Religionsphobie?

Am Wochenende schmökerte ich mal wieder ausgiebig in Wissenschafts- und Philosophieblogs und stieß dabei auf Aussagen wie: “Religion und Ethik schließen sich gegenseitig aus”. – Überhaupt machte sich der Eindruck breit, dass sich eine Art Gottesphobie in den Köpfen mancher Wissenschaftler eingenistet hat, und Menschen mit spirituellen Ansätzen ungnädig abgewürgt werden, selbst wenn sie sich dabei nicht konkret auf eine bestimmte Religion beziehen und ansonsten sachbezogen argumentieren. Auch der Begriff “Metaphysik” erzeugte offenbar so großes Unbehagen, dass man meinem möchte, sie wünschten sich ein Schreib- und Sprechverbot für Menschen die sich gedanklich in metaphysische Sphären begeben.

Ok, mir geht es ja ähnlich. Was immer von mir anerkannt werden will, muss für mich rational begründbar sein. Wenn ich um das zu erreichen jedoch etwas ausgrenzen muss das für viele Menschen eine Bedeutung hat, ist die Erfassung meines Weltbildes auf jeden Fall schon mal unvollständig, und das sogar auf Basis bereits verfügbarer Umgebungsdaten. – Ich versuche stattdessen, hinter die Kulissen zu blicken. Wie und aus welcher Funktionalität heraus haben sich die Anschauungen der Menschen entwickelt, welche Bedeutung hatten sie für ihre emotionale und soziologische Entwicklung, und wie wirkte sich das auf die kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen aus, unter denen wir leben?

Hinzu kommt – ich verspreche mir nicht viel davon, einem irrationalen Wesen (wie Menschen es nun mal sind) Ethik „nur“ rational zu begründen. Es ist eine Tatsache, dass unsere Werte unser Denken bestimmen, keine rationalen Begründungen oder gar Fakten. Das mag allenfalls für Wissenschaftler zutreffen, die sich explizit der Wahrheit verschrieben haben, was jedoch auch wieder mit ihren Werten zusammenhängt, und nicht selten mit der Ausgrenzung Andersdenkender einhergeht. Doch was erfüllt für uns deren “Wahrheit”, wenn sie sich gleichzeitig in eine semantische Abgrenzung zurückziehen, so dass ein Außenstehender ohnedies nicht verstehen wird, worüber sie eigentlich schreiben? Was bewirkt schon eine Wahrheit die keinem einleuchtet und daher nicht umgesetzt werden kann?

Dass da eine Skepsis gegen “Experten” entstanden ist, haben sie sich zumindest teilweise selbst zu verdanken. Hinzu kommt: ein Fachgebiet ist eben nur ein Teilausschnitt von Wissen, und erklärt (jedemfalls dem Laien) nicht die ganze Welt.

Ein Kind das zum nächsten Entwicklungsschritt bereit ist, will die Mutterbrust von sich aus nicht mehr. Und so wird es auch mit der Bereitschaft sein, sich Fakten zu stellen (früher oder später holen sie einen eh ein). Grade die rational begründete wissenschaftliche “Welt” hat, was ihr selbst womöglich vor lauter Selbstverliebtheit nicht auffällt, keinen Ersatz, keine Wärme, keinen Anreiz, keinen Trost zu bieten. – Jedenfalls nicht auf den Einblick, den die meisten Laien nur haben können. Sieht man näher hin, eröffnen sich Potentiale die durchaus mit dem mithalten können, was Menschen sich in der Vergangenheit erdachten. – Ihre Gedanken werden ja nun kaum über das hinausgegangen sein, was in diesem Universum machbar ist.

Viel interessanter als die Frage OB etwas wahr ist, finde ich daher die Frage WIE etwas wahr sein könnte. Hierbei war es tatsächlich hilfreich, Symbole (auch Worte) beim Denken zu umgehen. Selbst als Atheist kann man „mit“ Gott leben, wenn man „es“ als symbolische Größe einbezieht die unbestreitbar in und um uns herum wirksam ist. Das muss nicht gleichbedeutend mit “gut” sein, das ist nicht der Punkt, sondern dass der Einfluss besteht. Schließlich hat der Glaube an “es” unsere Welt mit geprägt. – Also ist „es“ zumindest soweit „wahr“ geworden. Vielleicht wäre da noch weit mehr drin gewesen, wenn der Missbrauch nicht gewesen wäre?

