Pubertäre Krise – Wir sind das Internet

Nur wenige die sich heute auf Facebook oder andern Plattformen bewegen und kaum etwas anderes kennen – Google vielleicht – haben eine Vorstellung davon, was für eine hoffnungsvolle Zone das Internet mal war. Die Pioniere sahen darin die Basis zu mehr Demokratie, freiem Austausch von Daten und Ideen, Wissenstransfer, mehr Verständnis im Für- und Miteinander, und unermesslich Raum für Innovation. Wir, die ersten Bürger des Internet, fühlten uns wie Pioniere. Wir fieberten den Antworten spannender E-Mail-Korrespondenzen mit überwiegend intelligenten Menschen entgegen, surften mit Mosaik, klatschten Qirksmode-HTML mit Tabellen zusammen, waren auf Datentransfers mit Megabyte-Bereich und / oder zeitlich beschränkt, und unsere Suchmaschinen hießen Altavista, Yahoo oder Lycos.
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Der Verschwörungs­theoretiker Visionen

Gleich vorneweg sei gesagt: ich nehme Verschwörungstheorien durchaus ernst, als Gefährdungsindikator. Die Theorie ist das Symbol, der Platzhalter für die fehlende Erklärung, die ja nun hoch komplex ist, und kaum von einem einzelnen Menschengehirn erfassbar – allenfalls zu erahnen. Die betroffenen Gehirne wissen, dass etwas “nicht stimmt”, und suchen nach schlüssigen Mustern die sie zu einem Konstrukt zusammenreimen mit dem sie eine erkannte Gefährdung kommunizieren. Ich möchte jedem entflammten Anhänger verschwörerischer Fremdtheorien nahe legen, sich selbst mit den Ursachen der Menschheitsprobleme auseinanderzusetzen indem er seine eigene Rolle in dem ganzen Spiel intensiv prüft. Daraus lernt man um ein Vielfaches mehr als einem irgendein anderer Mensch über die Welt, das Wesen des Menschen und die Wirkungen seines Handelns beibringen könnte.

Den Aspekt der Gefährdung will ich hier keineswegs verharmlosen, wie es oft im Zuge von wissenschaftlichen Widerlegungen geschieht. Wird die Theorie negiert, nimmt keiner die Gefahr mehr ernst, um die es eigentlich geht. Nur inhaltlich kann ich nicht zustimmen, ich hätte gar nicht die Mittel und das Wissen, jede dieser Theorien auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Und selbst wenn der eine oder andere Treffer dabei wäre, so würde die Verkündung der Wahrheit nicht gleich die Welt der Leser auf den Kopf stellen. Als könnte das da draußen noch jemand klar unterscheiden. Selbst wenn, die Kenntnis der Wahrheit ist eine Sache, daraus Konsequenzen für das eigene Handeln abzuleiten ein ganz andere. So lange das nicht geschieht, ändert auch das Wissen um die Wahrheit – nichts. Zu einem hohen Anteil ist, was Menschen für wahr halten, Wunschdenken, das keiner intensiven Überprüfung standhalten würde. Sind das jetzt alles Lügner? – Nein, das würde ich niemandem unterstellen wollen. M.E. geht es einfach nur darum herauszufinden, worum es ihnen wirklich geht. Genauso gut wie als falsch kann alles als wahr betrachtet werden, und das sogar völlig widerspruchsfrei. Die Frage ist immer nur, vor welchem Hintergrund die Betrachtung erfolgt.

Was ein Gehirn glauben will und was nicht, hat mit vielem zu tun. Fakten sind so ziemlich das letzte. Die muss man erst einmal kennen. Und selbst wenn man in einem bestimmten Bereich faktisch hervorragend orientiert ist, kann dennoch das Gegenteil von dem richtig sein, was einer schließt, was sich erst zeigt, wenn ein weiterer Aspekt bekannt wird. Ein Gehirn das nach Mustern sucht, wird immer welche finden, weil es die zur Ausrichtung seiner kognitiven Aktivitäten benötigt. Im Überforderungsfall bedient es sich hierbei der Ignoranz – Aspekte werden mehr oder weniger bewusst ausgeblendet, um Stimmigkeit herzustellen. Wird hierbei ein Irrtum oder eine Lüge verbaut, ist alles was darauf weiter aufbaut, davon durchdrungen. Ein winziges Detail kann eine ganze Welt negieren, und wohl nicht nur die in unseren Köpfen.

