Manifestation dessen was wir sind

Mit dem Wechsel der Orientierung zu dem was erwiesen ist konnten wir nur noch auf das Selbstbewusstsein bauen – der Summe all dessen, was wir uns bewusst gemacht hatten. Nichtsdestotrotz wirken aber noch die Triebe in uns – und unbewusste Prägungen. Darüber wussten wir bislang wenig. Doch sie steuern uns eigentlich, denn der Verstand ist nur die aufgesetzte Instanz die ausführt. Indem wir uns die eigene Funktionalität aber nach und nach bewusst machen, kann das was uns alle(s) ausmacht, in unser (Selbst)Bewusstsein einfließen. Je tiefer und grundlegender das geschieht, umso näher gelangen wir wieder an ein umfassendes menschliches Selbstverständnis. Unseren Kindern, die es ja noch haben, lassen wir es am besten gleich. So weit die Theorie.

Das unvollständige Menschenbild

Mit dem System das wir abbilden und an das wir uns anpassten, haben wir Berührungspunkte mit der Lebensumgebung und untereinander verloren, die wir früher schon mal hatten, und die uns eigentlich erst zu dem gemacht haben was wir sind – intelligente Menschen. Evolutionär betrachtet ist es folgerichtig: Unser System kann, wie wir einst selbst, lernen, alles zu berücksichtigen was wir sind und was wir brauchen, inklusive emotionaler Differenzierung, Soziologie, und Bewahrung der Lebensumgebung, damit es uns (wieder) entspricht. Da wir anders ohnedies nicht besonders glücklich werden können (das Gehirn ist nicht mit halben Sachen zufrieden zu stellen) sind wir ständig auf der Suche nach dem was uns fehlt, was uns verloren ging.

Zum Beispiel sucht jeder Erwachsene nach der Intensität der tiefsten Eindrücke aus seiner Kindheit. Das sind gewissermaßen die Vergleichsparameter, an denen unser Gehirn den Erfolg unseres Strebens beurteilt und belohnt. Wir wollen im Grunde alle nur unsere kindlichen *Weihnachten* wieder und glauben das geht nicht, denn schließlich gibt es ja gar keinen Weihnachtsmann. Doch die Magie, die unsere kindliche Fantasie in uns auszulösen vermochte, fand nicht irgendwo da draußen stand, sondern – in uns drin. Was also hindert uns daran, sie weiterhin zu leben? Wer sagt uns, dass wir uns desillusionieren lassen müssen? Wenn das Vorstellbare machbar ist, warum akzeptieren wir mit dem Mehr(!) an Wissen eines Erwachsenen plötzlich Grenzen, wo wir als Kinder keine sahen? Verursacht unsere Art von Bildung gar eine (Selbst)Reduktion indem sie die Fantasie aushölt statt fördert?

Alle wie einer, einer wie alle

Vom Verhalten eines Einzelnen kannst Du auf das Verhalten von Gesellschaften schließen – und umgekehrt. Eine Gesellschaft summiert was ihre Einzelwesen bewegt und bewegen. Allerdings verzerren Hierarchien das Gesamtergebnis, entsprechend dem Ausmaß der jeweiligen Gewichtung entscheidender Persönlichkeiten. Daher sind Ungerechtigkeiten unvermeidlich, wenn ein Einzelner über die Geschicke von mehr Menschen entscheidet, als sein Gehirn sozial verwalten kann. Auf diese Weise fallen Interessen und Bedürfnisse vieler durch das Raster (denn sie wiegen in seinem Gehirn nun mal nichts, weil der emotionale Eindruck dafür nicht da ist), die im Gesamtergebnis dann auch fehlen. So entsteht Konformität statt individueller Vielfalt.

Die Vernetzung der Menschen könnte die Relevanzen wieder verteilen, und mehr Mitgestaltung wäre so möglich. Hierfür müssten wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass unsere Entwicklung dann nicht mehr progressiv dynamisch linear verläuft, sondern in die Tiefe geht. Das würde die Risiken allerdings vermindern und wäre in Summe wengier destruktiv. Hierfür ist aber mehr Eigenverantwortung gefragt, so wie eine tiefere Auseinandersetzung mit allem. Damit das geschehen kann, müssten wir vom regelfixierten (oberflächlichen) zum lösungs- und zielorientierten (grundlegenden) Denken finden. Die hierfür nötigen Erkenntnisse liegen vor unserer Nase.

Freiwilligkeit ist oberstes Gebot

Im Gegensatz zu Adam Smith setzte Nash auf Kooperation von vornherein. Wer nämlich andere nicht in seine Überlegungen einbezieht, nimmt auf diese auch keine Rücksicht, sondern denkt nur an seine eigenen Interessen und kollidiert dabei mit denen anderer. Wir brauchen Empathie und soziales Gewissen, damit wir überhaupt in der Lage sind, das *Gute* für- und miteinander umzusetzen. Sonst wollen wir es ja nicht, weil wir dazu keinen adäquaten Gefühlseindruck haben der uns motiviert, für- und nicht gegeneinander wirksam zu sein. Das kann auch eine Art rationaler Einsicht sein – wie beispielsweise bei Menschen, die nicht so sensibel sind. Auch sie sind jedoch in der Lage, die Breitbandigkeit ihrer Einschätzungen zu erhöhen. Woher die erneuerte Bewertung dann kommt, ist sekundär. Entscheidend ist, dass der Wille entsteht und wirksam werden kann.

Orientierung an Idealen

Ausgehend davon, dass die Willensformel Zielvorstellung – Status = Handlungsbedarf lautet, muss Streben immer auf etwas gerichtet sein, an dem wir den Erfolg dann messen können. Die Zielvorstellung kann beliebig groß sein, und selbst dann ist sie ohnedies vom Rahmen unseres Vorstellungsvermögens beschränkt. Das angemessene Ziel einer globalen Gesellschaft wäre, dass es allen darin gut geht. Denn keiner verliert, wenn alle gewinnen. Das betrifft nicht nur die materielle Versorgung, sondern auch die Aussicht auf ganzheitliches Wohlbefinden – Glück – das mit Konsumgütern alleine nicht zu erlangen ist. Zumindest die Grundversorgung mit dem Lebensnotwendigen ist dafür aber nötig. Ein selbstbestimmter Mensch ist nicht darauf angewiesen, seinen Status ausschließlich im Vergleich zum (materiellen) Status anderer zu ermitteln. Grundlegendes Denken fördert die Selbstbestimmtheit, weil daraus tiefes Verstehen hervorgeht und die eigenen Bedürfnisse klarer erkennbar und damit auch vertretbar sind (ich muss dann nicht mit äußeren Werten protzen können, um die Wertschätzung anderer zu erlangen).