Ein paar Thesen

Je mehr Aspekte / Werte am Denken (resp. müssen sie im Fühlen sein, damit das bewusste Denken mit den adäquaten Werten bereits angereichert ist, dann bleibt der Verarbeitungsaufwand für den Verstand im leistbaren Rahmen) beteiligt sind, umso höher das erlangbare Maß an Komplexität (und Intelligenz) die abgebildet werden kann.

Empathie erweitert das Wertespektrum der Wesen, Egozentrik reduziert es. Vereinbarung erweitert das Wertespektrum, Konkurrenzkampf verringert es.

Die Wahrung von Konsistenz ist die Voraussetzung für anhaltende Skalierbarkeit bei wachsender Komplexität.

Der Verstand kann sich die Welt nur einzelaspekteweise und linear erschließen. Jeder scharfe Gedanke beansprucht temporär 100% Relevanz für einen einzigen Aspekt, was bereits unrealistisch ist.

Die wahre Relevanz eines Aspekts offenbart sich in seiner Stellung im Gesamtgefüge (und ist nicht scharf berechenbar, da sich das Gefüge permanent bewegt).

Averbales Denken – geht uns doch langsam ein Licht auf?

Denken und Bewusstsein ohne Sprache

Es ist endlich „bescheinigt“, dass auch Tiere ein Bewusstsein haben: http://fcmconference.org/.

Der Mensch hat bislang ein falschen Bild davon, was Denken eigentlich ist, oder auch gar keines, und ist damit nicht nennenswert weniger ferngesteuert als andere Wesen mit Gehirn.

Der Stoffwechsel hat vielen längst jede Entscheidung abgenommen, bevor ein verbalisierbarer Rest die Grenze ins Bewusstsein überschreitet.

Denken besteht aus einer linearen Aufeinanderfolge vieler kleiner Einzelentscheidungen, deren Richtung von den beteiligten Werten bestimmt wird – es geht dabei um die Aussicht auf Belohnung – ja auch bei uns, ja, auch wenn wir uns einbilden, dass was wir denken und tun bewusst entschieden wurde. Es ist nur ein kleiner Rest dessen, was vom Triebsystem durch die emotional-soziale Bewertung geschickt wird, bevor wir den Gedanken der sich dabei herausbildet, überhaupt (er)fassen.

Bei zunehmend tieferer Befassung mit der Funktionsweise des Gehirns, Fühlen und Denken, resp. Kognition kann ich nur immer wieder darüber staunen, wie sich die Grenzen zwischen Mensch und Tier verschieben, wie mich jede neu erkannte Ähnlichkeit mit einer Bewusstseinserweiterung bereichert, und keinen Wert übrig lässt, den nicht bereits ein Tier (womöglich sogar stärker ausgeprägt als in uns selbst) entwickelt hätte.

Es gibt keine Gerechtigkeit nur für einen selbst. Nicht als Individuum, nicht als Gruppe, nicht als Nation, nicht als Art. – Wer sich also auf die Straße setzt um Occupy zu spielen wird nicht erlangen was er will, so lange er bereit ist, andere für seine Bedürfnisse zu quälen.

Wir sind ein wandelndes Belohnungssystem dem es um Wohlbefindenssteigerung geht, keine Analysemaschinen, doch das was sich in uns abspielt, hat durchaus etwas mit Rechnen zu tun. Man kann in sein Denken keine Werte einbeziehen, geschweige denn sie leben, wenn man sie nicht (auch im Anderen an)erkennt. Die wahre Stärke menschlicher Organisationsstrukturen liegt in der emotionalen Bandbreite. Gefühle (Werte) sind der Puffer zwischen Triebsystem und Verstand. – Seine Triebe direkt in den Verstand durchzuschalten ist nicht rational oder gar menschlich, sondern erzeugt m.E. das Handlungsniveau eines Reptils. Das bilden wir heute global ab – allem voran die Gier jedes einzelnen Beteiligten, die sich in der “reichen” Spitze überdimensioniert summiert.

Wenn man in der Lage ist, sich die Symbole (die das Denken ohnedies nur bremsen) einfach wegzudenken, bleiben nur noch Werte übrig.

subjektiv und von hinten durch die Brust ins Hirn

Vor ein paar Stunden sah ich kurz in eine Sendung über Neurowissenschaften rein (nichts Neues dabei). Der Zusammenhang zwischen Sozialverhalten, Gefühlen und Neurologie bzw. in unserem Fall Kognition, ist ein Thema mit dem mein Partner und ich seit über einem Jahrzehnt befasst sind. Empathie wird mittlerweile auch von den Wissenschaften neurologisch untersucht. Bisher wurden alle unsere Erkenntnisse bestätigt (jeweils ein paar Jahre später).

