Festhalten am Unterschied

Meine Meinung zu: http://www.miz-online.de/node/266

Der einzige kognitive Unterschied den ich sehe ist, dass durch die Anwendung komprimierter Modelle und deren platzsparender Speicherung das Nachahmungspotential des Menschen größer ist als das anderer Tiere. Der Vorstellungsraum des Meisters der Nachahmer, der sich lieber überwiegend fremdgenerierter Meinungen bedient als sich selbst zu überzeugen, ist so stark von Vorurteilen eingenommen, dass es nicht einmal mehr für Mitgefühl reicht, geschweige denn sich darüber klar zu werden wie man auf Dauer erfolgreich überlebt.

Was sie heute lernen schult sie überwiegend darauf hin, Routinen anzuwenden mit denen man Glasperlen bekommen kann, die man ausgibt um sich zu ernähren, zu kleiden etc. Statt ihr Leben zu leben sind alle nur noch hinter dem Diktat dieser Glasperlen her. Bevor sie herausfinden und (er)leben können was sie wirklich wollen, sind die meisten Menschen auch schon tot.

Von der Orientierung an etwas Intelligentem (immerhin: allwissend) hätte ich mir eigentlich mehr versprochen. Doch schlug man lieber aus Verlegenheit auf alle ein, die ihre Werte in einen anderen Wortlaut kleideten, ohne sich grundlegend damit auseinandergesetzt zu haben, worum es im eigenen Glauben ging. Erstmal wäre man damit ja geraume Zeit und tief beschäftigt, ein einzelnes Menschenleben reicht dafür nicht aus – nicht mal 2000 Jahre taten es – weil die Emanzipation mit dem „höherem Selbst“ – noch dazu aus in Kompliziertheit verstrickter Sicht heraus – nun mal prozessintensiv und langwierig ist.

Die Glaubensschriften entstanden zu einer Zeit, als der Mensch bereits „vergessen“ hatte (sonst hätte es sie kaum „gebraucht“) wie es geht. Es wurden damit Symptomen begegnet, die Ursachen hingegen erkannten wohl die Begründer, ansonsten wurden sie weitgehend verkannt oder sogar noch verstärkt. Nichtsdestotrotz distanziere ich mich von der Verurteilung der Religionen als Wurzel heutiger Übel. Sie sind ein Teil unserer Entwicklung, der eine Menge über unsere eigene Funktionalität offenlegt. Wären sie nicht für Machtinteressen missbraucht worden, wären es andere Mittel gewesen. Wer glaubt, dass religiöse Indoktrination schon Gehirnwäsche übler Sorte war unterschätzt die Methoden neuzeitlichen Marketings. Heute geht es nicht mehr nur um das eigene Seelenheil, es geht um das Wohl einer ganzen Welt.

„Ich denke, also bin ich“ finde ich eigentlich ziemlich reduktiv, und sich in seiner eigenen Gedankenwelt so tief einzufinden um eine solche Feststellung treffen zu können war vermutlich so ziemlich alles andere als rational begründet. – Diese sich für rational haltenden Typen haben einfach nicht erfasst, dass die Tatsache, dass unser biologisches Verwaltungsorgan Gehirn der Bezugspunkt ist von dem aus wir denken, Objektivität und Rationalität ausschließt. Allenfalls unsere Begabung zur Vernunft zu nutzen können wir erlernen. Dafür sind wir günstigerweise konsistent – frei von Widersprüchen zwischen Fühlen und „Wissen“. Eine verzerrte Wert(ein)schätzung verliert die Fähigkeit vernünftig zu entscheiden. Dem kann noch so viel „Wissen“ aufgesetzt werden, es wird seinen Zweck für uns nicht mehr dauerhaft erfüllen sondern kann dann nur das Gegenteil (be)wirken – gegen uns.

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