Werteverschiebungen und Oberflächen

Eine neue die eine alte *Wahrheit* ersetzte, war immer schon schmerzhaft, daran hat sich nichts geändert. Mit Demut und Hingabe wäre es viel leichter, da wurde bereits losgelassen und der Mensch ist befreit und vollkommen offen für was immer sich ihm noch zeigen wird. Was wir für wahr halten, ist außerdem genau genommen irrelevant. Was wir daraus machen, darauf kommt es an.

Es stimmt mich nachdenklich, zu beobachten, wie sich Millionen Ahnungsloser Territorialmarken Dritter ins Gehirn implementieren lassen, ohne deren Motive zu hinterfragen. Sie vermuten darin Orientierung, wo sie selbst keine mehr haben und werden gezielt zum *Nutzen* der Anbieter *angeleitet*. Einem Menschen mit einem selbstbestimmten Willen würde das nicht so leicht passieren. Diejenigen, die über das Lineare hinausdenken haben jedoch ein massives Kommunikationsproblem (Wie vermittle ich mehrdimensionale Zusammenhänge linear? – Eine der spannendsten Herausforderungen unserer Zeit!).

Ist unser Verhalten intelligent?

Der Mensch hält sich für intelligent (und potentiell trifft das wohl auch zu, in erster Linie passt er sich aber den gerade aktuellen Umgebungsbedingungen an, im Urvertrauen, diese nicht hinterfragen zu müssen). Gemessen am Ergebnis (Verpuffung von Potentialen gegen- statt sie miteinander zu kanalisieren, Kriege, Armut, Hunger, systematische Zerstörung von einst unerschöpflichen Beständen) kann diese Intelligenz nicht besonders wirksam sein. Man müsste in der Wirkung ihres Tuns Vernunft entdecken, doch hat der Mensch diesem Planeten in erster Linie seine primären Triebmuster überdimensioniert auf die Oberfläche geklatscht. Künstliche Kreationen potenzieren das Triebpotential ihrer Anwender.

Die echten Werte haben ein Problem, sich durchzusetzen. Sie sind nämlich unbezahlbar, also nicht bezifferbar, und daher nicht mehr als erstrebenswert (an)erkannt. Eine simple frühkindliche Verschiebung von Verknüpfungen auf Werteebene, und schon bekommen wir ein völlig andere Oberfläche…

Zusehen – und staunen… es ist faszininerend.

Während ich schrieb

Funktioniert die emotionale Verarbeitung nicht mehr, zum Beispiel auf Grund eines Unfalls, sind Betroffene nicht mehr fähig *rationale* Entscheidungen zu treffen. Hm – wie können wir eigentlich noch rationale Entscheidungen treffen, wenn uns emotionale Bezüge zu dem fehlen, was uns am Leben erhält?

Die Lebensumgebung hat dann in unserem Denken kein Gewicht. Also entscheiden wir – bezogen auf sie – irrational. Denn das individuelle Gewinndenken wiegt heute schwerer, weil wir von Kindesbeinen an darauf konditioniert worden sind. *Alle* machen es schließlich so und bemessen Zu- und Abträglichkeit ihres Denkens und Handelns daran. Das ist ein eingeschränkter und eindimensionaler Horizont, aber global anerkannt und bereits durch die Bildungssysteme gefördert, so wie Status bestimmend.

Irren ist ja bekanntlich menschlich… Geld entscheidet darüber wer Du bist. Nicht etwa Intelligenz oder soziales Engagement – das ist die seltene Ausnahme, und dann ist meist der Ausgangsstatus bereits hoch. Wir verlieren unzählige Ideen und Potentiale alleine schon auf Grund unserer hierarchischen Ordnung (jener, die wir auch im Gehirn abbilden – bzw. der Verstand, weil er sich nur mit einem Aspekt zu einer Zeit befassen kann), vom rangniedrigsten Äffchen nimmt man keine Weisheiten an – ausschließlich auf Grund seines geringeschätzten Status, nicht etwa, weil es dieser nicht mächtig wäre. Um Inhalte geht es zuletzt, was sich mit der Vernetzung jedoch relativiert. Was wir damit abbilden, ist nämlich (wieder) mehrdimensional. Vernetzung ist Hoffnung, Vernetzung ist Chance, Vernetzung kann die neue Zukunftshoffnung sein. In einer besseren Welt werden wir erst dann leben, wenn wir wie in einer besseren Welt leben – zu vieles wirkt noch, das uns davon abhält, es jetzt und auf der Stelle zu tun.

