haben sie aber auch alle recht, letztlich kommt es ja auf das geeignete Zusammenspiel aller Faktoren an) – auf den wir als Menschen nicht mehr bauen können – oder einer entsprechend (aus)gebildeten Intelligenz. Ob es möglich ist oder nicht, diese Frage brauche ich mir nicht zu stellen (vorstellbar = machbar), sie dreht sich nur um das Wie. Es gibt viele Wege wie es nicht geht, und nur wenige, vielleicht nur einen einzigen, wie es funktionieren kann. Überleben bedeutet nichts anderes als den geeigneten Weg zu finden, zu gehen, immer wieder zu hinterfragen und an neue Erkenntnisse anzugleichen, weicht man davon ab. Gewinner auf Dauer ist nicht wer es schafft, sich mit Gewalt durchzusehen, sondern wer die Eier zu hat, Fehler einzugestehen und zu korrigieren.

Die Intelligenz die wir global abbilden können ist eine Frage der Organisationsstruktur (diese geht wiederum aus unserer Verarbeitung hervor, davon geprägt, an welchen Werten wir uns orientieren – je hierarchischer das Denken, umso hierarchischer werden auch die Strukturen, und desto hierarchischer das Denken, m.E. wiederum ein Progressionsproblem). Unsere Orientierung an Geld, das nur primäre Triebfaktoren beziffern kann (keine Freundschaft, keine Liebe, kein Glück oder Vertrauen) schuf ein instrumentalisierendes sich selbst auffressendes Konkurrenzsystem das ungeheuer Energie und Ressourcen verpufft. Mit einem kooperativen System wären wir emotional, sozial, mental und ressourcentechnisch besser aufgestellt. Es erfordert und bildet mehr Breite und Tiefe, und die Entwicklungen finden nicht so schnell statt – sind also nicht so dynamisch, berücksichtigen dafür jedoch mehr Aspekte / Werte / Menschen / Lebewesen…. Zu hohe Dynamik wirkt sich hingegen vernichtend aus (höchste uns bekannte Stufe: e = mc²). Auch hier wieder – Progression.

Dass sie zu irgendeiner Zeit die Kontrolle hatten oder die Menschen wussten was sie tun, bezweifle ich. Daher stehe ich auch Verschwörungstheorien verhalten gegenüber, auch wenn zumindest die Effekte vielfach nicht von der Hand zu weisen sind. Dass wir verarscht werden, ist ja unschwer zu übersehen. Die Zuständigen hantieren an Symptomen rum, schaffen damit aber nur wieder neue (…Progression…).

Um wachsender Komplexität zu entsprechen muss die Anzahl berücksichtigter Werte / Aspekte in einer Organisationsstruktur adäquat sein (also mit steigender Komplexität wachsen, nicht „wegrationalisiert“ werden), sonst ist das Erreichte nicht zu halten, geschweige denn skalierbar.

Uneinigkeiten – (m)eine fremde Szene

Rechtzeitig zum Osterfest suchen wir jetzt keine Eier mehr, stattdessen die Fehler in der Gesinnung und dem Verhalten anderer? Auf dieser (eingestellt?) und anderen Veganseiten lese ich hauptsächlich mit, denn ich habe große Achtung vor allen engagierten Tierrechtlern und Veganern, dafür muss ich nicht jede einzelne ihrer Ansichten teilen. Doch wird mir höchst betrüblich einen Austausch von Feindseligkeiten vorzufinden wo ich eigentlich eine Lösungssuche erwarte.

Dass Herr Kaplan oder andere engagierte Veganer in dem einen oder anderen Punkt von meinem Verhalten abweichen gibt mir nicht das Recht, ihre ganze Arbeit in Frage zu stellen. Ich sprach mich bereits für die vegane Lebensweise aus, da war ich noch Fleischesser. Durch die Fürsprache nach außen bereitete ich mir den Weg zu meiner eigenen veganen Entscheidung auf, und das war eben alles andere als ein gerader Pfad. Und nun? – Macht mich das unglaubwürdig? – Und wenn schon, was für Geistesgrößen haben es überhaupt nötig, ihre Entscheidung davon abhängig zu machen, oder meine Fehler als Ausrede zu verwenden, um „erst recht“ nichts zu ändern? – Das ist in etwa so armselig wie Hitlers (meines Wissens gar nicht praktizierten jedenfalls nicht freiwillig) Vegetarismus als Ausrede vorzuschieben.