Ich kann von mir nicht behaupten, dass ich “pro Religion” bin, schon weil ich mich generell dagegen sträube, was man mir erzählt ohne gründliche Prüfung in Betracht zu ziehen, sondern verspreche mir mehr von individueller Erkenntnis, Einsicht und Streben nach Gerechtigkeit (ja, ich glaube fest daran, dass wir dazu besser geeignet sind als zu einem egozentrischen Dasein in dem nur noch Dinge unseren Tagesablauf bestimmen und nicht mehr wir selbst). Doch ich glaube auch, dass der Umstand dass Menschen Religionen für “böse” Taten missbrauchten nichts mit der Tatsache zu tun hatte, dass es sich um “Religion” handelte, sondern woran Menschen glauben (wollen), stets ein Mittel ist, mit dem man machtvollen Einfluss auf sie ausüben kann (Massensuggestion, wie sie heute hemmungslos über Werbung etc. weiter betrieben wird – ich sehe nicht, was daran besser sein soll). Steht Religion dafür nicht mehr zur Verfügung – bei den Materialisten zieht sie jedenfalls nicht mehr – gelangen andere Methoden der Manipulation zur Anwendung. Das ist nach meiner Einschätzung das eigentliche Übel. Die Ausgrenzung religiöser Anschauungen ist nicht die Lösung, sondern die Ausbeutung einzustellen ist es. Es gibt keine Gerechtigkeit für den „Verbraucher“, weil bereits das „Verbrauchen“ kein gerechter Akt mehr ist.

Sonnenstürme 2012

Fasziniert verfolgte ich in den letzten Jahren Gerüchte um den bevorstehenden Weltuntergang 2012, die Prophezeiungen der Mayas, den Übergang in eine neue Ära, und gelangte heute (mal wieder) zu den angeblichen Warnungen der NASA vor Sonnenstürmen, die globale Konsequenzen haben könnten, bis hin zu noch einem Ende-unserer-Zivilisation-Szenario. Richtig? – Falsch? – Oder – – – weder noch? – Da bekomme ich richtig Lust, selbst ein wenig zu spekulieren, und zwar wie folgt:
“Sonnenstürme 2012” weiterlesen

Die Panne mit den Klimadaten

Dieses unerfreuliche Ereignis entfacht die Diskussion, ob der (menschengemachte) Klimawandel ein Schwindel sei, aufs Neue. Es sei “dumm” und “arrogant” zu glauben, dass der Mensch auf das Klima Einfluss nehmen könne las ich neulich.

Ist es auch dumm und arrogant zu glauben, dass der Mensch grade drauf und dran ist die Meere zu überfischen und sich für das Aussterben unzähliger Arten verantwortlich zeigt? Dass der Mensch nichts mit dem Klimawandel zu tun haben soll ist schon neben den sonstigen Zerstörungen durch sein Treiben eine irrwitzige Annahme.

Natürlich will man – auch oder gerade dann, wenn man grundsätzlich mit seiner Annahme richtig liegt – diese so darlegen, dass sie möglichst wenig Angriffsfläche bietet und keine Widersprüche erzeugt, die nur auszuräumen sind, wenn die Betrachtung fundiert, umfassend, differenziert genug ist, was man von Laien nicht erwarten kann – grade nicht bei einem so hoch komplexen Thema. Wie sich mal wieder zeigt, zurecht.
Jeder, der schon mal Unterlagen aufbereiten musste, um beispielsweise ein Projekt zu präsentieren, weiß das. Vergisst er dabei eine Kleinigkeit zu erklären, die im Gegenüber ein Fragezeichen oder einen Widerspruch erzeugt (auch da, wo gar keiner ist, nur weiß der Andere das eben nicht, weil ihm die Hintergründe nicht so selbstverständlich präsent sind wie dem Verfasser), kann ihn das in arge Verlegenheit bringen, völlig unabhängig von Inhalt und Qualität des Projekts selbst.