Dabei kann das jeder, wirklich jeder selbst an sich erfahren.

Den rationalen Menschen immerhin, haben sie abgehakt (worauf müsste sich das Denken eigentlich beziehen, um als rational zu gelten?).

Sie trennen Emotionen und Gefühle. Gefühle sind offenbar der kulturell geprägte Teil. Doch das macht sie nicht zu was anderem, allenfalls die Zuordnungen / Reize und dann auch Auslöser, sind andere, doch die „Werte“ sind nach wie vor, was sie ohne „Kultur“ auch gewesen wären. Wir trennen daher zwischen Empfinden (Temperatur, Schmerz, Hunger, beschleunigter Herzschlag – ganz Grundlegendes) und Emotionen (unabhängig von kulturellen Aspekten).

Die Werte (Emotionen) der Menschen sind auf der ganzen Welt gleich (siehe Babies), die Erfahrungen und Symbole mit denen sie diese verknüpfen unterscheiden sich (kulturell, regional). Und dann meinen zwei dasselbe, verwenden nur eine unterschiedliche Symbolik, und schon bricht ein Krieg aus, gegen eine Lebensform, die einem ähnlicher ist, als der Affe in einer Gruppe dem anderen (Schimpansen haben meines Wissens mehr genetische Differenzen innerhalb einer Gruppe als die ganze Menschheit).

Ich habe bei meinen Grenzerfahrungen (wo endet das Tier, wo beginnt der Mensch) kein Gefühl und keine Motivation ausfindig machen können, die nicht auch bei Tieren vorkommt. Selbst Liebe hat ihren Ursprung beim seine Babies liebevoll umsorgenden Säugetier, noch dazu mit einer Bedingungslosigkeit die vielen Menschen fremd geworden ist, oder die sie mit Besitz verwechseln.

Eng mit Liebe verbunden ist Vertrauen. Die Urbeziehung die beides hervorbrachte ist die zwischen Mutter und Kind – die Mutter schüttet es aus und „vererbt“ über einen Botenstoff das Gefühl an ihr Baby und prägt alle weiteren Bindungen, die auf dieser Urbeziehung aufbauen. Das ist kein menschliches Privileg, sondern von Säugetieren entwickelt, und deswegen nicht weniger erstaunllich und großartig, auch wenn es, wie bei ihnen, einem biologischen Zweck dient (warum sollte dieser als niedriger gelten, als ein anderer, so genannter „höherer“? – wir wissen nichts vom Ende der Skala erlangbarer Komplexität oder Intelligenz, wir sind immer noch Wesen in Entwicklung, also bereits konzeptionell zu „höherem“ fähig)

Nein, ich sehe in keiner Weise, dass damit der Wert des Menschen geschmälert wird, oder der des Tieres sich „plötzlich“ unbillig erhöht – alle sind immer noch, wer sie sind, wir wollten es nur nicht sehen. Wer sich dennoch abgewertet fühlt, dem versichere ich, dass ich darauf nicht hinaus will, und er darf sich gerne fragen, aus welcher Ecke des Tierreichs (gar nur vom Stoffwechsel?) dieser Eindruck in seine Gedanken drängt :-). Wer wen abwerten muss um sich selbst größer zu fühlen denkt grade gar nicht mal so menschlich wie er vielleicht gerne glaubt.

In Grund und Boden schämte ich mich, als ich vor mir eingestehen musste, dass es den „Unterschied“ mit dem ich das Morden und Fressen fühlender, intelligenter Mitlebewesen vor mir selbst rechtfertigen wollte, gar nicht gibt. Ich wüsste nicht, was mich jemals mehr erschüttert hätte, als die Entdeckung meiner eigenen Dummheit. – Die tut sehr wohl weh.

Die Vorstellung, wegen Milch, einer Säuglingsnahrung die wir bereits mit wenigen Jahren aus der Mutterbrust ablehnen würden, einem Kälbchen die Mutter zu nehmen, die nichts anderes will als bei ihm zu sein und es zu füttern, war vor diesem Hintergrund einfach nur noch abwegig. Die Menschen die das tun müssen ja noch weniger fühlen als die betroffenen Tiere, wenn sie imstande sind, sich über deren Gefühle füreinander hinwegzusetzen. „Das ist nicht dasselbe“ ist einfach nicht wahr (allenfalls, dass jene die das sagen, da nicht heranreichen können, sonst müssten sie das doch sehen).

