Denkumkehr

Der Mensch begehrt was er sieht überwiegend weil er es sieht, nicht, weil er es zum Überleben braucht. Ein paar Konsumbewusste reichen daher nicht, um was zu ändern, wohl aber dafür, Änderungen anzustoßen.

Denn sie melden damit einen Bedarf an, an dem jemand der ihn frühzeitig erkennt, *Gewinne* machen will. Es würde viel mehr bringen, wenn wir die destruktiven Dinge nicht ständig vor der Nase hätten, noch dazu angepriesen als wären sie eine Bereicherung, als würden sie uns guttun, als würde kein Schaden daraus entstehen, als wäre alles in bester Ordnung. Kein Lebewesen lässt sich auf etwas ein, das es als *Verzicht* empfindet. Dass es überhaupt so krass geworden ist, liegt an der verzerrten Darstellung durch die Werbeindustrie. Die Rechnung geht biochemisch nicht auf. Falsche Daten, falsche Schlüsse, falsche Entscheidungen. Irrtümer haben negative Konsequenzen, daher auch der Begriff *IRR*tum.

Ein Lohas wäre kein konsumbewusster Mensch, würde er sein Verhalten nicht als eine Steigerung seiner Lebensqualität empfinden. Da muss einer erst mal hin gelangen, sprich Prozesse in seinem Gehirn müssen stattfinden, die seine biochemische Disposition, seine Haltung, seine Einstellung, verändern. Sowas erfordert die pro-aktive Beteiligung des Individuums. Von einer Chips essenden Bier beduselten Couchkartoffel dürfen wir das nicht erwarten. In seinem Leben müsste was Einschneidendes passieren, das ihn aus der Kluft seiner Verhaltensparadigmen hinaus katapultiert. Er resignierte bereits.

Von einem großen Teil der Menschen muss man ausgehen, dass sie ihr Verhalten nicht grundlegend durchdenken, es sei denn, sie erleben deutliche Einbußen. Und selbst dann wird zwar gejammert, sich aber oft genug doch damit arrangiert. „Was haben Sie für ein Menschenbild?“ wurde ich mal gefragt, und schämte mich fast schon ein bisschen. Doch wenn ich mir ansehe, was mit dieser Welt passiert, dann muss ich die Frage zurückgeben. Sich mit Tropenhölzern, die Jahrhunderte überdauerten, den Hintern abzuwischen und von Natur aus erneuerbare Bestände systematisch und unwiederbringlich zu vernichten ist der Gipfel der Degeneration. Sowas ging in der Evolution noch nie gut.

Du würdest ja auch nicht all Dein Heizmaterial an einem Tag in einem überdimensionierten Feuerwerk verpuffen, sondern zusehen, dass es den ganzen Winter lang reicht. So lange Dein Heizmaterial nachwächst, kannst Du es jeden Winter lang warm haben. Ist alles weg, ist nichts mehr da, das Dir im Winter Wärme spendet, und wenn Dir der Erfrierungstod droht, ziehst Du vielleicht in den Krieg, um jemandem sein Heizmaterial wegzunehmen, der sparsamer damit umgegangen ist. Damit bestrafst Du dann den, der klüger war als Du. Da Du es schon gewohnt bist, überdimensionierte Feuer zu entzünden, wird Dich sein Vorrat auch nicht lange wärmen, Du brauchst dann bald wieder ein neues Opfer.

Vielleicht haben wir die menschliche Vernunft auf diese Weise ausgerottet, da diejenigen, die mit dem was sie hatten nicht auskamen oder damit nicht zufrieden waren, gegen jene in den Krieg zogen, die ressourcenbewusster waren. Die Ressourcenverschwender setzten sich mit ihrer Rücksichtslosigkeit gegen die anderen durch. Die Überlegenheit wird aber nur von kurzer Dauer sein. Der Planet Erde ist zu klein für die durch steigendes Aktionspotential ins Unermessliche wirkende menschliche Gier, die im Gegensatz zur Vernunft nicht an die Zukunft denkt.

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