Das Auto der Zukunft

Wenn meiner Taschenlampe das Licht ausgeht, dann muss ich eine Minute kurbeln um den Akku aufzuladen und habe dann wieder für eine halbe Stunde Licht. Für mein Auto wünsche ich mir einen Akku, der auch so funktioniert. Überhaupt ließe sich viel mit Muskelkraft machen, und das verbrennt auch noch Kalorien und hält fit. Ist ja eigentlich hirnrissig, Bewegungsprogramme als Selbstzweck zu absolvieren und die ganze frei werdende Energie verpuffen zu lassen. Warum zum Beispiel nicht den Hometrainer für die Energiegewinnung nutzen, oder was Leute an Muskelkraft in Fitnesscentern *liegen* lassen? – Man könnte sie kostenlos oder sehr günstig trainieren lassen, und dafür den Strom verkaufen den sie produzieren, so kann sich jeder der will, an der Stromproduktion beteiligen – Hoppla, abgeschweift.

So lange Autos mit Benzin fahren will ich keines mehr. Die Pressluftvariante die nächstes Jahr in Serie gehen soll ist schon ganz nett, hat aber noch eine vergleichsweise geringe Reichweite, ist also mehr was für den Stadtverkehr, der schnittige Akku-Sportwagen ist für den Durchschnittsverdiener zu teuer. Außerdem muss die Energie, die der verbraucht, auch erstmal erschlossen werden.

Beamen lieber nicht, da bin ich skeptisch wie McCoy, so lange nicht sicher gestellt ist, dass man dabei nicht gekillt wird und als Kopie neu zusammengesetzt. Der arme *Klon* ahnt dann nichts davon, und das Original sowieso nicht… Sichten wäre m. E. sicherer. Visuell ist das Hologramm dann nicht mehr vom Original zu unterscheiden. Auf Konferenzen oder ähnlichem ist die physische Anwesenheit ja nicht zwingend erforderlich.

Ein eigenes Auto braucht nur wieder einen Stellplatz, und in der Zeit wo es rumsteht, erfüllt es keinen Zweck. Wenn meine physische Präsenz gefordert ist, gebe ich den Zielort meinem Universalconnectors am Handgelenk bekannt, und der schickt mir den nächsten freien Wagen vor die Haustüre, der mich schnellstmöglich und sicher an mein Ziel bringt. Den Energiebezug hat bis dahin vielleicht die Skalarwellentechnik gelöst, wir reisen dann womöglich mit Neutrinopower. Ein intelligenter Background sorgt für optimale Nutzung des öffentlichen Individualverkehrs. Die Kabine schützt sich selbst vor Vandalismus und Verschmutzung, aber auch davor, dass ich was vergesse, indem sie sich erst öffnet, wenn ich mitgeführte Utensilien an mich genommen habe oder mich darauf hinweist, wenn ich mal wieder in Gedanken versunken dazu neige, was liegen zu lassen.

Dauert die Fahrzeit länger, sorgt Lastfm dafür, dass meine Lieblingsmusik gespielt wird, oder ich sehe mir Filme an oder surfe im Internet. Oder ich nehme noch jemanden mit, dessen Ziel aufm Weg liegt, und dessen Profil zu mir passt, so dass wir uns gut unterhalten. Vielleicht hat aber auch einer Lust auf Sichten, und wir plaudern ein wenig, ohne dass er mitreisen muss. Gegebenenfalls diskutiere ich eben mit einer selbstlernden KI – wir lernen dann voneinander, was für beide ein Gewinn ist, zumal sie sich auf ihre Gesprächspartner einstellt, um diese optimal nach ihren individuellen Fähigkeiten zu fördern. Schließlich muss sie eine Menge über uns erfahren um ihre Aufgabe, den individuellen Bedürfnissen aller gerecht zu werden, mit steigender Qualität zu erfüllen. Das Wohl der globalen Gesellschaft (=Erfolg) summiert sich schließlich aus dem Wohl ihrer Einzelwesen.