Es ist nichts „anderes“ was wir wollen, was wir fühlen, ja nicht einmal was wir denken. Das ist nämlich selektiert. Unser Gehirn macht das. Wenn wir uns unserer selbst bewusst sind, dann haben wir stärkeren „bewussten“ Einfluss darauf – doch die gedankliche Befassung mit etwas ist genauso auf Wohlbefindenssteigerung ausgerichtet wie eine Gefühlshandlung (das Wissen der Menschheit muss in ihr Belohnungssystem rein, damit wir es im wahrsten Sinne des Wortes angemessen verwerten [wollen] können).

Vor ein paar Jahren gelangte ich zu dem Schluss: „Ich denke nicht, ich fühle nur konkret“. Dazu stehe ich immer noch, denn ich habe deutlich beobachten können, wie was ich heute in ein paar unbeholfenen (im Vergleich dazu wie umfassend, faszinierend und mächtig das Ganze ist) Worten darstellen muss, und offenbar auch neurowissenschaftlich nicht mehr lange von der Hand zu weisen sein wird, durch und durch emotional motiviert war. Für eine geraume Weile fühlte ich mich ganz eins mit allem was ich wusste. – Mittlerweile hat mich die „Realität“ (haha) wieder, und ich weiß noch nicht so recht, wie ich mit ihr umgehen soll (Ideen oder Erfahrungen von anderen „Rückkehrern“?).

Der Mensch ist in meinen Augen das einzige Tier, das es geschaft hat, sich emotional und sozial zu reduzieren (der Verstand ist kein guter Schüler, zu kleiner Datendurchsatz, das gibt wenig vom Blick aufs Gesamtbild frei), was es uns erschwert, mit Komplexität klarzukommen (Verkomplizierung durch Überregulierung stattdessen, bis ein Zusammenbruch unvermeidlich wird). Um Komplexität zeitnah erfassen, verarbeiten und einschätzen zu können braucht der Mensch das System unterhalb der verbalen Ebene (Mustererkennung, mehrdimensional, millionenfach höherer „Daten“-Durchsatz, unscharf, daher variantenreich, das ist die natürliche Realität wie das Gehirn sie gut verarbeiten kann). Seine „Rationalität“ kann nämlich allenfalls so weit reichen wie dieses. – D.h., wo unsere Werte enden, da ist auch mit (Nach)Denken Schluss.

Ich bin der Ansicht, dass es keine haltbare Ausrede mehr gibt, Tiere aus unserer „Moral“ auszuschließen (und den Rest der Menschen, die dringend Mitgefühl und Unterstützung brauchen). Und schon gar keine, die etwas mit Rationalität, „Notwendigkeiten“ oder Vernunft zu tun hätte. Notwendig wäre es, die Erneuerbarkeit der Ressouren nicht zu gefährden, das Leid aus der Welt zu schaffen, und das Giftsprühen einzustellen, wie Veganer es schon lange wissen. Es gibt genug Sinnvolles zu tun, um vielen Menschen ein reichhaltiges, erfülltes Leben zu ermöglichen, und ich glaube, dass die geeignete Organisationsstruktur eine hohe Auflösung haben muss, die durch Integration erlangt wird, und nicht durch Ausschluss.

Rohheit trifft es nicht

Ich halte es für einen Mangel an Bewusstheit, mit dem ich mich vor ein paar Jahren selbst staunend ertappen musste (über seine eigene Unbedarftheit zu stolpern ist erst mal nicht so witzig). Den Verstand verstehe ich als Programm, das ausführt wonach dem zumeist unerschlossenen Unterbau ist. Daher weiß das Gehirn auch vor dem Bewusstsein wie wir entscheiden werden. Fakten stehen da keineswegs an erster Stelle (beispielsweise müssten die Menschen dann mehr Furcht vor den Folgen des Fleischkonsums haben als davor, auf weit weniger flächenintensive biovegane Landwirtschaft umzustellen).

Lange Wirkungsketten, noch dazu ineinander verschlungen, überfordern den Verstand. Intuition wird nicht anerkannt, da sie ihre vielschichtigen Beweggründe nicht detailliert auseinandersetzen kann. Für mehr als zwei, drei Argumente ist das Gehirn über den Verstand kaum zu begeistern. Scharfe Daten merken wir uns weniger gut, wenn die emotionale Beziehung dazu fehlt. Eine einzige intuitive Momentaufnahme zu beschreiben, dazu würde ein Verstand in einem Leben gar nicht fertig.

