Die Beobachterin

Über meinen Heimatplaneten weiß ich nichts Wesentliches, nur dass mir die Anpassung an die Gewohnheiten der Erdbewohner nie so recht gelingen mochte. Den komischen Scheinchen, bei denen sich die Freundschaft aufhört (eindimensionaler Schnittstellenersatz für mehrdimensionale soziale Vernetzung? – hm, das würde allerdings so manches erklären), kann ich nichts abgewinnen. Weder schmecken sie besonders gut, noch sind sie nahrhaft, noch halte ich viel davon dafür zu tun was andere wollen, statt das zu tun, was ich will. Wenn viele Menschen tun, was sie eigentlich gar nicht wollen, was erwarten sie sich davon eigentlich für ein Gesamtergebnis? – – – Hm???

Angeregt durch Star Trek, der ersten Science fiction, mit der ich in Berührung kam, ging ich in den Beobachter-Modus über, um mich über das Verhalten der Ureinwohner schlau zu machen und stieg mit Verhaltensforschung („der nackte Affe„) ein. Das war sehr aufschlussreich. Ein paar Jahre später begegnete mir Deepthought, naja, nicht direkt, ich sah ihn nur durch diesen Kasten, den die Erdbewohner in ihren Wohnräumen aufstellen, um im Passsivmode an der gerafften Darstellung tatsächlicher und erfundener (was nicht immer leicht zu differenzieren ist) Geschehnisse der Welt teilzunehmen (die einfachste Form, sich eine Meinung implementieren zu lassen, weil jeder Mensch einen Standpunkt braucht, um dem biologischen Bedürfnis nachkommen zu können, diesen zu verteidigen), und mir wurde klar, so daneben konnte ich mit dem seltsamen Gefühl das ich bei meinen Beobachtungen hatte, gar nicht liegen. Meine interdisziplinäre Reise ging also weiter durch die Natur-, später auch Geisteswissenschaften, und da wesentlicher Bestandteil der menschlichen Entwicklung nahm ich Mythologie und den Parastuff auch noch mit.

Seit ich mich mit Emotions- und Kognitionsforschung auseinandersetze, ging mir so manches lang ersehnte Licht auf. Ein lernendes Neuronennetz weiß ja erst einmal gar nichts über richtig oder falsch. In erster Linie passt es sich den gerade aktuellen Umgebungsbedingungen an, im Urvertrauen, diese nicht hinterfragen zu müssen. Die Prägung seines Bewertungssystems (wahr-genommene Befindlichkeiten werden wahr-genommener Symbolik zugeordnet) re-agiert mit den auf es wirkenden Umgebungseinflüssen und nimmt die Klassifizierung der Einzelaspekte daran vor, wie sie seiner Trieberfüllung zu- oder abträglich sind, ohne Hintergründe zu kennen oder einzubeziehen. Und kaum könnten die kleinen Menschlein dann selbst denken und ihre individuellen Potentiale entwickeln, bekommen sie zu hören, was alles warum nicht geht, werden konformiert und zu Funktionselementen der Wirtschaft programmiert, pardon, gebildet nennen sie das. Als Erwachsene sehen sie dann Grenzen, wo es für sie als Kinder keine gab, obwohl sie doch nach ihrer Ausbildung angeblich mehr wissen als vorher. Ist das nicht höchst eigenartig?

Mit jeder neuen Antwort kommen wieder neue Fragen, und nun weiß ich immer noch nicht genug, um daraus ableiten zu können, ob ich er- oder entmutigt darüber sein soll, auf diesem Planeten festzusitzen. Fasziniert bin ich auf jeden Fall, und – *don’t panic* (wo ist mein Handtuch?)…

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