Mein Gehirn ist mein Territorium

Sozialdarwinismus ist eigentlich der falsche Begriff eine Ideologie zu beschreiben, die viel Elend über die Menschen brachte. Es sollte Spencerismus heißen. Es stört mich als alte Darwinistin, da sein Name es nicht verdient hat, mit einer Ideologie in Zusammenhang gebracht zu werden. „Der Stärkere überlebt“ hat für mich nichts mit Darwins Theorie zu tun, sondern ist eine wüste Interpretation jener die sich um jeden Preis für etwas Besseres halten wollen, und dabei großen Schaden anrichten, also keine für andere wertvollen Menschen sind.

Was können Menschen, das Tiere nicht zumindest im Ansatz auch können? Wo ist die Grenze? – Gibt es überhaupt eine? – Der Versuch eine scharfe Abgrenzung festzustellen, muss schon daran scheitern, dass diese in dem Moment verschwimmt, in dem man sie gefunden zu haben meint. Wir selbst machen von der Zeugung bis zum Erwachsenwerden die Phasen des Tierseins im Schnellgang durch. Die einen Geister bleiben früher stehen, die anderen später. Doch keiner der weiter entwickelten Geister käme auf die Idee, die früher stehen gebliebenen oder sonstwie kognitiv benachteiligten nun zu schlachten und aufzufressen, nur weil sie 20, 30, 50 oder noch mehr IQ-Punkte niedriger liegen als sie.

Wenn es etwas gibt das den Menschen von den Tieren „unterscheidet“, dann wäre das wohl am ehesten sein ihn zu hoher Abstraktion befähigender „Verstand“. Doch die meisten Menschen wurden nur in die Errungenschaften, die einigen wenigen Menschen zu verdanken sind die über sich selbst hinausdenken konnten, hineingeboren. Dazu beigetragen haben sie nichts, sind aber dennoch jene, die am Lautesten auf ihr „Recht des Stärkeren“ pochen (je dümmer, desto lauter).

Jeder Gedanke, jeder Beschluss wurde bereits vom Gehirn entschieden, auf Basis von Werten / Empfinden, bevor er uns bewusst ist. Gefühle waren vor dem Verstand da. Natürlich sind sie tierischen Ursprungs.

Tiere fühlen Schmerzen (zumal die Sensorik dafür schon sehr alt ist)
Tiere können trauern,
Tiere können sich freuen.
Tiere können lieben (bedingungslos).
Tiere sind zu kognitiven Leistungen fähig.

Und Tiere haben uns voraus, dass bei ihnen alles was sie fühlen, echt ist.
Ist es etwa Neid?

Die Natur kann „mann“ nicht beherrschen. Jeder Versuch der Herrschaft führte uns bisher ins Chaos (im Gegensatz zur Anarchie findet in einem Chaos keine zielgerichtete Entwicklung mehr statt), denn es bleiben mit der Übertragung (dem Verlust) von Verantwortung (immer mehr) Werte auf der Strecke. Die Menschen müssen alle wieder lernen für sich selbst zu denken statt sich Orientierungsmarken Dritter ins Gehirn pflanzen zu lassen, die dann an den Rezeptoren hängen wie Vitamin-B12-Analoga und dem Denken die Basis entziehen. Werbung verbieten wäre womöglich die einzige Maßnahme mit der die Welt noch zu retten ist. Denn „Verbraucher“ wollen alles haben was sie sehen. Sehen sie es nicht mehr, sinkt der Ressourcenverbrauch sofort. – Besser die Wirtschaft opfern als alle(s) Leben, doch auch diese ist schon dermaßen ideologisiert und in die Gehirne gewaschen, dass es sich kein Mensch mehr anders vorstellen kann.

Bereits Gödel hat mathematisch bewiesen, dass jedes hinreichend komplexe formale System entweder unvollständig oder fehlerhaft ist (in beiden Fällen gelangt man zu falschen Schlüssen). Wenn die Fehleranfälligkeit des Verstandes kompensiert werden kann, dann nur durch die permanente Berichtigung erkannter Fehler („Wahrhaftigkeit“), statt sie zur heiligen „Tradition“ zu erklären. Dogmatische Systeme sind nicht skalierbar, sondern verhalten sich wie ein nichtlernendes, starres Computerprogramm. Komplexität und Veränderungen kann damit nicht intelligent entsprochen werden, und wir haben es nun mal mit beidem zu tun.

Bei manchen Gehirnen trifft wohl zu: mein „Programm“ ist mein Territorium, da lasse ich keinen rein. Zu schade, denn anders wird man nämlich niemals klüger.

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