Die Anforderungen passen nicht mehr zur nativen Verarbeitung des Gehirns. Niemand nimmt Gefühle noch ernst. Das sind (Erfahrungs)Werte die uns dann auch in den lieblos hinproduzierten Ergebnissen fehlen. In der Folge wird der „Hunger“ immer größer. „Mehr“ ist ja kein Problem, wenn man mitten im (scheinbaren) Überfluss lebt. Egal in welchen Supermarkt man schaut, von allem gibt es da zu viel, denn die Regale werden niemals leer. – Mit diesem falschen Eindruck über die Ressourcensituation wachsen Kinder auf.

Mit dem Verstand zu denken erfordert zwangsläufig eine kognitive Verzerrung im Moment der Betrachtung, bis zu 100% Relevanz für einen einzigen, isoliert betrachteten Aspekt, z.B. ein Geschmackselement, um das sich alsbald eine vollkommen überdimensionierte Maschinerie mit grauenvollen Nebenwirkungen dreht. Um die geht es aber nicht, sondern darum, dieses Geschmackselement möglichst vielen zu verkaufen. Die „gläubigen Verbraucher“ sind praktisch dann die „Untertanen“ die eine Machtposition nicht nur schaffen, sondern das Vorgehen bestätigen und die eingeschlagene Entwicklungsrichtung befördern.

Die Relativierung der Temporärrelevanz erfolgte zunehmend oberflächlich (abstrakt), nicht bis an den (Ur)Grund (Bestand / Sein). Der Verstand wird dazu verwendet, Symptome die überwiegend durch unzureichende Berücksichtung von (Neben)Wirkungen entstehen, zu bekämpfen, statt die Probleme einfach zu lösen (dann beziehen wir die Nährstoffe eben aus pflanzlichen Rohstoffen und gut), das kostet nämlich – Macht. Lösungen und das angestrebte Wirtschaftswachstum passen sowieso nicht zusammen. Nur mit immer mehr Symptomen (Defiziten) kann man den Wachstum des Geldvolumens noch künstlich stützen, und das geht zulasten der Ressourcen (Abfallgenerierung). Fast all unser Denken dreht sich ums „Haben“, und schließt „Sein“ damit zunehmend aus. Die Drittmarke in unseren Gehirnen macht den „Wert“ aus den wir einander beimessen, ist also nicht einmal ein Kind eigener Orientierung.

Sein hohes Abstraktionsvermögen ist sicherlich ein bemerkenswertes Feature des Menschen, doch ohne die geeigneten Werte beschleunigt es nur die Vernichtung der Lebensumgebung. Werte sind der Schlüssel, darin sind sich alle einig, auf der ganzen Welt (ist das nicht bemerkenswert?), aber eben Werte, und nicht deren Symbole, an denen sich dann die Geister scheiden (zu viel Verstand, zu wenig Gefühl / Intuition). Selbst wenn zwei dasselbe meinen, verstehen sie sich nicht mehr (als Kinder hätten sie’s noch gekonnt).

Es kommt jedoch auf die Intelligenz der Wert(ein)schätzung an, die eine kognitive Struktur entwickelt (besteht sie nun aus einem Gehirn oder vielen). Geld verursachte die Instrumentalisierung von allem, auch Menschen, und löste die (m.E. einzige Form dauerhaft haltbarer Unerschöpflichkeit) Kooperation ab. Die Weichen für diese Entwicklung wurden bereits vor ein paar Tausend Jahren gestellt, als nach der Blütezeit des Ackerbaus (in der Menschen noch in unbefestigten Siedlungen leben konnten) die Viehhaltung begann (wofür ein Vielfaches an Flächen benötigt wurde, was Territorialkriege heraufbeschwor).

Es machte uns zu vorsätzlichen Gewohnheitsgewalttätern – Bluttaten an Tieren werden nicht mehr als solche empfunden, sondern sind „normal“ und damit gebilligt. Wer es anders sieht wird von der Mehrheit nicht verstanden (man nimmt nicht in Kauf dass wer leidet, wenn man versteht was man dem damit antut). Ich hatte mich einst darüber gewundert, warum es den Veganern nicht reicht, wenn die Menschen nur ganz selten, und dann Fleisch aus Biohaltung essen. Die Missankerennung der Lebensinteressen anderer sind jedoch das Grundübel (vor dem wir zu solch enormen Tötungsmaschinerien fanden wie sie heute laufen) unter dem alle leiden.

