Zum Essen lade ich Dich ein, aber mein Geld kriegste nicht

Seit meiner Kindheit beschäftigen mich Menschen. Es fing ganz harmlos an, mit Verhaltensforschung, Evolution, Entwicklungsbiologie und -psychologie. Bis ich dann die Kognitionsforschung entdeckte die mich nicht mehr loslässt. Was in Menschen vorgeht, was sie wozu fühlen, was sie motiviert und warum, kurz, ihre Beziehungen zur Umgebung, anderen Menschen, Konsum und Geld faszinieren mich. Was sind das eigentlich für welche, diese Menschen? – Und warum dreht sich ihr Denken so sehr um Besitz?

An der Wissensgenerierung interessiert mich nicht nur wie es funktioniert, sondern auch seine Bedeutung für den Menschen und seine Entwicklung. Denn alles, was wir veränder(te)n, verändert(e) wiederum uns. Beeinflusst wurde unser Verhalten auch vom jeweiligen Selbstbild, das wir von uns hatten. Jemand der sich als *Gottes Kind* begreift hat eine andere Beziehung zu sich selbst als einer, der sich als biologisches Triebsystem betrachtet. Und vielleicht ist nicht alles von dem, was wir zurückließen, so falsch gewesen wie wir glauben oder gar verzichtbar. Wir sind komplexe Wesen in einer komplexen Umgebung, das lässt sich ja gar nicht alles mit Geld ausrechnen, und das wird zum Problem. Denn es ist längst zum Selektionskriterium Nummer Eins geworden, sogar für Klima- und Umweltschutz. Was mich daran beunruhigt ist, dass die Selbstreduktion auf Kennzahlen zur *Normalität* werden konnte.

Mein Wunsch für 2009 ist, dass die Hemmschwelle vieler sinkt, sich selbst als Teil des Problems zu erkennen, frei von dem Gedanken davon, dass es um Schuld geht, sondern um sich selbst auch als Teil der Lösung begreifen zu können. Mit eigenständigem Denken, Kreativität, Inspiration, kleinen und großen Ideen können viele – zunehmend enger vernetzte – Menschen viel bewegen. Wollen ist so gut wie können. Gerade jetzt bin ich hoch motiviert, meine Beobachtungen fortzusetzen und finanziere meine Arbeit über Internet-, redaktionelle Dienstleistungen und Textgestaltung mit fundierten Argumenten für engagierte Ideen, Projekte und Produkte. Eine Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen (nachhaltige Entwicklung, Zukunft, Soziologie / Gesellschaft, künstliche Intelligenz auf Basis von Kognitionsforschung) die als Existenzgrundlage geeignet wäre kam bisher nicht zustande, aber wer weiß, was 2009 für uns bereithält.

Die Entwicklung zum Menschen

Der Metabolismus, die Hardwarebasis des Menschen wurde auf Grundlage des genetischen Programms entwickelt. Das Gehirn gehört dazu. Allerdings unterscheidet sich das des Menschen an elementaren Merkmalen in dem von Tieren. Wie nah die Verwandtschaft zu animalischer Informationsverarbeitung dennoch ist, führe ich aus.

Das Nervensystem begann seine Entwicklung etwa zu dem Moment, als Mobilität entstand, in früherem Mehrzellerstadium. Die zeitnahe Steuerung der Bewegungsimpulse setzte schnelle Datenkommunikation voraus. Das galt dann auch für die Auswertung der Umgebungsreize. Eingangssignale wurden aufgenommen, durch das immer feiner entwickelte Neuronennetz geleitet, wo sie in Ausgangsimpulsen münden, die die Reaktion verursachen. Das funktioniert wie beim Computer: Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe.

Je größer der Organismus wurde, umso länger konnte er auf bestandswichtige Erfüllung verzichten, so dass Eingangsreize nicht wie beim Fisch oder Reptil sofort in die geeignete Reaktion umzuwandeln waren sondern wir zwischen dem, was mehr oder weniger dringend war differenzieren konnten. Instinkte lassen uns nach Mustern suchen und sie erkennen, die einen unterversorgten und damit zunehmend drängenden Trieb befriedigen.

Als Prägung entwickelt wurde, erhielten die Wesen Ausschüttungen immer dann, wenn das gut gelang oder misslang: Belohnung und Strafe, Wohlbefinden, Schmerz und vor dem Angst. So konnte gespeichert werden, welches Verhalten geeignet ist, Triebe zu erfüllen ohne dass die Prägung in genetischen Stellungen hätte vererbt werden müssen. Je mehr Triebe hinzukamen und je größer der Organismus wurde umso mehr mussten so koordiniert, umso mehr konnte(n) aber auch kompensiert oder zurückgestellt werden. Der Trieberfüllungsstand (Status) wurde in Form des Befindens am und im Körper gespeichert und so auch kommuniziert (Haltung). Emotionen waren entwickelt. Ab dann war dem Wesen im Rahmen eines Mischeindrucks stets gegenwärtig, wie es ihm geht und wonach es ihm verlangt. Dieses Bewertungssystem blieb uns bis heute erhalten.

