Leben in Not

Eine der Botschaften derer die glauben jedes Recht zu haben, Flüchtlinge abzuweisen ist: »Mir kann es nur gutgehen, wenn es anderen schlecht(er) geht (als mir)« – oder »mir geht es schlecht, und schuld daran sind jene, die noch gar nicht da sind«…

Das Geld der anderen darf die Grenze überschreiten, aber die Opfer der Geldmacherei haben gefälligst draußen zu bleiben.

Über wenige Generationen wurde gelernt, dass auf Kosten anderer zu leben »normal«, »natürlich« und »unvermeidlich« sei. Dabei macht das knausrige Maß angewandter Empathie nicht wirklich einen Unterschied zwischen Menschen (die einem persönlich nicht nahe stehen) und Tieren (die einem persönlich nicht nahestehen, das eigene Haustier ist natürlich was anderes). Es setzt sich schlicht über das Wohl anderer hinweg. Doch das herausgenommene “Recht des Gewaltbereiten” ist über jedes verträgliche Maß hinaus destruktiv und daher kurzlebig.

Das System in dem wir leben ist: verbrauchend, auf Wettkampf ausgerichtet, gewalttätig, egozentrisch, werteverarmend, zukunftsunfähig. Viele Bewohner darin haben verlernt, kooperativ zu empfinden und zu denken. Vom Kind das über die Zustände noch erschüttert wäre auf dem Weg zum mediengesteuerten Bewohner scheint der Mensch verloren gegangen zu sein.

Die Auswüchse an Grausamkeiten die heute wie selbstverständlich akzeptiert sind, hatten in keinem Zeitalter der Menschheit solche Ausmaße. Die Menschheit kann keine echten Erfolge feiern, so lange so etwas geschieht. Es gibt keinen Anlass glücklich auf dem Rücken derer zu sein, die für das was andere erreichten leiden oder ausgeschlossen werden, oder das damit einhergehende Maß an Zerstörung zu feiern. Es wäre eine Fehlbewertung der Gesamtsituation. Und je schlimmer es wird, umso weniger wird der Konsum der Sinnlosigkeiten dazu beitragen, dass es Menschen besser geht.

Ich kann es nicht richtig finden, wie wir hier Geld und Ressourcenverbrauch hinterherjagen, während die Welt woanders weit davon weg ist, in Ordnung zu sein. – Sind wir nicht soziale Wesen? – Sollte menschliches Bestreben nicht daraus bestehen, Erfüllung im Für- und Miteinander zu finden? – Was tun wir hier eigentlich, und wofür, wenn es nicht mal Zukunft hat?

Feindseligkeiten sind unangebracht

Ein Feuer mit Gegenfeuer zu bekämpften löscht am Ende beide Brände. So verhält es sich meiner Meinung nach auch mit Gewalt als Antwort auf Gewalt, sei sie nun physisch oder “nur” verbal.

Ganz egal was einer heute is(s)t oder sagt, oder wie er sich zu einem tierleidfreien Leben stellt – auch sein Dasein kann sich durch neue Begebenheiten, Erkenntnisse und Vorstellungen verändern. Vielleicht nicht durch uns und auch nicht gleich, und keinesfalls, weil wir es wollen (sondern einzig, weil er selbst es will). – Ein finales Urteil über jemanden kann schlicht und einfach nicht gefällt werden.

Menschenverachtung oder Schlimmeres kann ich für mich mit einer konsequent lebensbejahenden Haltung nicht vereinbaren, auch wenn ich verstehe (und selbst auch empfinde), dass es schwer IST, und dass einem das, was Menschen anderen antun (Mensch – Tier – Umwelt) – nahezu den Atem raubt, wenn es einem bewusst wird. Sich ablehnend oder verachtend über andere Menschen zu äußern ist aber nicht die geeignete Antwort, und wird sie mit Sicherheit auch nie sein.

Ich bin Diskussionen in denen über Andersdenkende hergezogen wird leid und beteilige mich daran nicht. Es ist das Gegenteil dessen, was Menschen die verstanden – vielzitierte wie Gandhi zum Beispiel – uns vorgelebt haben. Ich verstehe nicht, wie man aus abwertenden Äußerungen in der Öffentlichkeit irgendeine Art von Befriedigung beziehen kann. Sie machen weder einen selbst noch sein Anliegen größer. Damit drängt man sich doch nur in die Misanthropie. Wem soll man damit denn noch nützen? Den Tieren sicher nicht.

Man mag damit unterstellen, dass ich die “Gute Miene” zum bösen Spiel in Ordnung finde. Natürlich ist sie das nicht. Aber so wie wir uns nicht für andere, sondern aus eigener freier Entscheidung dazu entschlossen haben unser Leben zu ändern, müssen wir das auch anderen zugestehen. Verhalten wir uns Andersdenkenden gegenüber verachtend, ablehnend oder gar feindselig, statt rein sachlich zu informieren, machen wir damit unsere eigene Lebensweise vor anderen schlecht und nehmen ihnen den Anreiz sie überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Als Menschen die anderen Leid zuzufügen ablehnen, habt Ihr die großartige Entscheidung getroffen, im Einklang mit allem sein zu wollen, das lebt. Gönnt Euch selbst das Glück das damit verbunden sein kann. Lebt es und gebt es weiter.

Empathie als Schüssel zur Nachhaltigkeit

Empathie war lange Gegenstand meiner Untersuchungen. Weder Sozialsysteme noch Demokratie können ohne sie funktionieren, Was über den “sozialen Radius” eines Entscheiders hinausgeht ist nicht mehr im Sinne aller Betroffenen bewertbar.

Daher führen zentralistische Machstrukturen zu Entscheidungsverzerrungen und Ungerechtigkeiten, und schließlich zum Zusammenbruch der diese wieder für eine Weile zerschlägt, aber nie komplett (“Kriegsgewinnler”). Ich sehe Krieg keineswegs als eine “soziologische Notwendigkeit”, sondern als ein Sympton grundlegend falsch angelegter Belohnungs- und Denkmodelle. Der Umweg über Geld (statt in echten Werten zu empfinden und zu denken) führt zu massiven kognitiven Verzerrungen die mit der Realität und tatsächlichen Erfordernissen nichts mehr zu tun hat. – Je stärker sich das jedoch zeigt, umso verkrampfter halten darauf konditionierte Gehirne daran fest. Festhalten über das Erträgliche hinaus macht aus einem Irrtum aber noch lange nichts Richtiges.

Empathie vervielfacht die Werte die wir in unser Empfinden und Denken einbeziehen (KÖNNEN) – Wissen zu dem wir keinen adäquaten emotionalen Eindruck haben, ist wert(e)los. Wir setzen es nicht um. Werte sind der Schlüssel jedweder Informationsverarbeitung – egal ob biologisch oder maschinell – je mehr Werte / Aspekte in unser Denken und unsere Entscheidungen einfließen, zu umso größerer Komplexität sind wir ohne Anstrengung fähig. Die empathieinspirierte Kognition umfasst daher ein Vielfaches der egozentrischen (Reptil, oder noch davor – primitiv jedenfalls).

D.h. aber nicht, dass autistisch veranlagte Menschen nicht ebenfalls zu hoch komplexen Leistungen fähig sind. Ihr (Mit-)Empfinden ist nur auf etwas anderes als ihre Mitmenschen gerichtet (logische Strukturen, Fakten zu Themen die sie begeistern etc.).