Gewalttaten sind ausgeschlossen, das gäbe sofort einen Alarm und die Insassen würden mit einem schnell wirkenden Gas oder raumfüllenden flexiblen Airbags sanft aber umgehend außer Gefecht gesetzt wenn ihre biochemische Disposition einen Übergriff signalisiert. Das kam bisher aber noch nicht vor, denn wir haben unsere Lebensumgebung so gestaltet, dass gegenseitiges Vertrauen zur natürlichen Umgangsform gehört. Da es allen gut geht, gibt es keinen Grund mehr, sich gegenseitig anzufeinden. Für etwaige Restaggressionen bekommen wir individuell auf unsere Disposition zugeschnittene Aktivitätsvorschläge. Egal wem und aus welchem Grund es einem nicht gut geht, es gibt für alles intelligente, nachhaltige Lösungen. Nachdem wir endlich verstanden haben, dass Glück der sicherste Indikator dafür ist, eine nachhaltige Überlebensstrategie anzuzeigen, wissen wir ja nun auch, wonach es sich wirklich zu streben lohnt. Das macht den Geist offen, und unsere Potentiale haben so viel Raum wie sie brauchen, um sich optimal zu entfalten. Erstaunlich, wie kreativ jeder Einzelne von uns sein kann, wenn die Umgebungsbedingungen es zulassen.

Derweil gebe ich mich im Sommer mit einem Fahrrad zufrieden, im Winter oder für lange Strecken mit Bus oder Bahn…

Die Beobachterin

Über meinen Heimatplaneten weiß ich nichts Wesentliches, nur dass mir die Anpassung an die Gewohnheiten der Erdbewohner nie so recht gelingen mochte. Den komischen Scheinchen, bei denen sich die Freundschaft aufhört (eindimensionaler Schnittstellenersatz für mehrdimensionale soziale Vernetzung? – hm, das würde allerdings so manches erklären), kann ich nichts abgewinnen. Weder schmecken sie besonders gut, noch sind sie nahrhaft, noch halte ich viel davon dafür zu tun was andere wollen, statt das zu tun, was ich will. Wenn viele Menschen tun, was sie eigentlich gar nicht wollen, was erwarten sie sich davon eigentlich für ein Gesamtergebnis? – – – Hm???

Angeregt durch Star Trek, der ersten Science fiction, mit der ich in Berührung kam, ging ich in den Beobachter-Modus über, um mich über das Verhalten der Ureinwohner schlau zu machen und stieg mit Verhaltensforschung (“der nackte Affe“) ein. Das war sehr aufschlussreich. Ein paar Jahre später begegnete mir Deepthought, naja, nicht direkt, ich sah ihn nur durch diesen Kasten, den die Erdbewohner in ihren Wohnräumen aufstellen, um im Passsivmode an der gerafften Darstellung tatsächlicher und erfundener (was nicht immer leicht zu differenzieren ist) Geschehnisse der Welt teilzunehmen (die einfachste Form, sich eine Meinung implementieren zu lassen, weil jeder Mensch einen Standpunkt braucht, um dem biologischen Bedürfnis nachkommen zu können, diesen zu verteidigen), und mir wurde klar, so daneben konnte ich mit dem seltsamen Gefühl das ich bei meinen Beobachtungen hatte, gar nicht liegen. Meine interdisziplinäre Reise ging also weiter durch die Natur-, später auch Geisteswissenschaften, und da wesentlicher Bestandteil der menschlichen Entwicklung nahm ich Mythologie und den Parastuff auch noch mit.

Seit ich mich mit Emotions- und Kognitionsforschung auseinandersetze, ging mir so manches lang ersehnte Licht auf. Ein lernendes Neuronennetz weiß ja erst einmal gar nichts über richtig oder falsch. In erster Linie passt es sich den gerade aktuellen Umgebungsbedingungen an, im Urvertrauen, diese nicht hinterfragen zu müssen. Die Prägung seines Bewertungssystems (wahr-genommene Befindlichkeiten werden wahr-genommener Symbolik zugeordnet) re-agiert mit den auf es wirkenden Umgebungseinflüssen und nimmt die Klassifizierung der Einzelaspekte daran vor, wie sie seiner Trieberfüllung zu- oder abträglich sind, ohne Hintergründe zu kennen oder einzubeziehen. Und kaum könnten die kleinen Menschlein dann selbst denken und ihre individuellen Potentiale entwickeln, bekommen sie zu hören, was alles warum nicht geht, werden konformiert und zu Funktionselementen der Wirtschaft programmiert, pardon, gebildet nennen sie das. Als Erwachsene sehen sie dann Grenzen, wo es für sie als Kinder keine gab, obwohl sie doch nach ihrer Ausbildung angeblich mehr wissen als vorher. Ist das nicht höchst eigenartig?

Mit jeder neuen Antwort kommen wieder neue Fragen, und nun weiß ich immer noch nicht genug, um daraus ableiten zu können, ob ich er- oder entmutigt darüber sein soll, auf diesem Planeten festzusitzen. Fasziniert bin ich auf jeden Fall, und – *don’t panic* (wo ist mein Handtuch?)…