Ist das System noch zu retten?

“Der ökonomische Anreiz für eine Lohnarbeit ergibt sich aus dem effektiven Stundenlohn, der besagt, welcher
Mehrverdienst durch Arbeit erzielbar ist.” (aus einer Forumsdiskussion)

Ja, dieser Text wurde uns allen in die Ganglien tätowiert. Das war schon immer eine statistische Sicht, die an keiner Stelle die Menschen einbezieht, auf deren Rücken dieser “Wettbewerb” ausgetragen wird.

Und wen interessiert schon, was die irgendwann mal bilden *sollen*? Tatsache ist, dass daraus alles hervor geht, was keiner wollen kann und es jedem egal ist, solange nur genug Geld fließt.
Falsch ist die Aussage nicht, aber dafür unerheblich. Die Optimalmarke, an der die Preise dem Produktwert entsprechen ist für den Wirtschaftstreibenden auch gleichzeitig die Ausstiegsmarke. Haben sich die Preise so entwickelt, wie sie sollen, macht es ihm auch schon keinen Spaß mehr. Genauso, wie ein Produkt entlang dieser Linie degeneriert wird, um das Ertragsverhältnis erfreulich zu halten, wird es durch ein neues ersetzt, sobald auch dieser Rahmen ausgeschöpft ist.

Am Arbeitsmarkt verhält es sich ähnlich. Sind so viele Arbeitnehmer hinzu gekommen, dass das Lohnniveau nicht mehr interessant ist, wird die Leistung vom Markt genommen. Während ein Deutscher nicht bereit ist, sich in der Kostenstruktur seines Wohnorts mit dem zu begnügen, was ein chinesischer Reisbauer bekommt, den seine eigene Regierung ausbeutet, sieht dieser wiederum im Gegensatz zu vorher besser aus. Vom dabei entstehenden Wirtschaftswachstum profitiert der westliche Arbeiter nicht, nicht gegen 1 Mrd. Chinesen, die man “Dreck fressen” lässt.

Der Mensch spielt in diesem System keine maßgebliche Rolle. Die von ihm erbrachte Wirtschaftsleistung wird im System durch so viele und so teure Instanzen geschleust, dass sein Leistungsanteil daran nur noch gering ist. Und so behandelt man ihn dann auch. Dass seine Arbeit schlechter, aber dafür billiger und schneller von Maschinen ausgeführt wird, hat zu einem breiten Qualitätsgefälle geführt. Menschen mit Maschinen in Konkurrenz zu stellen, ist sonst nur noch beim Schach üblich, wo es gilt zu ermitteln, wann die Maschine mehr kann. Wieviel jemand essen kann und wo er wohnt davon abhängig zu machen, wie schnell und zu welchen Kosten eine Maschine seine Arbeit schlechter verrichtet, ist menschenverachtend. Wer unter diesen Druck gerät und das werden über kurz oder lang so gut wie alle sein, muss sich mit der Qualität aus der Massenproduktion zufrieden geben. Mehr ist für ihn nicht drin. Dafür darf er sich dann den Vorwurf gefallen lassen, kein Qualitätsbewusstsein an den Tag zu legen.

Kunst ist das letzte Feld, das Menschen vorbehalten bleibt, solange man sie als Teil der Kultur versteht. Wer will schon wissen, was eine Maschine an Lebensweisheiten beizusteuern hat. Wer allerdings kreativ unbefähigt ist, hat gar nix und kriegt gar nix.

Dass das Wirtschaftssystem seine Ziele erfüllt, nämlich das Wohlbefinden der Teilnehmenden zu erhöhen, daran glaubt keiner mehr, der klaren Verstandes ist. Stattdessen wurde es zu offensichtlich, dass das dem Naturprinzip entlehnte Vorgehen dazu führt, dass der Stärkste es übersteht. Für die Natur gilt immerhin noch, das Überleben des am Besten Angepassten. Bei uns ist der am Besten Angepasste der, der am meisten Geld hat. Indem er es einsetzt, übt er beliebigen Einfluss aus.