Ankommen

“Selbst wenn ich 10 Jahre früher sterbe, ich will mein Fleisch”. Wer so heldenhaft für seine niederen Triebe einsteht, den muss man wirklich für seine Ignoranz bewundern. – Der Punkt an dem zehn oder mehr weitere, vor allem gesunde, Lebensjahre durchaus von Belang sein werden, kommt schneller als so wer denkt.

Wem außerdem nach der ausgiebigen Berichterstattung durch zahlreiche Medien im vergangen Jahr immer noch nicht bekannt ist, dass für seine Gelüste völlig unschuldige Tiere zu Leid und Tod verurteilt werden, dem unterstelle ich ein massives kognitves Defizit (Bildungslücke die es noch aufzufüllen gilt) das ihn nur eingeschränkt zu menschlichem Denken befähigt (das ist noch weit weniger, als ich mir selbst vorwarf). Obwohl mir die Sache mit den Tieren unter den Nägeln brennt, versuche ich, meine Umgebung in Ruhe zu lassen. Meine rhetorischen Fähigkeiten sind nicht so großartig, weshalb ich mich ungern auf Diskussionen einlasse, zu sehr stehe ich dann unter dem verunsichernden Eindruck physiologischer Wechselwirkungen. Bloggen ist unaufdringlich. A) – es muss sich jemand auf die Suche nach dem Thema machen um hier zu landen. B) – er kann jeder Zeit woanders hinklicken und sich weiterhin von omnivorer Seite einsäuseln lassen, nichts zu ändern sei ok, was zumindest so lange funktionieren wird, bis die Karre an der Wand pickt.

Verstehen konnte ich diese veganen Freaks früher nicht. Was für ein Geschiss um ein seiner Mutter entrissenes Kalb, ein gerettetes Schwein, oder andere Einzelschicksale knapp der Schlachtung entgangener Tiere. Menschen verrecken ja schließlich auch jeden Tag durch Durst, Hunger, Gewalt – und Unfälle, da Autos und andere Technologien Menschenopfer einfordern wie früher Raubtiere oder – Götter. Nicht dass mich das mehr berührt hätte. Ich fand es halt irgendwie nicht gut, das blieb weiterhin bequem konsequenzfrei. In der Fußgängerzone aufgehängte Tierversuchsbilder – was für eine Frechheit Menschen die womöglich grade auf dem Weg zu ihrem Mittagsschnitzel sind, mit diesem Anblick zu behelligen. Sie sahen es als selbstverständlich an, die Lebensinteressen der Tiere mit denen von Menschen gleichzusetzen. So hatte ich schlicht und einfach nicht denken gelernt. Die einen Tiere waren zum Essen da, die anderen zum Kuscheln. So oder so hatten sie für den Menschen zu sein, was der von ihnen wollte.

Eines Tages wurde mir nicht unschmerzlich bewusst, dass meine „Meinung“ darüber von mir nicht anhand verfügbarer Fakten ernsthaft hinterfragt und geprüft worden war, und demnach nur eine Reaktion auf Prägungen die mir meine Umgebung (mit der grade so ziemlich alles aus dem Ruder läuft) mitgegeben hatte. In vieler anderer Hinsicht hatte man mich vorher schon hinterfragend und skeptisch erlebt, doch ausgerechnet an diese so elementare, wichtige, alles und alle berührende (ob sie das nun wahr-nehmen können oder nicht) Thematik „Ernährung“ machte ich einen großen Bogen (ist zwar keine Entschuldigung, doch Al Gore erwähnte den Fleischkonsum meines Wissens auch lange nicht).

Objektiv betrachtet, in Kenntnis biologischer Hintergründe ist klar: wie der Mensch ist auch jedes andere Lebewesen für seine eigenen Angelegenheiten mit dafür geeigneten Fähigkeiten geboren und ausgestattet. Sämtliche seiner natürlichen Bedürfnisse stehen mit der Erfüllung seiner ureigenen Bestimmung in Verbindung. Artgerecht „halten“ geht damit schon gar nicht. Artgerecht ist frei. Ja, frei, etwas, das wir in unseren mit zunehmender Krampfhaftigkeit des Festhaltens immer enger werdenden Tretmühlen und Hamsterrädern gar nicht mehr kennen.