Für mich war die Entscheidung vegan zu leben nicht von irgendwem abhängig dessen Buch ich gelesen hatte, oder dessen Name mir was bedeutete. Ich hatte mich vorher lange mit intelligenter Datenverarbeitung beschäftigt und es gelang mir schließlich, das technische Modell und die Wahrnehmung dessen was sich im eigenen Gehirn abspielt, in Übereinstimmung zu bringen. Die vielen Tiere in mir wurden mir zunehmend stärker bewusst, was sie schließlich zu einem Teil von mir machte, den ich nicht mehr als Nahrung betrachten und behandeln wollte. Mein Lehrer war kein Mensch, es waren die Tiere selbst und die IT.

Vom Geschehen außerhalb meiner Arbeit hatte ich mich schon zuvor weitgehend zurückgezogen, beobachte jedoch die Entwicklungen mit großem Interesse. Ich weiß wie die Sache ausgeht – das Richtige wird bestehen – doch ich weiß nicht, ob die Menschen es zustande bringen werden. Dann wäre alles was wir heute tun, inklusive essen, ohne Bedeutung für unsere Nachkommen und die Zukunft der Menschheit. Wenn Nahrungsaufnahme nicht mehr dem Überleben dient, sondern im Gegenteil, es sogar gefährdet, erfüllt sie ihren Zweck nicht mehr. Da ist es nur folgerichtig sie zu überdenken und neu auszugestalten. Hier versagt die bestehende Marktwirtschaft mit ihren trägen Subventionsstrukturen, vor dem Hintergrund eines Zieles, das keines sein kann: Geld.

Die Namen die in einer Tierrechtsszene von der ich damals ebenfalls nichts wusste vertreten sind, kannte ich vor meiner Entscheidung nicht. Mich interessierten nur Technik und Fakten. Gefühle spielten dabei nicht nur eine, sondern die Hauptrolle. Doch in der Diskussion wie diese Welt noch (zu unseren Gunsten) zu retten ist sind meine persönlichen Empfindungen zu irgendwelchen Verhaltensdetails anderer Menschen nicht hilfreich. Was bringen persönliche Angriffe außer einer neuen Kriegsfront? – Wem soll die nützen? – Davon haben weder 1 Mrd hungernder Menschen noch die Tiere was. Klüger werden kann jeder nur für sich selbst, und dass es hier noch ungeahnten Spielraum gibt, ist mehr als nur ein Verdacht (meine Einschätzung: Faktor 20).

Je weniger Aspekte (Werte / Individuen) in unsere Denk- und Produktionsprozesse einzogen werden, desto mehr wird Überleben zur reinen „Glückssache“. Wir leben auch noch in einer Phase bewusst praktizierter Ignoranz, z.B. Einsatz bienengefährdender Gifte, Fracking, Ausquetschen der letzten Reserven an Erdöl für wenige Jahre Energieversorgung, Atomkraft trotz zweier Supergaus, deren Folgen noch nach Generationen nicht ausgestanden sein werden. Und das alles nicht etwa um lebensnotwendige Produkte herzustellen, sondern mehr als 90% (99% innerhalb eines halben Jahres in den USA) dessen was dabei rauskommt, auf den Müll wandern zu lassen. Wirklich gebraucht werden von der verfügbaren Energie also allenfalls mal 10 Prozent, mit dem Rest wird lediglich die „Wirtschaft“ gefüttert, die im Endeffekt den Reichtum Weniger kumuliert. Die das Konstrukt stützen und auch noch eifrig durch ihr Kaufverhalten füttern, haben von dem Ganzen nichts außer dem Schatten einer Illusion von Bedeutung. Nicht zuletzt aufgrund dieser Herabsetzung müssen heute so viele Tiere bluten.