Ein Artikel über falsche Falisifikationen

Wichtige Erkenntnisse aus dem 4. Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen (IPCC) – 36 Seiten PDF

Forscher warnen vor blitzartigem Klimawandel (Spiegel)

Seit Jahren beobachte ich die Diskussion um den Klimawandel und war von Anfang an der Ansicht, dass wir die menschengemachten Schadwirkungen (in allen Bereichen) sogar noch unterschätzen, da uns die Wirkungsweisen all unserer Einflussnahmen noch nicht vollumfänglich bekannt sind. Die Chance, dass sich davon irgendetwas günstig auf Umwelt, Artenvielfalt und Klima auswirken könnte, halte ich hingegen für sehr, sehr klein.

Was alle tun, kommt uns nur deswegen nicht falsch vor, und das sagt überhaupt nichts über irgendeine Richtigkeit aus. Es gibt nur zwei Möglichkeiten dem zu begegnen: es erahnen und umzulenken oder es darauf ankommen zu lassen, und dann wird es so ziemlich die geringste Rolle spielen, wer denn nun mit seiner Behauptung “Recht” hatte.

Nachtrag (12.01.2010, 09:40): Ausgiebige Informationen und Links darüber habe ich eben im Blog “Globales Klima” entdeckt.

Zu gut gemeint

Was soll das eigentlich heißen, zu gut gemeint? – Gut ist gut sollte man meinen, und viel davon erst recht. Warum ist gut überhaupt gut? Woran soll man es bewerten? – Am Sinneseindruck, der über Jahrmillionen trainiert auf das positiv ansprach, was wohltuend in der Wirkung war. Ein Geschmackserlebnis, auf das wir heiß sind ist deswegen ersehnt, weil davon Inhaltsstoffe zu erwarten waren, die uns gut tun. Uns aber kam es nur noch auf den Geschmack an.

Wir wollen gern süß, also extrahieren wir Zucker und den Rest schmeißen wir weg. Dummerweise wird das Gute nicht davon besser, wenn es (zu) viel ist. Die Defizite die durch Einseitigkeit entstehen, bringen unser Empfinden durcheinander. Erfüllung findet nicht statt, denn das fokussierte Sinneserlebnis ist davon nur ein Teil. Der Rest bleibt aus, und nicht selten gesellen sich dazu noch ein paar abträgliche Nebenwirkungen. In Wahrheit bekommen wir auf diese Weise nicht mehr. Wir verbrauchen nur immer mehr, um das Wohlbefindensniveau zu halten. Ressourcen spart, was alle Wohlbefindensaspekte erfüllt an denen unsere Sinne ausgebildet sind, und nach denen unsere Sensorik ja auf der Suche ist.

Es geht hier nicht einfach nur um eine Wirtschaftskrise. Die Diskussionen und Spekulationen darum gehen für mein Verständnis zu wenig in die Tiefe. Mir fiel in den letzten Jahren immer mehr auf, das nicht nachhaltig ist, und ich fühlte mich fast erschlagen von den Dimensionen. Doch da war ich ja erst bei den Symptomen. Kleine Ursachen können große Wirkung haben. Je grundlegender ein Wert angelegt ist, umso weitreichender ist sein Einfluss auf alles was auf ihm aufsetzt. Meiner Ansicht nach lässt sich die Symptomekumulation auf überschaubar wenige Ursachen eingrenzen, die mit überschaubar einfachen Lösungen behebbar wären.

Wofür all das Wissen über das Leben, das Universum, unser Gehirn und alles, wenn wir es dann doch nicht verstehen und umsetzen? Es ist eben nicht mehr selbstverständlich(!), dass Menschen das Richtige tun – und für wen (alles) sie es überhaupt wollen.