– – – Fies, nicht? – Da ist man nun die selbsterklärte Krone der Schöpfung und darf nicht im Mindesten darauf hoffen, dass die Natur deswegen schon bedingungslos für einen sorgt, oder irgendwer anderer. – Dieses Privileg haben nur noch jene Tiere die uns nicht in die Hände fallen, zumindest so lange, bis der Mensch durch gewaltsames Entreißen dem Ökosystem endgültig den Garaus bescherte, um alles, aber auch wirklich alles was die neue Spezies Homo konsumentis braucht durch den Geldhahn drehen zu können. – Je mehr Fleisch konsumiert wird, desto schneller sind die Böden verbraucht, und die absolute Macht bei den Konzernen die unser Essen „bauen“. Was da drin ist werden wir uns nicht mehr aussuchen können, da uns dann jede Wahl genommen ist, nein, wir sie uns selbst gennommen haben. „Jahr 2022, die überleben wollen“ lässt grüßen (ich übertreibe? – na dann ist ja alles gut, zumindest für geschätzten Leser).

Ich weiß, dass die meisten Menschen das alles eigentlich nicht wollen, und in Anbetracht einer progressiv anwachsenden Welle eigener Sorgen, Probleme, Vorurteilen, Werbebotschaften und sonstiger Ver(w)irrungen mit ihrem Empfinden gar nicht mehr hinterher kommen. Doch hat sich schon so manche Weisheit die ich vergebens anzubringen versuchte, Jahre später (über andere Quellen) in jenen Gehirnen eingefunden, denen ich sie vermitteln wollte. – Ist ja egal, woher es letztlich kommt, Hauptsache an.

Miss-Selbstverständnis

Jemand hat einmal gesagt, das wahre Glück ist nicht das Ziel, sondern der Weg. Damit wusste ich nichts anzufangen, denn ich war darauf festgelegt, dass ein Weg zu einem absehbaren Ziel zu führen hat, sonst macht der Weg ja keinen „Sinn“, und wenn ich kein Ziel habe, dann mache ich was falsch. Ab wann soll man eigentlich zielfähig sein? – Mit 10? 20? 30? 40? – Eigentlich hatte ich es mir ja mal so vorgestellt: Wenn ich genug über die Welt und die Vorgänge darin weiß, wird es schon aufhören, mit dem Suchen, mich Wundern und sich ein Ziel visualisieren. – Ich weiß offenbar immer noch nichts.

Über einen langen Zeitraum folgte ich dem semantischen Ruf jener Begriffe, deren Bedeutung für mich hoch war (Wissenschaften, Zukunftstechnologien, Nachhaltigkeit…). Und irgendwann wurde mir klar, der Weg ist ein Teil, wenn nicht sogar der wesentliche Teil, der Erfüllung. – Das Ziel, der Sinnesreiz, der „USP“ blieben vor heutigen Bestrebungen aber nur noch übrig, während Vor- und Nachwirkung ein Opfer der Instrumentalisierung wurden. Was will ich mit einem Ziel das keinen Bestand haben kann, weil ich darin nicht alles, was mich betrifft berücksichtige? – Das ist weit mehr, als ich verbalisieren kann. Doch Fühlen alleine ist ja kein Argument mehr.

Nach meinem Berufswunsch gefragt, wollte ich einmal „etwas machen, das mir Spaß macht“. Damit kannst Du doch kein Geld verdienen! Wo kommen wir denn dahin, wenn jeder Spaß an seiner Arbeit haben will? Viele Dinge würden dann ja gar nicht mehr erledigt. Da frage ich mich im Gegenzug,wie kann es sein, dass wir diese „Dinge“ brauchen, wenn uns bereits deren „Produktion“ wenig begeistert? – Sieh zu, dass Du Geld „verdienst“. Was ist denn mein Verdienst an einer lustlosen Tätigkeit? Dafür muss ich nicht eine Sekunde lang eigenständig denken. Ich erkenne mich darin nicht. Und ich möchte wetten, die meisten Menschen auch nicht, wären sie ehrlich zu sich selbst. – Doch wer traut sich das schon? – Vielleicht ist die (Selbst)Lüge die größte Plage der Menschheit. Lügen lassen sich nur mit weiteren Lügen halten, das weiß jeder, der mal einen dieser vorhersehbaren Filme um Lügenverstrickungen gesehen hat. Mir waren die einfach unerträglich.

Mit Visionen kann ich etwas anfangen, denn ich habe gesehen was für ein Umfeld Menschen mit einer nachhaltigen Gesinnung schaffen können. „Klar definierte Zielen“ zu „meinem Vorteil“, sind mir zu – abgrenzend. Sie bringen die Menschen um ihr (Er)Leben, weil sie es darin zwar suchen – doch auf dem falschen Weg (bevorzugt dem kürzesten) niemals finden können. Der springende Punkt ist: Bei dem was wir wollen kommen wir eh nicht aneinander vorbei. Komplexität schwächt die Kontrolle, schon daher ist Vertrauen besser.

