Motive

Wie ich neulich durch eine Online-Diskussion mitbekam, gibt es auch eine religiös motivierte Gruppe, für die Veganismus ein Thema ist. Manche Veganer sehen sich nun veranlasst, sich von dieser “Sekte” deutlich abzugrenzen. Neulich bekam ich auch den Hinweis, dass ein Artikel auf den ich verlinkte, von “UL” sei. UL ist die Abkürzung für “universelles Leben”. Hier ein Beitrag dazu, und noch eine Warnung, und hier gleich eine ganze Linksammlung bei relinfo.ch. Schließlich sollte man wissen, warum man sich von etwas distanziert, und wovon überhaupt.

Vielleicht ist an der Stelle die Erwähnung angebracht, dass ich kein Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft bin, so wie auch keiner anderen bestimmten Bewegung, sondern dass es meine eigene Bewegtheit war, die mich dazu finden ließ, Veganismus als Lebensweise zu wählen. Ich ziehe es bei allen Entscheidungen vor, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen und dabei auf mein Gefühl zu hören. Es gibt Inhalte, von denen ich mich nicht distanzieren kann, unabhängig davon wer der Verfasser ist, und andere, mit denen ich mich nicht identifizieren kann, sie deswegen aber nicht völlig ausgrenze. Die Frage, um welches Körnchen Wahrheit sich eine Lebenshaltung rankt, ist für mich stets von Interesse. Einen kleinsten gemeinsamen Nenner gibt es immer und überall. Das heißt ja nicht unbedingt, dass alle Menschen den sehen müssen. Vielleicht hakt ja alles daran, dass im momentanen Entwicklungsstadium nicht (mehr).

Wie sinnvoll kann es sich anfühlen, sein eigener Risikofaktor zu sein? Gerade bei der täglichen Ernährung lässt sich noch so vieles zugunsten der Nachhaltigkeit verändern, und das auch aus so genannten “rationalen” Gründen (tun wir mal so, als würde das in unseren Entscheidungen eine Rolle spielen). Pflanzliche Nahrung ist schon mal deutlich energieeffizienter, da sie dem Organismus direkt zugute kommt, und nicht über den Umweg Tier gehen muss, wo etwa 90 % Substanz verloren gehen, und eine etwa ebenso hohe Schadstoffkonzentration hinzu kommt. 13.000 oder noch mehr Liter verbrauchtes Trinkwasser für ein Kilo Rindfleisch ist auch nicht grade eine wirtschaftliche Rechnung. Es gibt Menschen(!) die an Wassermangel leiden und sterben, und das nur aus dem Grund, weil es anderen egal ist. Lange Transportwege müssen auch nicht sein, wenn die leckere und gesunde Alternative regional gewachsene Lebensmittel sind.

Nachhaltige Ernährung sieht für mich so aus:

  • Von so nah wie möglich
  • So frisch wie möglich
  • So unverfälscht wie möglich
  • Lebensenergie nur noch aus erster Hand, statt vorgekaut und vorverdaut

Grafik: Treibhauseffekt verschiedener Ernährungsweisen pro Kopf und Jahr, dargestellt in Autokilometern

Würde jemand das “Normale” nicht hinterfragen und wäre er nicht kritisch, würde er dann Veganer? – Sicher, man kann durchaus auch mal das Richtige aus den falschen Gründen tun. Doch wer ist sicher in der Lage zu beruteilen, welches richtige und welches falsche Gründe sind? Ich wage es jedenfalls nicht, darüber ein finales Urteil zu fällen. 100% Veganismus ist ein Ideal, nach dem ich strebe. Ich will es auch als das verstanden und vermittelt wissen, und nicht als Ideologie, Zwang oder die Bedingung geknüpft, sich irgendwem anzuschließen oder jeden der anders denkt, aus seinem Leben zu verbannen. Es gibt gute Gründe, vegan zu werden, und warum soll es nicht auch die Liebe zu allem was Gott schuf sein dürfen? – Wenn etwas Menschen derart die Augen zu öffnen vermag, liegt es dann wirklich vollkommen falsch? – Wie gelangte es dann überhaupt in unser Gehirn?

