Der Klügere fühlt nach

Die Finanzkrise, ist auch nur ein Symptom, m.E. weit mehr als nur eine Finanzkrise, sondern die dickste Menschheitskrise die es je gab. Aspekte die zum Teil über eine lange Zeit ignoriert wurden und neuere Aspekte denen das ebenfalls widerfuhr, überschreiten ihre Reizschwellen, sind dabei oder kurz davor es zu tun. Das gibt eine Kettenreaktion.

Ignoranz rächt sich. Das weiß jeder, der seine physische Gesundheit über einen längeren Zeitraum aufs Spiel setzt weil er nicht auf die Signale seines Körpers hören will spätestens dann, wenn er mit einem Infarkt oder sonstigen Symptomen flach liegt. Der Mensch ignorierte das Wohlbefinden seiner Lebensumgebung, und tut es noch, weil ihm die Angst davor die Wirtschaft könnte nicht mehr wachsen näher ist als die Angst vor der unvorstellbaren Katastrophe die ansteht, wenn die Lebensumgebung um ihn herum zusammenbricht.

Was wäre wohl Wirtschaft ohne Symptome, ohne gefühlte Defizite? Je undifferenzierter, umso besser, weil die Leute umso wahlloser, also mehr, kaufen, je unklarer sie sich darüber sind, was sie eigentlich wollen, praktischerweise sind sie dann Kaufvorschlägen auch noch besonders aufgeschlossen, oder sollte ich sagen, manipulierbar? – Derzeit läuft wieder das alljährliche Weihnachtsprogramm ab, die weihnachtlichen Klänge, die passenden Farben, die perfekte Konditionierung, mit der Kaufreize ausgelöst werden – Ein (sich selbst) bewusster Mensch wäre nicht in einem solchen Ausmaß empfänglich für Suggestionen, und millionenfach kopiert läppert sich das – sowohl in Geld, als leider auch in Rohstoffen und *Abfall*. Nein, das ist keine Verschwörung, wir haben es hier mit simpelsten Mechanismen zu tun, die sich auf diese verheerende Weise eingespielt haben und sich in einem Deadlock zu verkeilen drohen. Mit gutem Recht fragen sich benachteiligte Völker, was wir hier eigentlich treiben. Das Kind, das in diesen Sekunden tot vor Hunger oder Durst in sich zusammensinkt hätte alles getan für den Rest von Reis, der gesten in einem unserer Biomüllsäcke landete.

Wir könnten so glücklich sein, und wir könnten so viele Errungenschaften teilen, was uns nur noch glücklicher machen würde. Und tun wir es? – Nein. Stattdessen brauchen wir immer mehr, um den immer gleichen physischen Status auf demselben Niveau zu halten. In dieser einsamen Tunnelröhre, die uns nur immer schneller und ressourcenintensiver in Richtung Ableben katapultiert, steckt für keinen die Erfüllung drin. Die findet ein soziales Lebewesen nur im Miteinander. So ist es physisch konzipiert. Jene Völker, die noch in Harmonie miteinander und ihrer Umgebung leben, und die wir dafür belächeln, dass sie das, was sie nicht *besitzen* auch noch miteinander teilen, wissen das noch. Im Gegensatz zu uns sind sie frei, und ihnen gehört die ganze Welt. Würden wir sie nicht gerade zerstören, könnte es in Millionen von Jahren noch so sein.

Ursachenlösung contra Wirtschaftswachstum. Auweia… Entweder es verliert die Menschlichkeit oder die Wirtschaft, beide stehen in evolutionärer Konkurrenz zueinander. Denkt jeder nur an seinen Vorteil und verfolgt nur seine eigenen Ziele, schafft das nicht nur Kommunikationshemmnisse (Heimlichtuerei, Misstrauen, gegenseitiges sich-übervorteilen-Wollen), der Synergieeffekt, die Win-Win-Win…-Situation geht verloren.

Ein folgenschwerer Irrtum der so genannten Aufklärung war, Gefühle als irrational abzutun und von der Kognition zu trennen (dass sie für ihre Wunschvorstellungen Ausschüttungen bekamen, fiel den *Denkern* nicht etwa auf, allesamt haben sie Verstand und Vernunft verwechselt). Es gibt keine Vernunft ohne zu ihr zu finden, und das läuft über unser Bewertungssystem.

Schon der Begriff *Einstellung* weist auf eine biochemische Disposition hin, die es dafür braucht. Gefühle und Verstand wirken hierbei zusammen. Ein Mensch der nicht fühlt ist nicht entscheidungsfähig. Ein Mensch der wenig oder einseitig fühlt – nunja… Er hat dann eben nur wenige Werte, mit denen er Entscheidungen abwägen, gewichten kann. Je mehr Werte (Breitbandigkeit), umso höher die Auflösung, umso feiner kann ein Mensch differenzieren. Muss er das in einem Konzept rechtfertigen, ist der Aufwand höher, da es mitunter sehr viele Aspekte sind, die in seine Überlegungen und Entscheidungen einfließen.