Kooperation ist die einzige Lösung. Durch Instrumentalisierung findet hingegen eine progressive Verzerrung des „Stoffwechsels“ (Ressourcenverbrauch) statt. Sie kann nicht funktionieren, weil die Rechnung permanent Fehler (zunehmende Benachteiligungen / Ungerechtigkeiten) zurückgibt, was das gesamte System destabilisiert.

Die Vision die ich mit „vegan“ verbinde ist, das von Menschen geschaffene Leid zu verringern bis hin zu seiner Abschaffung. Das betrifft alle fühlenden Wesen (eine Trennung kann ich schon daher nicht vollziehen, da es mir nicht mehr darauf ankommen kann wer leidet, sondern dass es wem angetan wird).

Ein paar Thesen

Je mehr Aspekte / Werte am Denken (resp. müssen sie im Fühlen sein, damit das bewusste Denken mit den adäquaten Werten bereits angereichert ist, dann bleibt der Verarbeitungsaufwand für den Verstand im leistbaren Rahmen) beteiligt sind, umso höher das erlangbare Maß an Komplexität (und Intelligenz) die abgebildet werden kann.

Empathie erweitert das Wertespektrum der Wesen, Egozentrik reduziert es. Vereinbarung erweitert das Wertespektrum, Konkurrenzkampf verringert es.

Die Wahrung von Konsistenz ist die Voraussetzung für anhaltende Skalierbarkeit bei wachsender Komplexität.

Der Verstand kann sich die Welt nur einzelaspekteweise und linear erschließen. Jeder scharfe Gedanke beansprucht temporär 100% Relevanz für einen einzigen Aspekt, was bereits unrealistisch ist.

Die wahre Relevanz eines Aspekts offenbart sich in seiner Stellung im Gesamtgefüge (und ist nicht scharf berechenbar, da sich das Gefüge permanent bewegt).

Abwehrmechanismen

Bist Du vegan und trittst für ein Ende des Tierleides ein, kann es Dir leicht passieren, dass Du als militanter Faschist bezeichnet wirst oder Gutmensch (schimpfwörtlich gebraucht).
Manche glauben gar, wir missgönnten ihnen, was wir uns selbst „versagen“.
Willst Du die Umwelt und das Klima schützen, bist Du ein Ökoterrorist.
Zeigst Du Lebendigkeit und Leidenschaft in Deinem Engagement für eine zukunftsfähige Lebensweise, bist Du fanatisch.
Willst Du die Wahrheit ergründen und hinterfragst tradierte Irrtümer, giltst Du als gefährlich (für wen oder was eigentlich…?)

Und wenn Du es wagst Massentierhaltungsanlagen mit Menschenvernichtungsanlagen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu vergleichen, erwartet Dich der Titel “Menschenverachter”. — Dabei sind es Ihre Gehirne, die diese Abwertung vornehmen, weil in ihren Augen Tiere nichts wert sind, so dass sie nach ihrem Bewertungsschema einen solchen Vergleich als Herabwürdigung von Menschen interpretieren. Dass wir hierbei weit davon entfernt sind, eine Abwertung der betroffenen Menschen im Sinn zu haben, sondern im Gegenteil, die Vermeidung von Leid ein Anliegen ist das wir auf jedes empfindungsfähige Leben – selbstverständlich also auch auf das von Menschen – beziehen, ist für sie vor ihrem Werteschema gar nicht nachvollziehbar.

In den Argumenten von Carnisten kommt hingegen immer wieder vor, dass es zu viele Menschen gäbe (würde jede Maus so viel verbrauchen wie ein Elefant, gäbe es auch zu viele Mäuse…). Offenbar sind sie sich jedoch nicht darüber im Klaren, was sie damit aussagen. Das liest sich für mich zumindest wie eine Billigung des Verhungernlassens ganzer Volksgruppen zugunsten der ressourcenintensiven Lebensweise von anderen. Was war es nochmal genau, das die im Übermaß Lebenden so viel mehr wert macht als die Benachteiligten? Und wie menschenfreundlich soll ich ein solches Argument werten?

