Lass uns Zukunft machen

In jeder Einzelentscheidung liegt die Verantwortung nicht nur in deren Umsetzung, sondern auch in allen damit verbundenen Aspekten (Nebenwirkungen). Dass der Mensch Aspekte heute linear und isoliert betrachtet löst sie weder aus ihrer Verankerung noch verhindert es, dass ein durch lineare Wirksamkeit ausgelöster progressiv dynamischer Prozess alles andere ebenso mitreißt, und nicht nur das bewegt, was er soll.

In gewisser Weise besteht der Verdacht, dass der Mensch seine Gehirnpotentiale nicht vollumfänglich nutzt, zurecht. Doch er hat nicht etwa zu viel Hirn bekommen, sondern nur aufgehört, seine Kapazitäten vollumfänglich einzubeziehen. Erschwerend hinzu kam die Anpassung an Geld [linear] statt an die Lebensumgebung [mehrdimensional, vielschichtig]. Der musste er mit bloßen Händen und nacktem Körper Millionen von Jahren entsprechen können. Der Sozialtrieb ermöglichte es ihm, Potentiale (unterschiedlicher Gehirntypen) zusammenzuführen und über eine auf die eigene Sichtweise reduzierte Vorstellungswelt hinauszuwachsen. Nicht nur das Fühlen wurde differenzierter, sondern auch der Ausdruck, die Verständigung und schließlich das Vererben postnatal angeeigneter Information, die so lange es mündliche Überlieferungen gab, noch veränderlichen Gegebenheiten angepasst werden konnte.

Wörter können wohl nur etwa fünf Prozent des Denkens benennen. Dem was sie nicht wussten, dafür aber fühlten, entsprachen unsere Vorfahren mit symbolstarker Sprache, Sinnbildern, Ritualen und viel emotionaler und sozialer Interaktion. Ich befürchte, was der Mensch mittlerweile nur noch berücksichtigt ist unzureichend, gehe sogar so weit zu behaupten, dass er der so genannten *Rationalität* die Hierarchien verdankt, die sich heute global abbilden und die große Kluften zwischen die Menschen und Völker dieser Erde schlugen. Jedes Mehr an Aktionspotential wird es unter den gegenwärtigen Bedingungen noch schlimmer machen. Da alle Aspekte miteinander in Verbindung stehen, kann der Mensch nichts ändern, ohne dass dies weitere Veränderungen nach sich zieht. Und da er bereits massiv eingegriffen hat, veränderte (ihn) das auch massiv.

Werte kann man grob unterteilen in die A) direkt mit individuellen Trieben verknüpften Grundwerte. Nur diese kann das derzeitige Wirtschaftsmodell erfüllen, im Rahmen des Bezifferbaren. Der wesentlich komplexere, differenzierende Sozialtrieb tritt damit außer Kraft- Er aber war es einst, der die Erfüllung aller Triebe und menschlicher Bedürfnisse im Mit- und Füreinander gewährleistete. Was den Menschen eigentlich ausmacht, sind die B) mehrdimensional differenzierenden Werte die vergleichsweise spät in der Evolution durch Soziologie und Empathie entstanden, bis hin zur Liebe und Erkennen, dass das Wohl des Anderen dieselbe Bedeutung hat wie das eigene. Erst an der Stelle kann sich menschliche klar von der rein biologischen Betrachtung unterscheiden. Denn von außen betrachtet, was nur ein Mensch fertig bringen kann, ist nicht mehr relevant durch welchen Menschen Zu- oder Abträglichkeit gemessen und abgebildet wird, sondern es zählt nur noch dass.

Das Wirtschaftssystem profitiert von der Symptombehandlung – durch undifferenzierte Insuffizienz gefühlte Lücken werden gefüllt, und je weniger (lang) die Befriedigung vorhält, umso mehr *Markt*Lücken gibt es zu füllen. Da die Innovationszyklen immer kürzer werden (sich damit jedoch auch einer fließenden Bewegung annähern), ein Teufelskreis dessen Wirkkraft progressiv dynamisch das gesamte System aus dem Gleichgewicht bringt. Fühligen Menschen die das nicht mehr ertragen und reklamieren, wird vorgeworfen, dass sie *nicht richtig* funktionieren, ohne überhaupt in Betracht zu ziehen, dass es vielleicht auch umgekehrt sein könnte. Dass die Probleme die wir heute haben entstehen werden, wusste man bereits in unserer Kindheit. Bei jeder Gelegenheit, in der ich mein Unverständnis über die Konsequenzenlosigkeit zum Ausdruck brachte musste ich mir anhören, dass *man* da nichts machen könne. Das war eine Lüge. *Man* kann nämlich schon – aber nur, wenn *man* will! – Das Gegenteil bekommen wir ja auch locker hin, und das nur mit dem, was wir zu wollen glauben, weil wir es in Ermangelung besseren Wissens unfällig als Ersatzsymbol mit dem verknüpften, was uns wirklich wichtig ist.

Mit der intensiven Mensch zu Mensch Vernetzung ging ein überlebensrelevanter Puffer zwischen Reiz und Triebhandlung verloren, und damit auch das Vergnügen im Zusammenhang mit der Arbeit, als Bestandteil der Erfüllung. Der Belohnungsanteil, die Lebendigkeit des Tuns beschränkte sich nicht auf die unmittelbare Handlung, sondern lag bereits auf dem Weg dahin, der die Beziehung zum Triebaspekt intensivierte, und den Erfüllungsgrad noch verstärkte, in der Vorstellung und dem Ergebnis. Da der Mensch nur noch Geldtaschen zückt um zu bekommen was er will, beschränkt sich auch seine Wertschätzung auf Geld, und er nimmt dafür in Kauf selbst Dinge zu tun, die er gar nicht will.

Die Herausforderung unserer Zeit ist herauszufinden, wie das geht, sich eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Ich sehe in der Werteorientierung einen Ansatz, also hinter die Symbolik zu blicken, die oft fälschlicherweise mit Werten verknüpft wird, die sie dann nicht erfüllt oder nur unter massiven Einbußen anderer essentieller Werte.

Doch das Verständnis von Kompexität breitet sich aus. Seine Wirkung ist, dass es die Perspektive des Denkens zurechtrückt, worauf sich Fühlen, Denken und folglich auch Entscheidungen an anderen – vor allen Dingen mehr – Parametern orientieren. Dieser Prozess ist auch nicht mehr umkehrbar, denn jeder, der ihn vollzieht, vermittelt den Anstoß dazu weiter. Mehr soll dieses Posting auch nicht sein. Ein Gedanken-Anstoß, mit dem Du bitte einfach nach Gutdünken verfährst.