Im Moment sieht es danach aus, als hätte sich lineare Zielstrebigkeit evolutionär durchgesetzt. Mit weniger Werten rechnet es sich schneller ans „Ziel“. Und das ist m.E. genau der Fehler. Das Wohl jedes Menschen, wenn nicht gar jedes fühlenden Wesens, könnte ein Wert in unserem Willenssystem sein. Das fällt uns überhaupt nicht schwer, wenn wir uns selbst darin erkennen. Daher definiert sich für mich Überlebensintelligenz in dem Maß wie wir fähig sind, uns in Anderem zu erkennen. Damit fließen deren Werte ohne zusätzlichen rechnerischen Aufwand in unser Denken und Handeln ein. Technisch gesehen stellen sich mir Liebe und Vertrauen als Überlebensstrategie mit der höchsten Effizienz dar, und Mitgefühl als nachhaltigster Selbstschutz.

Ver-rückt

Ich glaube, dass Intelligenz immer ver-rückt ist. „Normal“ zu sein erfordert ja nun kein besonderes Denken, sondern in erster Linie die Fähigkeit nachzuahmen. In dem Moment wo sich ein Mensch auf seine eigene Erkenntnisfähigkeit bezieht, rückt er ab von der „Normalität“ – er ver-rückt sein Denken, davon weg. Genie und Wahnsinn sind sich nicht von ungefähr so „nahe“, und für Wahnsinn halten es dann ja auch nur die „Normalen“ ;-). – Komplexität lässt sich schwer linearisieren. Ist die Basis dafür nicht gegeben, kommt Information so nicht an, das macht eine Beurteilung unmöglich.

Sich selbst im Anderen erkennen

Das Konzept hinter der Entwicklung des Universums und des Lebens selbst ist bereits Kognition (alles Wissen geht von ihr aus). Dass Menschen die so tief blicken konnten darin etwas Göttliches zu erkennen glaubten war keineswegs ein Irrtum, sondern ein Wiedererkennen der eigenen Funktionalität im Spiegel des Großen Ganzen. Wir hängen da voll mit drin in dem Teilchengewusel – das bedeutet, wir sind nicht einfach nur unser eigenes, individuelles Bewusstsein, sondern faktisch ein (winziger) Teil des Universums der sich seiner selbst grade mal ein ganz klein bisschen bewusst geworden ist. Ich bin überzeugt, dass das Maß der Intelligenz mit der Fähigkeit sich selbst im Anderen zu erkennen, was nur über Andere gehen kann, steigt, und die Menge einbezogener Daten / Werte exponentiell vergrößert, und somit ein Vielfaches an Intelligenz in die Umsetzung fließen kann, die sich dann auch im nachhaltigen Ergebnis zeigt. Zentralisierung ist genau die falsche Richtung – sie verdummt das System und wird immer weniger Menschen gerecht (klar, spitzt sich fortlaufend nach oben hin zu).

In diesen Spiegel kann keiner für den anderen schauen, ihn nur anbieten. Lange Zeit hatten Menschen dafür nichts anderes als die sinnbildliche Beschreibung. Nur weil diese Fakten nicht standhalten können bedeutet es nicht, dass der Hintergrund – das was derjenige sah und (eben so wie er konnte, vergleichend) beschrieb – nicht der Wahrheit entspricht. Ihm standen nun mal keine Fakten für den wissenschaftlichen Abgleich zur Verfügung.

Gewaltfrei (vegan) zu leben ist für mich nur die Vorwegnahme einer bevorstehenden neuen Selbst-Verständlichkeit des Menschseins die unumkehrbar sein wird (auf der Ebene kann man nicht mehr in alte Verhaltensmuster zurückfallen, das wäre zu schmerzhaft, rechnerisch also gar nicht mehr drin). Die Anerkennung der Tiere als eigenständige Wesen mit eigenen Wünschen und Zielen bedeutet nichts anderes als auch seine eigenen tierischen Ziele vorbehaltfrei anerkennen zu können. Das triebliche Innere ist nicht mehr der Feind, den es zu unterdrücken und zu vernichten („opfern“) gilt, sondern wird zur starken Triebfeder die zu einer nachhaltigen Lebensweise mit ungleich mehr Erfüllungspotential (Erfüllung statt Füllen) verleitet, als starker Bündnispartner. Unser Gehirn verfügt über die geeignete Intelligenz dazu, indem es nachhaltiges Handeln und das Füreinander intensiver und anhaltender belohnt – wohingegen sich Egozentrik mit Kicks begnügen muss, die von Mal zu Mal heftiger sein müssen, damit noch ein Belohnungsschuss abgeht. – Das ist nicht nur dröge, sondern vor allem voll mechanistisch. Es verhält sich so keineswegs weil wir „eben so“ sind (die unbedarfteste Ausrede von allen), sondern weil wir uns dahin gedacht haben.