Nächstenliebe ist m.E. das weitsichtigste Konzept, das uns je präsentiert wurde. Sie mit Gleichgesinnten zu teilen mag uns noch leicht fallen. Es geht jedoch gerade darum, auch mit denen auszukommen, wo das nicht der Fall ist.

Ich finde die 10 Gebote umfassender als unsere heutigen Schwarten von Gesetzestexten, die trotzdem immer Lücken aufweisen. Wenn Menschen sich hingegen ernsthaft an die 10 Gebote halten würden, wäre eine Benachteiligung des Nächsten nahezu ausgeschlossen. Das haben all unsere Gesetze nicht geschafft. Irgendwo ist da ein grober Denkfehler, nämlich der, dass wir ohne Berücksichtigung unserer (aller) Gefühle in so genannten “wirtschaftlichen” Entscheidungen irgendetwas erreichen können, mit dem wir uns (alle) dauerhaft besser fühlen(!) könnten als vorher! – Mit welchen Gefühlen denn noch, als jenen, die wir darin (nicht) investierten?

Das Streben nach Wirtschaftlichkeit bezog sich ursprünglich ausschließlich auf den Metabolismus, und mit Geld kann es gar nichts zu tun haben. Dieses ausgelagerte Belohnungssystem hat uns nämlich unverantwortlich unwirtschaftlich gemacht. Ginge es uns dabei auch noch so gut wie es könnte, wäre unser Gehirn eine Fehlkonstruktion. Dafür hat es sich einfach zu lange entwickelt und bewährt, als das ich davon ausgehen würde. Das Problem sehe ich vielmehr darin, dass wir den größten Teil seines Wissens einfach ignorieren, nämlich den, der uns nicht “bewusst” ist. An der Stelle muss Bildung ansetzen und nicht an Kennzahlenrumrechnereien. Wie soll uns eine solche Bildung dabei helfen, uns den Umgebungsbedingungen vollumfänglich (nur das ist nachhaltig) angemessen zu verhalten?

3 Antworten auf „Motive“

  1. Das UL ist allerdings nicht "nur" eine Sekte, sondern eine, die vorgibt vegan zu sein und es nicht ist (verkauft "Honig" und "Kaschmir"), was die Frage aufwirft, warum sie diese Behauptung aufstellen. Der plötzliche Umschwung der Ausrichtung ergab sich schnell als Methode, um in der TR-Bewegung neue Mitglieder zu rekutieren. Von dessen anderen Aussagen (wie dem direkten Draht zu Jesus und dem Holocaust als gerechter Strafe für die Juden) abgesehen. Das UL ist gefährlich und eine Abgrenzung ist daher nötig. Mehr unter http://maqi.de/ul

    > 100% Veganismus ist ein Ideal, nach dem ich strebe

    Wieso? Ich nehme an, du lebst bereits 100% vegan (http://veganismus.de/vegan/faq-rechtfertigungsversuche.html#nicht100prozent).

    1. Mit 100 % bin ich lieber vorsichtig. Erst auf der Suche nach Rezepten und ernährungstechnischen Fragen stieß ich auf vegane Websites, Definitionen und eine Fülle an Informationen darüber, was alles warum nicht vegan sein kann. Mittlerweile achte ich bei Neueinkäufen die keine Nahrungsmittel sind ebenfalls darauf, vegane Produkte zu bekommen, mach sie selber oder lasse sie weg. Von den alten Sachen weiß ich es nicht immer, daher gehe ich von einem zumindest teilweise zweifelhaften Restbestand aus, der nicht vegan sein könnte.

      Danke ansonsten für die ergänzenden Informationen zu UL.

  2. Deshalb ist es eine Frage der Definition. "Vegan" kann nicht heißen, frei von Tierprodukten oder von irgendwelcher Unterstützung von Tierausbeutung. Leitungswasser ist tierversuchsgetestet udn Autoreifen beinhalten glaube ich auch TIerprodukte. "Vegan" kann daher nur heißen, das Vermeidbare vermieden zu haben.
    Wenn du dich also gut informierst und sich hinterher trotzdem herausstellt, daß das Produkt Tierprodukte enthielt, war dein Konsum zu dem damaligen Zeitpunkt nicht unvegan. 100% frei von Tierprodukten oder ungewollter Unterstüztung der Tierausbeutung geht nicht, 100% vegan geht schon.

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