Interview mit Hirnforscher Eric R. Kandel, 3Sat, 22.11.06

Unter anderem wurde die Vision angeschnitten, dass die Medizin der Zukunft beispielsweise Pillen gegen Traumata von kriegsheimkehrenden Soldaten entwickeln könnte.

Wird damit nicht das Abbild des Krieges im Gehirn verharmlost?

Nicht, dass ich es jemandem wünsche, sein Leben lang unter einem Trauma zu leiden. Die Gefahr ist allerdings auch hier wieder groß, dass wenn Symptome heilbar sind, die Ursachenbehebung in den Hintergrund tritt. Das wirksamste Mittel gegen Kriegstraumata ist Frieden.

Unser Gehirn ist eine komplexe Landkarte von Umgebungseindrücken, das diese in Form einer virtuellen Welt miteinander in Zusammenhang bringt und vernetzt. Alle Informationen darin sind mit Bewertungsdaten versehen, den Gefühlen, die wir dazu haben. Diese Gefühle spielen eine Rolle darin, wie wir zukünftige Anforderungen und Lösungen bewerten.

Hinterlässt ein Krieg seine Spuren im Gehirn, spiegelt die betroffene Person das in der Umgebung wider. Natürlich ist das weder für sie besonders angenehm, noch für die Menschen um sie herum. Das führt jedoch dazu, dass nicht nur die Person selbst erfährt, dass Kriege führen keine erfreuliche Sache ist, alle in seiner Umgebung bekommen das ebenfalls mit. Und wünschen sich dann keinen Krieg mehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.