Ich hatte ja keine Ahnung, wie fasziniert ich von was sein kann bis ich dieses Wissensgebiet entdeckte, nein, kein Wissensgebiet, Kognition ist der Ursprung allen Wissens. Da hinblicken zu dürfen wo Wissen entsteht ist schon etwas, für das ich mich gerne bei wem bedanken würde, denn ich bin ungeheuer berührt davon, weil ich nie zuvor etwas so Schönes und tief Beeindruckendes gesehen habe. Daher mag ich heute auch mit 99,9%iger Sicherheit zu sagen: wer davor nicht demütig wurde hat die Welt nicht verstanden.

Bildung formt

Die Vermittlung von Wissen ist heute derart abstrakt, dass das Wesent-liche daran, nämlich was wir dazu fühlen müssten, gar nicht mehr ankommt. Wer kann auf der Basis schon realistisch denken und handeln?

Was uns vielleicht sogar unsere Eltern erzählten als wir noch sehr klein waren, ist tief in unserem Empfinden und Denken verankert, was wir nicht zuletzt der Flexibilität des menschlichen Gehirns verdanken.

Die nachgeburtliche Beschreibbarkeit des Gehirns wird zur tödlichen Falle, wenn wir (abträgliche / nicht nachhaltige) Paradigmen unverrückbar in unseren Köpfen betonieren. Der Mechanismus, der „Wissen“ in unseren Gehirnen verankert macht keinen Unterschied zwischen Wahrheit und Irrtum. Intensität und Häufigkeit (Relevanzen) damit verknüpfter Eindrücke sind Ausschlag gebend. Wahres und Falsches wird in derselben Weise einbezogen, ist es erst einmal geprägt.

Ich bin nicht der Ansicht, dass Menschen mit kognitiven Dissonanzen leben sollten sondern alles daran setzen sie aufzulösen. M.E. wäre das die einzige Nachhaltigkeitsmaßnahme die wir bräuchten. Denn unser Gehirn funktioniert einfach nur folgerichtig.

Die Freiheit des Willens steht mal wieder auf dem Spiel

http://www.datensicherheit.de/aktuelles/hirnforschung-wachsende-zweifel-am-freien-willen-des-menschen-12664

Das Gehirn weiß also vor unserem Bewusstsein wie wir uns entschieden haben, und für mich wäre es eher überraschend gewesen, hätte es sich umgekehrt verhalten. Das bedeutet nicht, dass wir unfähig wären, unsere Entscheidungen durch Überlegungen zu beeinflussen, doch letzten Endes wurde auch das auf einer grundlegenderen Instanz entschieden. Alleine die Kenntnis darüber wie das Wollen zustande kommt führt bereits zu Veränderungen in der Willensbildung.

Doch wie frei kann der Wille eines Lebewesens schon sein? Er findet ja innerhalb von uns statt und bezieht ein, was wir über das bloße Triebverlangen hinaus erfasst/bewertet/erfahren haben. Jede Handlung lässt sich auf einen Trieb zurückführen. Die Frage ist nur, wie differenziert wir ihn im Zuge der Entsprechung (emotional) behandeln. Wir haben es beim Willen ja mit einer biologisch gewachsenen Funktionalität zu tun, wie Reflexe, Triebe, Gefühle, und selbst Kognition.

Für mich steht außer Frage, dass wir mit „Funktionalität“ die wir erlebnishaft verstehen, bewusster und natürlicher umgehen und mehr aus einem Werkzeug herausholen. So entsteht leidenschaftliche Professionalität die sich voll und ganz einbringt. Die ist – im Gegensatz zur Industrialisierung – noch mit positiven Gefühlen zu dem verknüpft was wir (für Andere) tun. Professionalität ist meines Erachtens sehr wohl etwas Persönliches, auf einem hohen Niveau.

Natürlich gilt das auch für die Anwendung unseres Gehirns. Obwohl (wie hatten die Menschen es sich denn eigentlich vorgestellt…???) der Wille auf verfügbare Parameter angewiesen – somit nicht „frei“ – ist, verändert ihn das was wir im und über das Leben erfahren. Das nennt man Entwicklung. Es bleibt also weiterhin spannend… :-).