Die Verdrängung des gesunden Menschenverstandes

Ein Verstand kann nur so gesund sein wie der emotionale Unterbau es zulässt. Um die Komplexität des Denkens zu vervielfachen, bedarf es eigentlich nur weniger neuer Werte. Die Grundwerte die unser Denken lenken kommen aus dem Triebsystem, und je nachdem wie intensiv die emotionale-soziale Verarbeitung ist, wird vom Bewertungssystem stärker differenziert oder weniger, machen wir uns Entscheidungen leicht, oder grübeln lange darüber nach. (Mit)Gefühl und soziales Gewissen sind die Pufferzone zwischen Reiz und Triebhandlung, und die wurde zurückentwickelt, weil Geld anstelle der Soziologie trat, die ebenfalls die Erfüllung aller Triebe gewährleistete, und einen weit höheren Anspruch an das Individuum stellt als sich seinen Vorteil einfach nur auszurechnen. Wir können eigentlich gar nicht mehr wissen, was das ist, ein “gesunder Menschenverstand”. Diejenigen die wir dazu befragen müssten, werden von uns allenfalls belächelt, weil das Streben nach Besitz und Herrschaft ihnen fern liegt.

Unser Verstand (dessen Datendurchsatz ja immer noch gleich klein ist, nämlich etwa 50 Bit / Sekunde) geht so vor: Er verknüpft einen Wert mit einem Symbol, und die weitere Entwicklung befasst sich nur noch mit dem Symbol und dessen Abstraktionen, aus denen wiederum neue Abstraktionen abgeleitet werden und so fort. So verloren wir die Bezüge zu den eigentlichen Werten, den Boden unter den Füßen. Vernunft hätte dies (vielleicht) verhindert, doch Vernunft bedarf einer hohen Wertebandbreite, damit sie überhaupt die “Mitte” trifft.

Das Geldsystem ist des Menschen Kind, etwas, das aus menschlichen Beweggründen hervorging, und diese abbildet, bzw. verstärkt. Die ersten Werkzeuge waren bereits Triebverstärker, wohingegen der Geldtrieb alle Triebe zusammenfasst, nicht zustätzlich zum, sondern anstelle des Sozialtriebes trat, der war ja “unprofessionell” und wurde in den Bereich “privat” und “Freizeit” verdrängt, wo er seinen Zweck, nämlich uns nachhaltig zu bevorteilen, aber nicht mehr erfüllen kann. Es geht in der Wirtschaft nur um Dinge die Triebe erfüllen. Etwas darüber hinaus ist kein Wirtschaftsfaktor mehr, sondern eher das Gegenteil, denn Mitgefühl und soziales Gewissen sind Hemmfaktoren.

Triebe sind allerdings auf Grund der platzsparenden Instinktmuster denen sie gehorchen, ziemlich einfältig, weil sie nur vage differenzieren können. Beim Geldsystem hingegen geht es darum so viel wie möglich davon zu bekommen und so wenig wie möglich davon wegzugeben. Nennt sich “Gewinnmaximierung”, “Rationalisierung”, “Optimierung” oder “Konsolidierung”, führt aber auf Grund der extremen Reduktion der jeweiligen Betrachtung mit zunehmendem Aktionspotential immer schneller zum Exzess (wie bei einem betriebsblinden neuronalen Netz).

Die neue Aufklärung die uns bevorsteht, wird ziemlich ernüchternd werden, bevor wir die Chancen erkennen, die in unserer Funktionalität stecken, unserer herausragenden Fähigkeit emotional zu differenzieren mit Hilfe von Mitgefühl und sozialem Gewissen, sofern wir es denn anwenden. Das Leben (er)fordert den ganzen Menschen. Das Geldsystem hingegen nur einen geringen Teil. Wie soll das reichen, unserer und der Komplexität unserer Lebensumgebung zu entsprechen? – Die Rechnung kann gar nicht aufgehen, und das wird sie auch nicht.