Bei Sklaverei und Genozid in der Geschichte handelte es sich um jeweils regionale Bestrebungen die sich gegen Menschen richteten, über deren subjektiv festgestellte Minderwertigkeit man sich (glücklicherweise) nicht global einig war. Daher wurden Unterdrückung und Völkermord seitens Dritter verurteilt und wenn es sein musste, auch beendet. Kein Land der Welt wird für die Befreiung der Tiere eintreten, und ans Verhungern von rund 40.000 Menschen jeden Tag sind alle gewöhnt. Würde jemand an einem Tag 40.000 Menschen erschießen (es reichen auch wesentlich weniger), wäre das Aufsehen groß. Die Tatsache alleine, dass 40.000 Menschen an Mangel sterben, bewirkt hingegen – gar nichts.

Ein generelles globales Nein zum Leiden fühlender Wesen würde die Situation der Lebenden und des Planeten nachhaltig verbessern. In der vollen Fahrt in der sich die Zerstörungswut grade befindet, kann es jeden Tag zu spät für eine Wendung sein. Zudem hat die Klimaskeptikerlobby in den USA ganze Arbeit geleistet, und auch hier schon Gläubige gefunden, die jene diskreditieren die sich für Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen einsetzen wollen. So, es ist also „vermessen“ anzunehmen, der Mensch könne für den Klimawandel (mit) verantwortlich sein? Ja, genauso vermessen wie zu behaupten der Mensch tötet jedes Jahr über 60 Milliarden Landtiere um sie zu essen, habe die Ozeane bereits an den Rand des Kollapses gebracht, oder zerstöre in jeder Minute Regenwald in der Größenordnung von 40 Fußballfeldern.

Es sind nicht diejenigen realitätsfremd die sich für eine bessere Welt einsetzen, sondern jene die das Erfordernis in Balance mit seiner Lebensumgebung zu bleiben verkennen.

http://www.youtube.com/watch?v=ObNSqa14QNU

Quellenauswahl:
Karnismus: die Psychologie des Fleischkonsums
Tierproduktion und Klimawandel
Holocaust auf dem Teller Kampagne – Stellungsnahme
Nährstoffe für Ihr Gehirn
regenwald.org
Zeit, und nochmal Zeit
RealClimate
Nasa
Scilogs: Verkehrte Welt
Postsdam Institut für Climate Impact Reseach

Der unvegetarische Diktator

Welcher Veganer kennt nicht das Toschlagargument (das noch nicht einmal eine Gemeinsamkeit darstellen würde) „Hitler war Vegetarier“? Sofern es überhaupt stimmt, war er es nicht freiwillig, sondern auf Empfehlung seines Arztes, und schon gar nicht aus ethischen Gründen! Dass Hitler Nichtraucher war, macht Raucher auch nicht automatisch zu den „Guten“.

Abgesehen davon: Pythagoras, da Vinci, Einstein, Gandhi, Albert Schweitzer und viele weitere Namen großer Denker und Philosophen (ein Philosoph ist für mich jemand der wirklich denkt, was man daran erkennt, dass er das auch lebt) – will die ernsthaft jemand mit Hitler in einen Topf werfen?

Was an Hilter so abstoßend war ist das, was er Menschen antat.
Es ist aber dasselbe, was Menschen heute noch Tieren antun.

Ich empfinde es als richtig, das keinem fühlenden Wesen mehr anzutun und mache die Konsequenzen die ich daraus ziehe nicht abhängig davon, was andere (nicht) tun oder getan haben.

Quellen:
Artikel bei „Ende der Märchenstunde“
Eco-World.de
faz.net

Artikel bei Heise Telepolis: „Beseelte Tiere?“

zum Artikel

Wenn man tiefer geht, werden die kognitiven Unterschiede geringer. Denken ist nicht an Sprache gebunden. Nur uns fällt es offenbar schwer, noch darüber hinaus zu blicken. Worte sind nur Symbole. Wer gelernt hat, an ihnen vorbeizudenken dem wird völlig klar, dass auch Tiere ein Bewusstsein haben können, und wir, indem wir ihnen einen Geist absprechen nicht nur sie gewaltig unterschätzen, sondern auch uns selbst. Jede Abwertung der Tiere bedeutet auch eine Abwertung des Menschlichen.