Neben der reinen Neuronenfunktion, die eingehende Impulse differenziert und zu den Reaktionsstellen leitet, ist die Bewertung der Umgebungsbedingungen und des individuellen Status’ bei den fühlenden Lebewesen architektonisch gleich. Auch die meisten Triebe sind identisch, später werden wir welche hinzu entwickeln, es gibt auch rein menschliche, die zwar bei keinem Tier zu finden sind, aber letztlich aus den grundlegenden Aspekten rekrutiert wurden, die für die Wesen in den unterschiedlichen Evolutionsstufen relevant waren. Beispielhaft sei der Trieb nach dem Erlangen von Geld genannt, das aber für all’ das steht, was man sich damit erfüllen kann.

Niedere und höhere Säugetiere pflegen die über den Tag erhaltenen Daten beim Schlaf in die Neuronenstellungen des Gehirns ein, Träume. Das Kurzzeitgedächtnis speichert sie so lange. Dieses Instrument hat der Mensch für sich (r)evolutioniert. Wie spät, zeigt sich in der Entwicklung von Kleinkindern. Im Alter von zwei bis drei Jahren wird ihnen der Hippocampus aufgeschaltet. Er verbindet das Kurzzeitgedächtnis mit dem Rest des Hirns direkt. Ab jetzt sind die Ergebnisdaten (Werte/Bewertung) aus dem Neuronennetz wieder als Eingangsdaten für den nächsten Durchlauf verwendbar. Das Denken ist entwickelt, es verlangt den damit einher gehenden erhöhten Zeitaufwand bei der Verarbeitung. Das Wesen orientiert sich nicht mehr vollständig am Status und der Umgebung sondern ist in der Lage, Vorstellungen zu entwickeln, später Visionen, Phantasie, Abstraktion. Das funktioniert umso besser, je höher die Kapazität ist. Die haben wir vom Affenstadium weg mit dem Genuss von eiweißreicher Kost (Fleisch) gesteigert. Als wir es garten, war es hierfür noch besser verwertbar, um den Faktor 5, wenn ich mich richtig erinnere.

Die menschliche Hardware ist damit mehr oder weniger komplett. Die daraufhin folgende Entwicklung konnte in der kurzen Zeit (paar 100.000 Jahre) keine großartigen genetischen Änderungen mehr hervorbringen zumal die Selektion zunehmend stärker von den Umgebungsbedingungen abhing als vom Wesen selbst. Tragezeitbedingt übernahmen die Männchen Schutz und Versorgung der Weibchen. In der Moderne kann und darf sich jeder fortpflanzen, selbst wenn er infertil ist. Die Genqualität stabilisiert sich, nicht unbedingt zum Besten, daran arbeiten wir aber auch. Sie wird damit zur Software, der ich mich jetzt zuwende.

Damit ist jede Funktionalität gemeint, die nicht baulich sondern an der Erfahrung flexibel gebildet wird. Säugetiere begannen ihre Nachkommen zu schulen, damit diese über denselben Informationsstand verfügen, den bereits ihre Eltern erfolgreich anwandten. So lernten sie auch etwas über Beziehungen, der Sozialtrieb wird daraus entstehen. Spiegelneuronen ermöglichen die Reflexion des Gegenübers als Wesen wie man selbst eines ist.

Grundsätzliche Lebensfunktionen wie Bewegung, Nahrungsaufnahme und Kommunikation lehren wir immer noch so, wie es auch Hunde tun: Vormachen, motivieren, bestätigen/strafen. Das ist der Sockel, auf dem die Kultur aufsetzt und hierin unterscheidet sich die evolutionäre Stellung zwischen den menschlichen Gesellschaften in den so genannten Kulturkreisen. Was für den gemeinsamen Bestand förderlich ist und was nicht, wurde an historischen Begebenheiten erkannt und assimiliert. Wo wichtige Erfahrungen (noch) nicht gemacht wurden oder nicht breit und eindringlich genug zu kommunizieren waren, liegt ein evolutionärer Rückstand vor. Er betrifft ein Wesen, das sich aus vielen zusammensetzt, so wie der Körper selbst.

Das Erlangen der Erfahrungen ist manchmal bis zur Unerträglichkeit schmerzhaft. Je größer die eingesetzten Potentiale sind, umso massiver wirken sie sich aus, sei es im förderlichen oder abträglichen Sinn. Wo beispielsweise die Effekte zwischenmenschlicher und/oder organisierter Grausamkeit nicht erlebt oder nicht kommuniziert wurden, ist sie so lange und so oft und so stark zu leben, bis deutlich herausgestellt ist, dass die Resultate in Summe nicht erstrebenswert sind. Bei uns lernen das bereits die Kinder, wohl nicht so stark und eindringlich als würden sie es in dem Ausmaß erlebt haben, dafür sind sie bei der Aufnahme sensibler, fühlen also bewerten stärker, prägen im Neuronennetzwerk tiefer. Das klappt schon beim Cowboy-und-Indianer-Spiel, eine Reflexion der gesellschaftlichen Form des Stammeswesens, einer Fortentwicklung der steinzeitlichen Gruppe.