Geld müsste eigentlich wie ein Peer-to-Peer-Netzwerk funktionieren, ohne Verpuffer von Potentialen, die keine Leistung erbringen. Und auf Pump zu leben sollten wir ganz schnell wieder vergessen. Die Erde nimmt keine Zinsen. Was zu viel entnommen wird, regeneriert sich schlicht nicht mehr. Was Geld niemals sein kann: ein Ziel. Denn dann ist bereits alles andere Nebensache, wie beispielsweise die Qualität dessen, was man anbietet. Schaden oder Nutzen werden im Vorfeld bereits in Geldsummen definiert und nicht darin gesehen, was man für Geld anrichtet oder Neues schafft. Darauf aber kommt es letzten Endes an.

Wir verbrauchen so viel weil es da ist (um die Wirtschaft zu füttern), nicht weil wir es benötigen. Wäre weniger da, würden wir weniger verbrauchen, und nicht einen Deut mehr vermissen als jetzt. Im Gegenteil, was wir sehr bald vermissen werden ist all das, was wir unwiederbringlich vernichtet haben, um es zu „verkaufen“.

Klimaschwindel – ein Schwindel?

Geht es den Menschen wirklich um die Wahrheit, oder vielmehr darum, Position beziehen zu können, den Standpunkt, den Ersatz fürs Territorium? Nichts ist nachhaltiger als die Wahrheit. Unsere Lebensweise ist aber nicht nachhaltig. Wenn uns die Wahrheit für uns so wichtig ist, warum tun wir dann nichts um ihr zu entsprechen?

Es ist unübersehbar, dass unsere Eingriffe in die Natur massive Auswirkungen auf ein Ökosystem haben, dessen Komplexität wir bis heute nicht vollumfänglich begriffen haben. Wir sind uns wohl darüber im Klaren, dass wir zum Aussterben vieler Arten beigetragen haben, aber noch nicht, welche Folgewirkungen für andere Arten daraus entstehen werden, und wie viele wir noch verlieren werden weil ihre Existenz mittel- oder unmittelbar von denen abhängt, die nicht mehr da sind. Auch das Klimasystem ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren, von denen wir ebenfalls noch nicht alle kennen. So weit ist es richtig, dass sich Klimaforscher da in Details noch irren können. Dass unsere Aktivitäten, angefangen bei der Anwendung von Brennstoffen bis hin zur Luftverschmutzung, darauf keinen Einfluss haben sollen, halte ich für ziemlich unwahrscheinlich – unabhängig davon, was welche Experten darüber fabulieren mögen.

Ich finde ohnedies, dass wir in den wichtigsten Lebensfragen viel zu wenig auf unser Innerstes hören und unsere Lebenshaltung stattdessen überwiegend eine Frage davon ist, welchen Medien, Produktanbietern und Experten wir glauben. Nachprüfen können wir das meist ohnedies nicht, so dass von Wissen keine Rede sein kann. Es sind also letztlich wieder nur Glaubenslager, die sich gegeneinander positionieren.

Verschwörung – nicht nötig

Markenwahn ist ein Ausdruck des Wunsches, Individualität darzustellen und/oder die individuelle Wertigkeit zu erhöhen, indem man sich nach erfolgter Suggestion die Kopie des Symbols einer Idee mit vielen anderen teilt und diese viel zu teuer bezahlt.

Das Vorgehen rechnet sich, und macht den Markt zu einem Paradies für Abgraser die sich Triebmechanismen zunutze machen, weil sich damit für sie die Rechnung aufgeht. Das kann man ihnen eigentlich schwer verdenken. Es ist ihr erklärter Daseinszweck (Gewinnorientierung).

Dass Verschwörungstheorien grade Saison haben, ist einerseits vielsagend, doch Verschwörungen sind unter den Bedingungen gar nicht erforderlich, um die eintretenden Effekte zu erklären. Außerdem verführen sie zum Abwälzen von Verantwortung – die jeder einzelne für seine Entscheidungen und Unterlassungen tragen müsste, aber bislang zu wenige wahr-nehmen. Erst wenn die Schäden die wir an unserer Lebensumgebung anrichten rückläufig sind, dürfen wir uns über ein Indiz dafür freuen, dass wir es womöglich *geschnallt* haben.

Bei Interpretationen kann nur all zu leicht Effekt mit Idee verwechselt werden, daher stütze ich mich nicht auf Verschwörungstheorien.

