Die Modellierung der Welt

Das Gehirn zu verstehen ist eine sehr wesentliche Erkenntnis über unsere Funktionalität, die wir mal natürlich (Selbstverständnis) wahrgenommen haben. Die Rückbesinnung darauf wurde immer schwieriger, und schließlich über Generationen verlernt. Stattdessen kamen die Detailerkenntnis, die Abstraktion, die Schärfe in unser Denken brachten, die nach etlichen Adaptionen schließlich die *Träumereien* und *Fantastereien* der Welt als verwerflich entlarvten, und damit dem Vorstellungsvermögen ein enges Korsett anlegten, das sich nach dem strecken musste, was erwiesen und vollumfänglich schließlich nicht mehr zu erfassen war.

Befreiend war es auf den ersten Blick, desillusionierend hingegen auf den zweiten. Die Detailbetrachtung der Welt durch die Wissenschaften war folgerichtig, da Interpretationsspielraum ein Machtvakuum erzeugt. Dem ist nur mit Klarheit zu begegnen. Im Großen spiegelt sich außerdem das Kleine wider. Doch kein bewusster Gehirnimpuls kann in Regionen vordringen, zu denen es keine Brücke gibt. Gefühle sind diese Brücke. Wozu wir ein Gefühl haben, das grenzen wir nicht mehr aus unserem Denken aus. Vor uns liegt ein Puzzle mit so vielen Teilen wie es Einzelerkenntnisse gibt. Aber jedes Detail davon gehört zu dieser Welt, und die ist ein Ganzes, ein eng vernetztes System, in dem alles was geschieht auf alles wirkt, was darin eingebunden ist.

Das Gehirn bildet die Welt so ab, dass wir sie auf die Weise verstehen müssen wie wir es tun, weil es seiner Bauart entspricht. Diese wiederum ist so beschaffen, um natürlichen Umgebungsbedingungen zu entsprechen – da sie diese so wahrheitsgetreu abbilden müssen, wie fürs Überdauern nötig. Jeder Irrtum, jeder Fehler rächt sich früher oder später, wird er nicht vorher ausgeräumt. Wir entgehen den Wirkungen nicht, die wir auslösen oder ignorieren. Kein anderes Lebewesen kann sich darüber Gedanken machen oder gar Gegenmaßnahmen ermitteln. Wir aber sind Menschen, und wir haben schon vieles geschafft, das mal unvorstellbar war.

Mit der Detailbetrachung sehen wir immer nur einen winzigen Ausschnitt – vergleichbar mit einem Schlüsselloch, durch das wir in einen Raum sehen und daraus dann schließen müssen, wie er beschaffen ist. Um den Raum zu entschlüsseln braucht es viele, viele Detailbetrachtungen, die am Ende richtig zusammengefügt werden müssen. Die ganzheitliche Betrachtung geht vom ganzen Raum aus und weiß die Detailkenntnisse in diesen einzuordnen. Das kann zu ganz anderen Schlüssen führen, als kennt einer nur ein paar Details und muss diese zusammenfügen wie ein Puzzle von dem er noch nicht einmal weiß, ob er alle Teile dazu hat. Daher waren wir in der Vergangenheit und Gegenwart auf Modelle angewiesen, um auf Bezugskonstanten zugreifen zu können. Aber auch über ein solches Modell wissen wir nicht, wie weit es bereits vollständig und folglich sicher stimmig ist.

Da wir nicht für alles, was sich in unseren Köpfen abspielt, Worte haben, müssen wir wohl davon ausgehen, dass unsere Modelle noch unvollständig sind (Gödel fällt mir dazu ein). Bisher waren wir unfähig, uns selbst zu beschreiben. Woher also sollten wir schon alles über die Welt wissen, deren bauliche Reflexion wir sind? – Zumindest auf die Detailerfassung trifft das noch nicht zu. Andererseits liegt das Wissen längst vor uns, und das Gehirn lernt auf allen Ebenen. Ahnungen entstehen, denen dafür empfängliche Menschen folgen. Aus Ahnungen denen wir nachgehen rekrutieren wir neues Wissen.

Menschen wollen (und können) mehr sein als das, was sich bis heute (erst) erwies. Und dazu haben sie allen Grund. Wir werden den Vorstellungen denen wir folgen immer ähnlicher, denn sie *fressen* sich in unser Gehirn, und daher sind Visionen und Ideale immer noch von essentieller Bedeutung. Andernfalls würden wir regelrecht zu Taschenrechnern, da das derzeitige Ideal dem wir folgen, bezifferbar sein muss. Gehen wir davon aus, dass globaler Friede eine Illusion ist die wir abhaken, entfällt das Streben danach, und daran scheitert dann die Umsetzung. – Unser Gehirn orientiert sich an den Zielparametern um zu ermitteln, welcher Handlungsbedarf vorliegt, um vom Status dahin zu gelangen wo es sein will.

Wenn jeder nur noch auf sich selbst schaut, ist das Streben unkoordiniert. Abgesehen davon, dass wir damit wertvolle Synergien verspielen, kommen sich auch noch alle gegenseitig ins Gehege, agieren zunehmend unwirtschaftlich (bezogen auf menschliche und andere Ressourcen).

Was befähigte uns denn eigentlich erst zu unseren Höchstleistungen? – Es war unser Vorstellungsvermögen, das aus Mitgefühl hervorgehen konnte. Unsere Stärke liegt in dem, was wir füreinander tun können. Die Qualität mit der wir das erfüllen, die Aspekte die wir dabei beachten oder ignorieren, gestalten unsere Umgebung, und uns, und unsere Umgebung und uns…

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