Intelligenz ist die selbstgelenkte Nutzung von Verarbeitungskapazitäten. Worte braucht es nicht um Intelligenz abzubilden. Sie sind nur eines von vielen möglichen Datenübertragungsprotokollen, jedoch auch ein reduktives, und daher (immer wieder) mit Irrtümern und Missverständnissen einhergehend.

Beispielsweise würden wir scheitern wenn wir damit die Information übertragen wollten die in einem einzigen Bild steckt. Ein Geist der sich nur an Worte klammert, sieht nichts mehr, ist linear, ist praktisch blind, erschließt allenfalls unverwertbares Wissen. Symbole schwimmen auf der Oberfläche. Doch die Werte sind es, auf die es ankommt, denn der Verstand ist nur ein Ausführungswerkzeug unserer Werte, kein vom tierischen Unterbau losgelöster Mechanismus der für sich alleine „denkt“. – Im Gegenteil, die meisten Menschen wissen nicht mal, wie ihre Gedanken und Handlungen ins Bewusstsein gelangen, weil es so tief gar nicht mehr geht.

Der Mensch hat sich in seiner Selbsteinschätzung sowas von geirrt, dass es nun allen weh tut (von wegen, dass Dummheit nicht schmerzt – wir alle leiden darunter, arm, reich, Mensch, Tier, Natur…). Nicht dass irgendwer tatsächlich über sich selbst hinausdenken könnte, doch in je mehr Anderem wir uns erkennen, desto größer wird der emotionale und kognitive Radius, und damit unser Selbst. Was wir davon als allgemeingültig erschlossen, ist lediglich ein winziger Bruchteil. – Tiere nutzen ihre Kapazitäten hingegen noch umfassend. Dass sie das ebenfalls nicht voll bewusst tun, kann man ihnen hierbei kaum vorwerfen, geschweige denn dass sie sich damit verdienten, was der Mensch ihnen antut.

Averbales Denken – geht uns doch langsam ein Licht auf?

Denken und Bewusstsein ohne Sprache

Es ist endlich „bescheinigt“, dass auch Tiere ein Bewusstsein haben: http://fcmconference.org/.

Der Mensch hat bislang ein falschen Bild davon, was Denken eigentlich ist, oder auch gar keines, und ist damit nicht nennenswert weniger ferngesteuert als andere Wesen mit Gehirn.

Der Stoffwechsel hat vielen längst jede Entscheidung abgenommen, bevor ein verbalisierbarer Rest die Grenze ins Bewusstsein überschreitet.

Denken besteht aus einer linearen Aufeinanderfolge vieler kleiner Einzelentscheidungen, deren Richtung von den beteiligten Werten bestimmt wird – es geht dabei um die Aussicht auf Belohnung – ja auch bei uns, ja, auch wenn wir uns einbilden, dass was wir denken und tun bewusst entschieden wurde. Es ist nur ein kleiner Rest dessen, was vom Triebsystem durch die emotional-soziale Bewertung geschickt wird, bevor wir den Gedanken der sich dabei herausbildet, überhaupt (er)fassen.

Bei zunehmend tieferer Befassung mit der Funktionsweise des Gehirns, Fühlen und Denken, resp. Kognition kann ich nur immer wieder darüber staunen, wie sich die Grenzen zwischen Mensch und Tier verschieben, wie mich jede neu erkannte Ähnlichkeit mit einer Bewusstseinserweiterung bereichert, und keinen Wert übrig lässt, den nicht bereits ein Tier (womöglich sogar stärker ausgeprägt als in uns selbst) entwickelt hätte.

Es gibt keine Gerechtigkeit nur für einen selbst. Nicht als Individuum, nicht als Gruppe, nicht als Nation, nicht als Art. – Wer sich also auf die Straße setzt um Occupy zu spielen wird nicht erlangen was er will, so lange er bereit ist, andere für seine Bedürfnisse zu quälen.