Die Willensformel

Was ist das Ziel von Bildung? – von Politik? – von Demokratie? des Rechtssystems? – von Arbeit? Wem dienen all diese Einrichtungen? Wo führen sie uns hin? Und wie produktiv müssen wir eigentlich noch werden (vom Ressourcenverbrauch her sind wir schon über dem verträglichen Maß), damit der Wohlstand für alle wahr werden kann? Worin wollen wir Erfolg in Zukunft bemessen? Und wer hat eigentlich noch die Kompetenz darüber zu entscheiden, welche Überlebensaspekte wir einkalkulieren, damit sich die bislang ignorierten Aspekte nicht länger kumulieren?

Für das Gehirn gilt immer die gleiche Formel: Zielvorstellung – Status = Handlungsbedarf. Adam Smith konnte es nicht wissen, denn eigentlich war der Gedanke, dass in einem freien Markt letztlich nur das *Gute* verbleibt, durchaus nahe liegend und plausibel. Das andere würden die Menschen nicht beibehalten wollen, meinte er. Die Wahl können wir jedoch immer nur aus dem Spektrum treffen, das wir kennen, sei es durch Erleben oder durch Vorstellung.

Das *nachhaltig Gute* hat nur eine Chance, wenn das *schnelle Füllen* nicht besser *belohnt* wird. Doch ist das *nachhaltig Gute* vielschichtiger, komplexer, berücksichtigt mehr Aspekte, denkt weiter, und vor allen Dingen sind ihm auch andere Menschen wichtig (vergleichbar damit, wie leicht Adrenalin ins Blut zu schießen ist um Massen gegen ein Feindbild zu vereinigen, wohingegen Liebe weit mehr Nahrung braucht, um in uns zu zirkulieren und unser Handeln zu beeinflussen). Damit ist es nicht so entscheidungsschnell und gerät leichter mal in einen Wettbewerbsnachteil. Doch fallen mir immer mehr Tendenzen auf die darauf hinweisen, dass es vom Dinosaurierzeitalter (eindimensionale Füllparameter) der Wirtschaft ins Säugetierzeitalter (Berücksichtigung von mehr Aspekten, worin Emotionen dem reinen Triebverhalten überlegen waren > je höher entwickelt, umso differenzierter > bis hin zur Abbildung von Intelligenz) übergeht.

Was sich in einer einfachen Formel ausdrücken lässt, ist informationsdicht, vielschichtig und fluktierend. Wer beispielsweise um zu bekommen was er will Hürden überwinden müsste die bedeuten hinzunehmen was er nicht will (Unwille ist dann schwerwiegender als der Wille ein bestimmtes Ziel zu erreichen), wird seine Geschicke erst dann positiv beeinflussen, wenn er seine Zielvorstellung überdenkt und an seine individuellen Bedürfnisse anpasst.

Darwins oft missverstandenes Vermächtnis

Immer wieder lese ich, dass Darwins Proklamation vom Überleben des Stärkeren überholt sei. So hatte ich Darwin allerdings nie verstanden. Viel zu differenziert waren seine Betrachtungen, um dann die Überlebenstauglichkeit von Lebewesen auf einen einzigen Aspekt zu reduzieren.

“Survival of the Fittest” wurde im Jahr 1864 durch den britischen Sozialphilosophen Herbert Spencer geprägt und bedeutet im Sinne der Darwin’schen Evolutionstheorie das Überleben der bestangepassten Individuen (das kann schon mal mit Stärke zu tun haben, bestreitet ja keiner). Charles Darwin übernahm ihn ab der fünften Auflage seines Buches “Origin of Species” ergänzend zur Kapitelüberschrift “Natural Selection”.

Auf die Mehrdeutigkeit und Mißbrauchsmöglichkeiten der Begrifflichkeit hat Darwins Mitstreiter Thomas Henry Huxley (Hauptvertreter des Agnostizismus, außerdem Großvater von Aldous Huxley, der in den Dreißigern des vorigen Jahrhunderts *Brave New World* schrieb) in einer frühen Phase (betraf schon die englische Originalsprache) hingewiesen. Augenscheinlich waren seine Bedenken berechtigt.

