Ankommen

“Selbst wenn ich 10 Jahre früher sterbe, ich will mein Fleisch”. Wer so heldenhaft für seine niederen Triebe einsteht, den muss man wirklich für seine Ignoranz bewundern. – Der Punkt an dem zehn oder mehr weitere, vor allem gesunde, Lebensjahre durchaus von Belang sein werden, kommt schneller als so wer denkt.

Wem außerdem nach der ausgiebigen Berichterstattung durch zahlreiche Medien im vergangen Jahr immer noch nicht bekannt ist, dass für seine Gelüste völlig unschuldige Tiere zu Leid und Tod verurteilt werden, dem unterstelle ich ein massives kognitves Defizit (Bildungslücke die es noch aufzufüllen gilt) das ihn nur eingeschränkt zu menschlichem Denken befähigt (das ist noch weit weniger, als ich mir selbst vorwarf). Obwohl mir die Sache mit den Tieren unter den Nägeln brennt, versuche ich, meine Umgebung in Ruhe zu lassen. Meine rhetorischen Fähigkeiten sind nicht so großartig, weshalb ich mich ungern auf Diskussionen einlasse, zu sehr stehe ich dann unter dem verunsichernden Eindruck physiologischer Wechselwirkungen. Bloggen ist unaufdringlich. A) – es muss sich jemand auf die Suche nach dem Thema machen um hier zu landen. B) – er kann jeder Zeit woanders hinklicken und sich weiterhin von omnivorer Seite einsäuseln lassen, nichts zu ändern sei ok, was zumindest so lange funktionieren wird, bis die Karre an der Wand pickt.

Verstehen konnte ich diese veganen Freaks früher nicht. Was für ein Geschiss um ein seiner Mutter entrissenes Kalb, ein gerettetes Schwein, oder andere Einzelschicksale knapp der Schlachtung entgangener Tiere. Menschen verrecken ja schließlich auch jeden Tag durch Durst, Hunger, Gewalt – und Unfälle, da Autos und andere Technologien Menschenopfer einfordern wie früher Raubtiere oder – Götter. Nicht dass mich das mehr berührt hätte. Ich fand es halt irgendwie nicht gut, das blieb weiterhin bequem konsequenzfrei. In der Fußgängerzone aufgehängte Tierversuchsbilder – was für eine Frechheit Menschen die womöglich grade auf dem Weg zu ihrem Mittagsschnitzel sind, mit diesem Anblick zu behelligen. Sie sahen es als selbstverständlich an, die Lebensinteressen der Tiere mit denen von Menschen gleichzusetzen. So hatte ich schlicht und einfach nicht denken gelernt. Die einen Tiere waren zum Essen da, die anderen zum Kuscheln. So oder so hatten sie für den Menschen zu sein, was der von ihnen wollte.

Eines Tages wurde mir nicht unschmerzlich bewusst, dass meine „Meinung“ darüber von mir nicht anhand verfügbarer Fakten ernsthaft hinterfragt und geprüft worden war, und demnach nur eine Reaktion auf Prägungen die mir meine Umgebung (mit der grade so ziemlich alles aus dem Ruder läuft) mitgegeben hatte. In vieler anderer Hinsicht hatte man mich vorher schon hinterfragend und skeptisch erlebt, doch ausgerechnet an diese so elementare, wichtige, alles und alle berührende (ob sie das nun wahr-nehmen können oder nicht) Thematik „Ernährung“ machte ich einen großen Bogen (ist zwar keine Entschuldigung, doch Al Gore erwähnte den Fleischkonsum meines Wissens auch lange nicht).

Objektiv betrachtet, in Kenntnis biologischer Hintergründe ist klar: wie der Mensch ist auch jedes andere Lebewesen für seine eigenen Angelegenheiten mit dafür geeigneten Fähigkeiten geboren und ausgestattet. Sämtliche seiner natürlichen Bedürfnisse stehen mit der Erfüllung seiner ureigenen Bestimmung in Verbindung. Artgerecht „halten“ geht damit schon gar nicht. Artgerecht ist frei. Ja, frei, etwas, das wir in unseren mit zunehmender Krampfhaftigkeit des Festhaltens immer enger werdenden Tretmühlen und Hamsterrädern gar nicht mehr kennen.

– – – Fies, nicht? – Da ist man nun die selbsterklärte Krone der Schöpfung und darf nicht im Mindesten darauf hoffen, dass die Natur deswegen schon bedingungslos für einen sorgt, oder irgendwer anderer. – Dieses Privileg haben nur noch jene Tiere die uns nicht in die Hände fallen, zumindest so lange, bis der Mensch durch gewaltsames Entreißen dem Ökosystem endgültig den Garaus bescherte, um alles, aber auch wirklich alles was die neue Spezies Homo konsumentis braucht durch den Geldhahn drehen zu können. – Je mehr Fleisch konsumiert wird, desto schneller sind die Böden verbraucht, und die absolute Macht bei den Konzernen die unser Essen „bauen“. Was da drin ist werden wir uns nicht mehr aussuchen können, da uns dann jede Wahl genommen ist, nein, wir sie uns selbst gennommen haben. „Jahr 2022, die überleben wollen“ lässt grüßen (ich übertreibe? – na dann ist ja alles gut, zumindest für geschätzten Leser).

Ich weiß, dass die meisten Menschen das alles eigentlich nicht wollen, und in Anbetracht einer progressiv anwachsenden Welle eigener Sorgen, Probleme, Vorurteilen, Werbebotschaften und sonstiger Ver(w)irrungen mit ihrem Empfinden gar nicht mehr hinterher kommen. Doch hat sich schon so manche Weisheit die ich vergebens anzubringen versuchte, Jahre später (über andere Quellen) in jenen Gehirnen eingefunden, denen ich sie vermitteln wollte. – Ist ja egal, woher es letztlich kommt, Hauptsache an.