Artikel bei Heise Telepolis: “Beseelte Tiere?”

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Wenn man tiefer geht, werden die kognitiven Unterschiede geringer. Denken ist nicht an Sprache gebunden. Nur uns fällt es offenbar schwer, noch darüber hinaus zu blicken. Worte sind nur Symbole. Wer gelernt hat, an ihnen vorbeizudenken dem wird völlig klar, dass auch Tiere ein Bewusstsein haben können, und wir, indem wir ihnen einen Geist absprechen nicht nur sie gewaltig unterschätzen, sondern auch uns selbst. Jede Abwertung der Tiere bedeutet auch eine Abwertung des Menschlichen.

Intelligenz ist die selbstgelenkte Nutzung von Verarbeitungskapazitäten. Worte braucht es nicht um Intelligenz abzubilden. Sie sind nur eines von vielen möglichen Datenübertragungsprotokollen, jedoch auch ein reduktives, und daher (immer wieder) mit Irrtümern und Missverständnissen einhergehend.

Beispielsweise würden wir scheitern wenn wir damit die Information übertragen wollten die in einem einzigen Bild steckt. Ein Geist der sich nur an Worte klammert, sieht nichts mehr, ist linear, ist praktisch blind, erschließt allenfalls unverwertbares Wissen. Symbole schwimmen auf der Oberfläche. Doch die Werte sind es, auf die es ankommt, denn der Verstand ist nur ein Ausführungswerkzeug unserer Werte, kein vom tierischen Unterbau losgelöster Mechanismus der für sich alleine “denkt”. – Im Gegenteil, die meisten Menschen wissen nicht mal, wie ihre Gedanken und Handlungen ins Bewusstsein gelangen, weil es so tief gar nicht mehr geht.

Der Mensch hat sich in seiner Selbsteinschätzung sowas von geirrt, dass es nun allen weh tut (von wegen, dass Dummheit nicht schmerzt – wir alle leiden darunter, arm, reich, Mensch, Tier, Natur…). Nicht dass irgendwer tatsächlich über sich selbst hinausdenken könnte, doch in je mehr Anderem wir uns erkennen, desto größer wird der emotionale und kognitive Radius, und damit unser Selbst. Was wir davon als allgemeingültig erschlossen, ist lediglich ein winziger Bruchteil. – Tiere nutzen ihre Kapazitäten hingegen noch umfassend. Dass sie das ebenfalls nicht voll bewusst tun, kann man ihnen hierbei kaum vorwerfen, geschweige denn dass sie sich damit verdienten, was der Mensch ihnen antut.