Hier ein netter Beitrag ergänzend dazu: http://www.newscientist.com/channel/life/dn13671-evolution-myths-survival-of-the-fittest-justifies-everyone-for-themselves.html

Und noch mehr über Missverständnisse im Zusammenhang mit Evolution: http://www.newscientist.com/channel/life/dn13620-evolution-24-myths-and-misconceptions.html

Zitat:

Die merkwürdigste Tatsache ist die vollkommene Abstufung der Schnabelgrößen bei den verschiedenen Arten (…), von einem Schnabel, der so groß ist wie der eines Kernbeißers, bis zu dem eines Buchfinken und (…) sogar bis zu dem einer Grasmücke.

Der Begriff *adaptive Radiation* (adaptare = anpassen; radiatus = strahlend) stammt ebenfalls aus der Evolutionsbiologie und ist eindeutiger (ich weiß allerdings nicht, wer den prägte). Darunter versteht man die Auffächerung (Radiation) einer wenig spezialisierten Art bei Herausbildung spezifischer Anpassungen (Adaptationen) an die vorhandenen Umweltverhältnisse in viele stärker spezialisiertere Arten und damit verbunden die Ausnutzung unterschiedlicher, vorher nicht gebildeter ökologischer Nischen.

Wer immer die (Fehl)Interpretation vom *Stärksten* heranzog, war wohl mehr der rücksichtslosen Durchsetzung individueller wirtschaftlicher Interessen zugetan als der Evolutionsbiologie. Der hat entweder das Buch nicht gelesen oder nicht verstanden.
Die Fokussierung nur eines Aspekts (und Vernachlässigung anderer) führt in der Evolution in eine Sackgasse. Obgleich Darwin viel vom *Überlebenskampf* spricht, hat er dennoch einen ausgeprägten Sinn für die Vielzahl, Vielschichtigkeit und Verflochtenheit der Aspekte, die ein Wesen in seiner Form bestandhaft machen.

Die Frage nach dem freien Willen

Oft wird uns in letzter Zeit dargelegt, dass soetwas wie ein freier Wille gar nicht existiere, sondern wir stattdessen Marionetten unserer physiologischen Gegebenheiten seien, auf Basis derer wir agieren und eigentlich nur reagieren.

Ich kann mir die hysterische Reaktion auf diese Tatsache nicht anders erklären als mit dem individuellen Eindruck der Entleibung. Das offenbar gewordene Kontrolldefizit wird ungern akzeptiert.

Bereits das Wort “Organismus” drückt aus, dass es sich um einen organischen Mechanismus handelt. Er ist evolutionär entstanden, das heißt, dass neue Funktionalität auf bestehender basiert. So hört es sich für mich nicht auf Anhieb verwunderlich an, dass wir entstanden aus Einzellern die im Wasser schwimmen ein Reiz-/Reaktionsgebilde aus chemischen Zusammenhängen sind.

Als Nervenzellen entstanden, kamen elektrische Signale dazu und es entwickelten sich weitere Sinnesorgane und daran gekoppelt die Triebe. In der Folge sind wir also Wesen, die auf sensorische Eindrücke reagieren und dabei von Trieben gesteuert werden.

Das Gehirn ist der Ort an dem Reiz und Reaktion auf die Trieberfüllung ausgerichtet werden. Um die Mischung der Eindrücke und die Mischung der Triebforderungen in Einklang also zusammen zu bringen, vererbten unsere Urwesen dort die Funktionalität der Instinkte. Hier werden Muster erkannt und gespeichert, die auf Erfüllung ausgerichtet sind und dem Lebewesen eine differenziertere Reaktion auf Basis von übertragbaren Erfahrungen erlauben. Das macht aus uns ein Instinkt-gesteuertes Wesen.

Differenzierte Reaktion bedingt differenzierte Bewertung. Von der körperlichen Befindenssensorik erhalten wir die Bewertung zu einem Eindruck in der abgeschwächten Form des Erlebnisses, das die Erfahrung prägte, bei unseren Ahnen oder in uns. So sind wir also auf die Bewertung unserer Emotionen angewiesen.