Wir sind ein wandelndes Belohnungssystem dem es um Wohlbefindenssteigerung geht, keine Analysemaschinen, doch das was sich in uns abspielt, hat durchaus etwas mit Rechnen zu tun. Man kann in sein Denken keine Werte einbeziehen, geschweige denn sie leben, wenn man sie nicht (auch im Anderen an)erkennt. Die wahre Stärke menschlicher Organisationsstrukturen liegt in der emotionalen Bandbreite. Gefühle (Werte) sind der Puffer zwischen Triebsystem und Verstand. – Seine Triebe direkt in den Verstand durchzuschalten ist nicht rational oder gar menschlich, sondern erzeugt m.E. das Handlungsniveau eines Reptils. Das bilden wir heute global ab – allem voran die Gier jedes einzelnen Beteiligten, die sich in der “reichen” Spitze überdimensioniert summiert.

Wenn man in der Lage ist, sich die Symbole (die das Denken ohnedies nur bremsen) einfach wegzudenken, bleiben nur noch Werte übrig.

Cambridge Declaration on Consciousness in Non-Human Animals

Nun ist es (endlich) offiziell, nicht nur der Mensch verfügt über ein Bewusstsein.

Empathie differenziert übrigens nicht nach Spezies. Wer Veganern unterstellt, sie würden das Wohl der Tiere vor das der Menschen stellen, liegt damit falsch. Doch nicht selten verhält es sich so, dass Veganer sich von Menschen die mit Vorurteilen behaftet sind und wenig Interesse daran haben sich mit einer nachhaltigeren Denk- und Lebensweise vertraut zu machen, zurückziehen und die Gesellschaft von Tieren vorziehen. Leiden sehen können sie Menschen genauso wenig wie Tiere. Die Empathie von Vegetariern und Veganern ist allgemein höher. Doch anderen deswegen schon unverbesserliche Rohheit vorzuwerfen, wäre vorschnell. Empathie ist kein statischer Wert, sondern kann sich da besser entfalten, wo vermieden wird, anderen Schaden zuzufügen. Viele Menschen werden zwar (auch) aus Empathie vegan, doch kann es auch passieren dass sich durch die Veränderung der Lebensweise – beispielsweise aus gesundheilichen Gründen – erhöhte Empathie erst nachher einstellt. – Die (datenverarbeitungstechnische) Bedeutung von Empahie für unsere Entwicklung und Zukunftsfähigkeit kann ich gar nicht hoch genug ansetzen.

Schmerz, Leid aber auch Freude können wir in allen Gesichtern erkennen die Empfinden ausdrücken und sind davon mehr oder weniger stark berührt. Wir finden ja auch das Kindchenschema an jungen Säugetieren artenübergreifend „putzig“. – Das bedeutet aber auch: wenn wir unseren Kindern die Empathie gegenüber Tieren aberziehen (die meisten Kinder mögen Tiere), sind von der damit einhergehenden Rohheit später auch Menschen betroffen. Ich habe es bereits vor ein paar Jahren herausgefunden, als ich mich mit der Entwicklung und Funktionsweise des Fühlens und Denkens auseinandersetzte. – Leid ist Leid ist Leid – und wird nicht größer oder kleiner dadurch, dass wir(!) einen Unterschied machen, wen es (be)trifft. Es entsteht dabei ein Schaden. Und wir richten ungeheuer viel davon an (1 – 2.6 Billionen Meereslebewesen pro Jahr, ca. 60 Milliarden Landtiere, ohne die Kollateralschäden an Wildtieren – und Zigtausend Menschen jeden Tag) – Viele reden vom Umdenken. Ich glaube, wir haben noch nicht mal damit angefangen – darüber nachzudenken, was wir hier eigentlich tun. – Und es bleibt nicht mehr viel Zeit. Die Kinder müssen alles ausbaden, was die Erwachsenen jetzt noch vor sich her schieben.

Engegnung auf den Vorwurf hin, manche Veganer seien „verbal aggressiv“

Das Leben mit den jenseits körperlicher Gewalt verfügbaren Mitteln zu schützen ist also extrem. Dass wir es nicht (mehr) tun und in welchem Ausmaß finde ich persönlich viel extremer. – Dass es derzeit noch eine Minderheit ist die es so sieht ändert nichts daran, dass die „Gewinnung“ tierischer Produkte ein Gewaltakt gegen die Natur und fühlendes Leben ist – ein Gewaltakt, zu den uns kein reales Erfordernis wirklich zwingt.