Die Wertebasis ist gewissermaßen die Datenbank des Gehirns für die Entscheidungsfindung, denn die Aussicht auf Belohnung, die jeden Gedankengang, jede Entscheidung zum steigenden Wohlbefinden des Individuums lenkt, wird daraus errechnet, nicht etwa aus Fakten! Diese werden natürlich zur Bewertung herangezogen, denn heute lässt sich unsere *Belohnung* ja ganz leicht und ohne Umweg über Gefühle und soziales Gewissen ausrechnen. Mit moderner Datenverarbeitung begann eine gefährliche Entwicklung einzusetzen, die sich überwiegend nur noch an Kennzahlen orientierte und echte Werte zunehmend mit Füßen trat. Signifikant war, wie rapide die (Staats)Verschuldungen anstiegen, als dazu nur noch Cursor auf einem Monitor bewegt werden musste. Handelshemmnisse beseitigen nennt man es, wenn das Belohnungssystem des Gehirns auf Knopfdruck stimulierbar ist. Sowas kennen wir doch aus der Verhaltensforschung – mit Ratten, die mit einer Elektrode im Gehirn vor lauter Stimulationsgelüsten vergaßen zu fressen und daran verhungerten. Während die einen Menschen sich stimulieren, verhungern andere Menschen am Substanzentzug. Das Wohlbefindensniveau der Stimulierten steigt aber nicht etwa an, es bleibt allenfalls gleich, bei steigendem Verbrauch. Wo also liegt hier bitte der Gewinn?

Die Reduktion der Werte, Ignoranz also, das ist schon richtig, erhöht punktuell die Effektivität von Entscheidungen. Das hat aber nichts mit Intelligenz zu tun. Und wenn man sich vergegenwärtigt, was wir mit der Welt anstellen, ist unschwer zu übersehen, dass da nicht genug berücksichtigte Aspekte (WERTE) im Spiel sein können. Der derzeitige Hauptentwicklungsmotivator Gier ist ein sehr alter, primitiver Mechanismus, der den Ansprüchen eines komplexen Systems nicht genügen wird. Es hätte sich kein komplexes emotionales / soziales System durchgesetzt, wäre das alte Triebsystem ausreichend gewesen. Wir sind keine simplen Lebewesen deren Aktionspotential nicht mehr ist als sein nackten Körper. Unseres ist so gewaltig, dass wir nicht in der Lage sind, seine Wirkungsweisen vollumfänglich einzuschätzen. Und selbst was wir darüber wissen, kalkulieren wir nur zu Bruchteilen in unseren Entscheidungen ein. Keine Chance, dass das auf Dauer funktioniert. Sensible, Allergiker etc. schlagen voll aus, werden gemobbt oder *behandelt* statt angehört. Damit wurde ein wertvoller Vorteil verspielt, nämlich abzuwenden, was mittlerweile nicht nur sensibleren, sondern immer mehr auch anderen Menschen schadet.

Die Finanzwirtschaft hat sich jedoch auf das alte Triebsystem zurückentwickelt, indem emotionale und soziale Aspekte aus *wirtschaftlichen* Entscheidungen als *unprofessionell* ausgegrenzt wurden, was zwangsläufig eine Organisationsstruktur hervorbringen musste, die zunehmend von sozialer Kälte und Ungerechtigkeiten gezeichnet ist. Gier und Geiz denken nun einmal desintegrativ (wie alle einst als *Todsünden* identifizierte Wesensmerkmale, daher sind sie ja welche…), das liegt im Wesen ihres Denkens, denn als sie entstanden, kannten wir noch keine Soziologie.

Liebe oder Vertrauen denken im Gegensatz dazu integrativ. Wer glücklich ist und die ganze Welt umarmen will, der ist in dem Moment höchst integrativ, will sein Glück mit allen teilen. Emotionen / Gefühle mögen ja durchaus subjektiv sein, aber was aus ihnen hervorgeht, das gestaltet unsere Realität! Daher wäre es über die bloße materielle Versorgung hinaus wichtig, dass Menschen einander (wieder) glücklich machen. Die Frage nach Geld muss dafür in den Hintergrund rücken. Es kann nur ein Effekt sein für Nutzen und Wohlbefinden, nicht das Ziel, der Selbstzweck. Eine solche Rechnung geht nicht im Sinne *nachhaltiger Entwicklung* auf.