Der emotionale Musterabdruck wird der Situation beigesteuert noch bevor diese ihre Wirkung entfaltet: Ahnung. Verknüpft mit der emotionalen Ahnung werden jetzt die Daten einer Erinnerung, die dafür ursächlich waren. So entsteht Vorstellung, daraus Vision und hieraus spätestens das, was uns zum Menschen macht: Ziele, Wünsche, Phantasie.

Körperreaktionen die im Anderen verursacht werden, sind für uns lesbar. Ursache und Wirkung verschwimmen hier. Zum einen dienen sie der subjektiven Mitteilung andererseits ist damit auch der Transport individueller Gefühlseindücke möglich: Kommunikation. Streng genommen ist aber schon der Transport von Ladung zwischen Nervenzellen Kommunikation.

Sprache erlaubte schärferen Informationsaustausch und Modelle platzsparender Speicherung. Erst jetzt sind wir ein Verstandeswesen, worin sich nach der Ansicht vieler der freie Wille hätte befinden sollen.

Die Fähigkeit, das Wort an sich selbst zu richten und damit die Existenz der eigenen Person anzuerkennen (Bewusstsein), ist keineswegs die Quelle des Willens. Wir wollen, was wir sehen, fühlen, hören, riechen, schmecken. Die Vision solcher Eindrücke bestimmt unser Handeln. Daran ist das komplette Wesen beteiligt und sein Wille ist so frei, wie sich seine Funktionalität an der Umgebung orientiert.

Stellt man einen Mechanismus oder Organismus in einen definierten Raum, wird er sich auf Basis seiner und dessen Funktionalität darin verhalten. Das gilt auch im Miteinander mehrerer.

In letzter Instanz gilt das auch für die hypothetische Präsenz, die sich den meisten (!) von uns als der Kern menschlicher oder aller Existenz vorstellt: die Seele. Sollte sie grundlegender Antrieb unserer Form sein, wirkt ihr Einfluss auch nur im Zusammenspiel mit dem restlichen System. Nach wie vor wird unsere Persönlichkeit, also die wahrgenommene Manifestation unseres Strebens (Wille) von der Wirkung aller Komponenten bestimmt, seien uns das Spektrum und die Wirkungsweise auch noch nicht vollständig bekannt.

Freiheit ist der Zustand von Unabhängigkeit, aus dem Unbeschränktheit hervor geht. Im Kräftenetzwerk des Universums gibt es diesen Zustand nicht. Jeder Bestand bezieht seine Wirkung auf die seiner Umgebung, passiv, aktiv und reaktiv. Alles ist relativ, zumindest soweit es von Menschen verstanden werden kann. Denn jeder Mensch kann sich nur in Relation zur Umgebung begreifen, die sich ihm oder er sie sich vorstellt.

Dem erkannten Verlust der Selbstkontrolle steht keine Kontrolle gegenüber, die wir schon irgendwann gehabt hätten. Stattdessen sind wir ein Wesen, das sich wohl intelligent aber letzlich nur chemisch, elektrisch, triebhaft, instinktiv, emotional und sozial entscheidet. Der Verstand ist nur ein Programm, das in diesem Organismus arbeitet. Das Maß an Selbstdisziplin legt fest, wie entscheidungsrelevant er zum Einsatz kommt. Dieses Maß wird schonmal vom Rest unserer Person festgelegt, allerdings auch auf Basis von Ergebnissen aus Überlegungen.

Wo darf der Wille also entstehen, wenn er frei sein soll? Orientierte sich ein Mechanismus nicht an seiner Umgebung, wäre seine Funktion obsolet.

Vielleicht ist der angenommene Verlust der Kontrolle in Wahrheit ein Verlust der Identität. Nach meiner Betrachtung gewinnt die Identität von der Komplexität des Organismus’ an Individualität und Bandbreite. Die Erkenntnis (also Anerkennung) von unseren grundsätzlichen Wirkungsparametern macht uns reicher und mächtiger.