Ist militant nicht eigentlich der,

der nichts verändern will, selbst wenn die Notwendigkeit bereits erkannt ist? – Es ist keineswegs „zu einfach“ gedacht, das Töten zu meiden, sondern es beizubehalten, denn dann braucht man ja gar nichts zu tun, außer es zu „verteidigen“. Schade um den kognitiven Aufwand. Streich mal „ja aber“ und ersetze es konsequent durch „ja daher“, und staune darüber, wozu Dein Gehirn dann fähig wird.

Milch und Fleisch sind zu Dogmen geworden. Für ein Prinzip entscheidet man sich selbst, und entwickelt seine Strategien danach. Es bleibt stets hinterfragbar. Für ein Dogma (Kopie / Nachahmung) trifft das nicht zu. Es entsteht, wenn das Symbol zu einem Wert von diesem bereits entkoppelt wurde. Das ist eine Schwachstelle in unserer zunehmend verstandeslastigen Informationsverarbeitung. Die Organisationsstrukturen die wir abbilden hängen davon ab, welches Denken dominiert (es sollte eigentlich keines dominieren, sondern die potentiellen Synergieeffekte unterschiedlicher Methoden zum Tragen kommen). Die „Mittelschicht“ – emotional/soziale Verarbeitung, die Pufferzone zwischen Trieben und Verstand – ist ausgedünnt. Oben und Unten scheren extrem auseinander. Und so sieht es in den angepassten Gehirnen heute auch aus, vermutlich „entsprechen“ sie ihrer „Umgebung“ so „am besten“. Daher kommt sich heute mancher Veganer vor wie in „Zombieland“. Die Menschen der Umgebung die ohne Mitgefühl auskommen müssen, wirken irgendwie – weniger lebendig.

Dem Prinzip „Du sollst nicht töten“ folgen zu wollen mag heute ein schwieriges Unterfangen sein, denn alles Fremde das wir uns zuführen kann bereits während des Herauspressens seiner Rohstoffe, des Transports, der Produktion etc. Leben gekostet haben. „Wo ein Wille ist findet sich auch ein Weg“ ist jedoch nicht nur eine leere Floskel. Wer ihm folgen will, wird auch Strategien finden sich dem anzunähern.

Mitgefühl oder nicht – was wir den Tieren (und Menschen die nicht das Glück haben in „reichen“ Regionen geboren zu sein) antun, kann nicht richtig sein. Würde es uns widerfahren, wäre das für uns ganz klar – wir würden es nicht wollen. Der Unterschied liegt nur darin, wer diese Abträglichkeit erlebt. Hier geht es auch nicht mehr um die Frage nach Toleranz, sondern darum, unvorstellbares grauenvolles Massenleid zu beenden.
Man darf was im Zuge von „Tierhaltung“ geschieht nicht mit KZs vergleichen ohne als Angreifer der Menschenwürde zu gelten. – Wie groß oder klein die Würde eines Menschen ist, wird jedoch genau nicht durch die Herabsetzung anderer entschieden, sondern einzig und alleine durch das was er ist.

Ich bin nun keine von denen die Tiere mögen und Menschen nicht. Indem ich den Menschen durch ein privates Forschungsprojekt sehr tiefgreifend erfuhr, kam ich gar nicht mehr dran vorbei, ähnliche Muster in anderen Wesen ebenfalls (an) zu erkennen. Tierrechtsforderungen stand ich bis dahin mit Unverständnis gegenüber. Zuerst müssen doch die Menschen kommen, dachte ich. Das erwies sich als Missverständnis, denn es ist gar nicht voneinander zu trennen. – Wenn wir unsere Natur töten, töten wir unsere Natur, und ist sie erst tot, können wir mit ihr nicht mehr kognitiv arbeiten, und damit sind Irrtümer (beispielsweise über das was wir wollen) schon vorprogrammiert.

Durch die Missanerkennung des Lebensrechtes uns zumindest zu Anteilen ähnlicher Wesen, missanerkennen wir auch jenen Teil in uns selbst, den wir einsperren, quälen und töten (lassen). Je eingesperrter wir selbst in unseren „Regelwerken“ sind, desto mehr leidet die Umgebung, und wir in ihr. Selbst für den Primaten (in uns) haben wir das Einfühlungsvermögen verloren – er wurde zum Vivisektionsopfer einer zunehmend besitzergreifenden Gesellschaft, die immer mehr Jahre an Leben für sich herausquetschen will, je mehr sie verlernt hat, wie sich zu leben anfühlt, und in den immer mehr Jahren nur immer mehr konsumiert, statt erlebt. Der Hunger auf Ressourcen wird dadurch aber nur immer größer und ist nicht dauerhaft zu befrieden.

Das leidende, unterdrückte, zum frühen Tode geborene und gnadenlos ausgebeutete Tier will der instrumentalisierende Mensch gar nicht verstehen, denn dazu müsste er mitfühlen, und würde er das, läge es ihm fern auch nur eine Sekunde länger ans Töten zu denken. Das nicht mehr zu wollen ist die Folge einer grundlegenden Erkenntnis über die Vielschichtigkeit, Abhängigkeiten und Komplexität der eigenen von ihrer Umgebung geprägten und in ihr wirksamen nach wie vor tierisch motivierten Menschlichkeit. – Nicht nur, dass ihnen die Vorstellung abhanden kam, was Menschen damit verpassen, gleichzeitig nehmen sie ihren Nachkommen die Chance, sich selbst jemals so grundlegend zu erfahren. Würden sie gefragt ob sie wollen, dass Kälbchen, Häschen oder Küken sterben, würde kein mental gesundes Kind darauf mit „ja“ antworten. Aber wenn es um Profit geht, soll es plötzlich „gesund“ sein? – Für die Konsumenten mal sicher nicht, aber einreden lassen sie es sich gerne.

Wir missachten anderer Bedürfnisse und schlachten sie ab, und rechtfertigen dies mit unserer Überlegenheit. Worin genau diese bestehen soll, kann dann jedoch keiner so recht begründen. – Kognitionstechnisch betrachtet verschwimmen die Grenzen immer mehr.

Ich gehe davon aus, dass die Natur des Menschen logischerweise (immer noch!) darauf ausgelegt ist, zurecht zu kommen und dafür das Richtige tun zu wollen. Die Krux dabei ist herauszufinden, was das Richtige ist und auf Dauer. Dafür sind wir mit einem wunderbaren, nachhaltigen Selbstschutz ausgestattet, Mitgefühl. Wenn wir das was wir nicht wollen, an Anderen ebenfalls nicht zulassen, bedroht es uns auch nicht. Und da wir die Hand auf dem ganzen Planeten haben, reicht es eben nicht, nur unsere eigene Spezies in unser Wohlwollen einzubeziehen.

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