In der Zeit, in der ich das schrieb, verhungerten ungefähr 1.220 Menschen (wer wäre bereit, so viele Menschen zu erschießen?), entstanden ungefähr 1.781 Acre Wüstenlandschaft, verlor die Erde ungefähr 1.366 Hektar an Wald, verloren ungefähr 20.068 Menschen den Zugang zu frischen Trinkwasser, starben ungefähr 591 (noch mal, wer wäre bereit, so viele Menschen zu erschießen?) Menschen an verseuchtem Wasser. Die Uhr tickt ständig, auch dann, wenn wir nicht hinhören. Die Erde ist unser aller Lebensuhr, und Ignoranz bewahrt uns höchstens vor der Anwendung unserer Intelligenz, nicht aber vor den Folgewirkungen die jedwede Missachtung essentieller Überlebensaspekte nach sich zieht. Quelle: http://www.worldometers.info/de/

Sein Selbst ist der Mensch

Die wachsenden Kluften zwischen Arm und Reich, die wirtschaftlichen Entwicklungen und das einseitige Streben nach Geld sind meines Erachtens nicht vorsätzlich verursacht, sondern auf übertriebene Abstraktion zurückzuführen, die uns immer mehr vom Ursprung (was tun wir da eigentlich?) entfernte, vom Kern des Menschseins an sich. Der geringe Datendurchsatz des Verstandes begünstigte eine zunehmende Verdichtung, damit aber auch Reduktion von Informationen, die zu immer größeren Lücken führte, aus denen extreme soziale Hierarchien hervorgingen. Für manche ist der Verlust des Glaubens daran Schuld, und das kann man tatsächlich so sehen. Doch halte ich das auch nur für ein Symptom.

Es mag sich mancher wünschen, dass der Mensch den Wissenschaften abschwört, weil die Fakten über uns selbst eine desillusionierende Wirkung haben. „Liebe ist doch nur Biochemie“. Das war schon immer so. Ja, sie wird in uns biochemisch abgebildet. Daraus geht hervor, dass wir sie fühlen. Wie tief, wie stark, wie lange oder ob für das ganze Leben, darauf haben wir immer noch denselben Einfluss wie vorher. Das Wissen ist nicht das Problem. Ignoranz ist es. Es ist ja so bequem, sich selbst als biochemischen Botenstoffsklaven zu begreifen, der nur noch seinen Impulsen folgt, weil sie ja biologisch und daher natürlich und entschuldbar sind. Werfen wir jedoch einen Blick auf das Aktionspotential mit dem wir das tun, stellt sich die Situation anders dar. Wir richten großen Schaden an, so dass von einer optimalen Anpassung an die Umgebungsbedingungen keine Rede mehr sein kann.

Unsere Anpassung geht ja auch nicht aus der biologischen Entwicklung hervor (das war mal), sondern aus der mentalen. Und eigentlich erfahren wir grade erst, wie es funktioniert und was das (er)fordert. Unsere Vorfahren waren noch näher am Kern des Menschseins, ihr Verständnis von mentalen Zusammenhängen zwar unvollständig, aber dennoch verblüffend. Ich hatte lange nicht verstanden, wie sie überhaupt so viel über die Beschaffenheit der Welt wissen konnten. Dabei haben sie nichts weiter getan, als aufmerksam beobachtet und ihr eigenes Gehirn ausgelesen. Wir haben ja unsere eigene Entwicklungsgeschichte gespeichert, und manchen mochte es gar gelungen sein, durch Mustervervollständigung in die Zukunft zu blicken und damit richtig zu liegen.

Ist ein Wunderwerk wie das menschliche Gehirn wirklich weniger WERT, „nur“ weil wir es verstehen? Wenn wir wissen, wie unsere technischen Geräte funktionieren, holen wir weit mehr aus ihnen raus. Warum sollte das für unsere eigene Funktionalität nicht gelten? Worin liegt der Unterschied? Ist es nicht zielführender, wir haben die Macht über unsere Befindlichkeiten, und nicht die Befindlichkeiten über uns?