Man kann sich das als ethisch motivierter Veganer kaum mit ansehen ohne aus der Haut fahren zu wollen. – Zudem wenden sie nur verbale Mittel an, wohingegen die Angesprochenen täglich Leben auf dem Gewissen haben, also real gewalttätig sind (dass es sich um tradiertes/indoktriniertes Verhalten macht es nicht besser – aus einem Fehler wird nicht was Richtiges, nur weil man ihn schon seit Generationen wiederholt und verschlimmbessert). – Dafür wollen sie mit Samthandschuhen angefasst werden, fordern „Toleranz“ und Gerechtigkeit für sich? – Von wem soll das ausgehen, wenn nicht von ihnen selbst? – Mitgefühl ist der womöglich einzige nachhaltige Selbstschutz den wir haben, und die Grundvoraussetzung für eine Freiheit die wir längst verloren, weil wir in dieser Hinsicht so defizitär geworden sind, dass man uns über einfache Triebreize vorschreiben kann wie wir zu leben haben. – Ich muss hier einfach Voltaire und Einstein zustimmen, was das Ausmaß menschlicher Dummheit betrifft, oder Kant der in der Unmündigkeit des Individuums großes Übel erkannte. Doch diese Dummheit und Unmündigkeit ist kein Schicksal, sondern ein Resultat der Entscheidung zur Ignoranz aus Bequemlichkeit (Trägheit des Herzens > Trägheit des Geistes, was uns nicht berührt, bewegt auch unser Denken nicht).

So lange sie das Blut Unschuldiger vergießen, wird es weder Gerechtigkeit noch freie individuelle Entfaltung geben. Diesen Zusammenhang sehen sie nicht (kognitives Defizit – die Kognition aller Wesen basiert auf Werten, und nur darauf – Empathie erweitert unser Denken, Ignoranz hingegen grenzt es ein, das kann jeder der sich zur Aufrichtigkeit gegenüber sich selbst verpflichtet, an sich testen). Gewalt gegen Menschen und gegen Tiere hat denselben Ursprung, sowie man auch Empathie nicht nach Spezies differenziert. Empathie kann man lernen! Glück kann man lernen! – Ja, sogar seine Intelligenz zu steigern. Wir haben viel mehr drauf, doch eines dürfen wir dafür einfach nicht mehr sein: ignorant gegenüber den Belangen, Bedürfnissen und dem Wohl anderer, unabhängig von ihrer Herkunft.

Mindestens 95% unserer eigenen Kognition ist tierisch. Die darin innewohnende und für jede unserer Entscheidungen Ausschlag gebende Intelligenz geht uns durch Abwertung der Tiere verloren (wir werten uns damit auch selbst ab). Die Erkenntnis ist simpel: Werte sind der Schlüssel. – Die Menschen „wissen“ das (Wissen das wir nicht emotional umsetzen können, ist jedoch unverwertbares Wissen). Doch sie wissen (noch) nicht, warum, oder was es damit technisch auf sich hat, oder wie sie sich damit anreichern können. – Ich hatte einfach nur das Glück, diese einfache, aber für mich wohl großartigste vorstellbare Entdeckung machen zu dürfen. – Sie zu teilen ist allerdings weit schwieriger als ich gehofft hatte.

Fleisch zu meiden ist kein Verzicht. Es nicht zu tun ist einer. Denn wir geben uns damit als Menschen auf. – Viele Fleischesser die ich kenne, sind bereits resignierte Menschen die den Tenor verbreiten, dass „man eh nichts machen kann“. Veganer wollen etwas bewegen weil sie durch ihr eigenes Verhalten gelernt haben, dass Menschen sich und andere bewegen können. Nach Resignation kommt hingegen nur noch der Tod. – Ich bin nicht bereit, widerspruchslos aufzugeben. Und die so unbeliebten „Kampfveganer“ eben auch nicht. – Allen anderen würde ich wirklich wünschen, endlich aufzuwachen, weil es gut für sie selbst ist, eine Bereicherung für viele, und eine Steigerung der Lebensqualität aller zur Folge haben wird. Wer sich das nicht wünscht muss sich einfach die „aggressive“ Frage gefallen lassen, was ihn eigentlich davon abhält, anderen ein würdiges Leben zu gönnen.