Ob genug Geld fließt bestimmen solche, die es haben. Faktisch passiert also, was die wollen und nix anderes.
Zieht Produkt XY nicht mehr, wird es vom Markt genommen, gering bis gar nicht modifiziert und dem Zeitgeist angepasst neu beworben. Wer das Tempo nicht hält, fällt ‘raus. Von Über-40-jährigen wird das pauschal angenommen und keiner mehr von ihnen eingestellt. Die sehen wir erst auf dem Rentenmarkt wieder, wo die Nachfrage das Angebot übersteigt.

Es ist jedem zu empfehlen, es wie die aus der Spitzenfinanz zu machen. Hol’ Dein Geld von der Bank und lege es in Ressourcenwerten an. So ziemlich alle Geldwerte orientieren sich am Dollar. Der Wert des Dollars wird privatwirtschaftlich festgelegt, ist von dort also beliebig steuerbar. Dieselben Privatwirtschaftler verschulden sich im Ausland in Dollarbeträgen und kaufen damit Ressourcen und Ressourcenquellen auf der ganzen Welt. Wir sprechen von allem, was man anfassen kann. Indem sie den Wert des Dollars nach unten orientieren, erhöhen diese Leute ihr Vermögen per Lichtschalter und verringern im selben Zug die Höhe ihrer Schulden. Das sind die Forderungswerte, aller Anderen gegen sie.

Dem heute erhaltenen Dollar oder der Einheit einer an ihm angelehnten Währung entspricht kein festgesetzter Gegenwert. Jeder Störeinfluss wirkt sich auf die Geldwerte aus, der kleine Mann hat dem nichts entgegen zu setzen. Aber er soll von den Summen ‘runterbeißen, die man ihm nur widerwillig zugesteht, gerade als sei es eine Gnade, für Leistung auch noch bezahlt zu werden.

Wer nicht bereit ist, das System an seinen Schwachstellen zu pervertieren, sondern auf eine soziale Atmosphäre setzt, in der er sich wohlfühlt, wird von denen zum Opfer gemacht, die nicht so zimperlich sind. Das sind nichtmal notwendiger Weise besonders helle Köpfe. Es ist fast wie in der Schule, wo die Kräftigen die anderen unterdrücken. Der Instinkt steuert einen auch durch das Wirtschaftssystem ganz gut, Verstand ist da keine Bedingung, sondern dem isolierten Streben nach Geld eher hinderlich.

Mit ist vollkommen unklar, wie man angesichts dieser Tatsachen, die nun wirklich kaum mehr jemandem fremd sein dürften, noch daran glauben kann, dass alles ganz prima läuft und wir es so lassen können, wie es ist. Im Rahmen der EU wird der Wettbewerbsgedanke sogar amerikanischen Verhältnissen nachempfunden.
Irgendwie ist es so, als würde man nichts aus dem lernen, was die sich antun. So ist es aber nicht. Das Prinzip verspricht nämlich große Macht für jene, denen es darin so richtig gut geht. Politiker also, Wirtschaftsmultis, bereits oder bald entmenschte Organisationen sehen es gerne, wenn die Mehrheit ihnen nicht von unten in die Suppe spucken kann.

Werden die zur Kasse gebeten, wollen sie es aber doch lieber auf mehrere Schultern verteilt wissen. Dass die Schultern an diesem Weniger zusammenbrechen, weil EUR 1000,- minus EUR 100,- numal 10% weniger sind und EUR 1 Mio. minus EUR 10.000,- nur 1%, ist denen einerlei. Für den Einen geht es ums Überleben und für den anderen um das, was er “Existenz” nennt. Als sei die mit EUR 990.000,- irgendwie gefährdet. Trotzdem kann er sich darüber so ereifern, dass er Wenigerverdienende sich untergeordnet klassifiziert, also wie geschaffen dazu, statt seiner Entbehrungen zu erdulden. Die sind schließlich Kummer gewöhnt.

Na, danke.

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