Alternative für den Begriff Nachhaltigkeit

Es ist nicht zu verwundern, dass das Wort „Nachhaltigkeit“ weniger Popularität erlangt als man sich davon erwartet, weil es für das was man ausdrücken will, das falsche Wort ist. Substantiviert vom Adjektiv „nachhaltig“ drückt es nur eine dauerhafte Wirkung aus, an der offen bleibt, ob sie erwünscht oder unerwünscht ist, vorteilhaft oder nicht, gedeihlich oder schädlich.

Was wir heute unter Nachhaltigkeit verstehen ist eine Prämisse zu vorteilhafter Dauerwirkung für das was man entscheidet, veranlasst und vollzieht. Ist eine Wirkung vorteilhaft, bleibt wiederum offen, für wen. Des einen Vorteil ist des anderen Nachteil.

Also gilt es, eine allgemeingültige Zielgruppe zu finden, auf deren Vorteil die Nachhaltigkeit gerichtet ist. Das können letztlich nur alle Menschen sein, denn wenn irgendjemand von ihnen Schaden nimmt, ist bereits nicht mehr erfüllt, was Nachhaltigkeit heute bedeutet. Das ist (derzeit) natürlich illusorisch, also bleibt als realistisches Ziel nur übrig, möglichst viel Vorteil und möglichst geringen Nachteil für möglichst viele Menschen auf möglichst lange Zeit zu bewerkstelligen.

Über möglichst lange Zeit passiert alles mögliche das nicht vorhersehbar war als man gerade besonders nachhaltig sein wollte. Schon das erfordert:
1. die Anforderung in allen Facetten zu beleuchten
2. jede ermittelte Lösung auf ihre Nutz- und Schadwirkung zu untersuchen und dabei
3. vorbehaltsfrei und realitätsbezogen werten und gewichten (Wahrhaftigkeit)

Alle drei Punkte sind in letzter Konsequenz nicht erfüllbar (Heisenberg), man kann sich ihnen auch nur möglichst annähern. Aber damit geben wir Menschen uns als finale Zielvorstellung nicht zufrieden. Wir wollen nicht Stärke, wir wollen Omnipotenz. Wir wollen nicht wissen, wir wollen alles wissen, und das nicht für lange, sondern für immer.

Also gibt es zwei unterschiedliche Formen der Nachhaltigkeit: die die man umsetzt, und die die man verkauft. Die absolute Nachhaltigkeit die man uns verkaufen wollte ist bereits auf breiter Front enttarnt. Politiker, die etwas zum Wohl „aller“ verkünden und Google postulierte „die Guten“ zu sein, verkauften nichts anderes als Nachhaltigkeit, erbrachten sie aber nicht.

Das Killerwort das Du suchst müsste zwischen dem was man realisieren und dem was man verkaufen kann liegen. Es muss mehr sein als das möglichst beste und weniger als das Ultimative. Das eine will niemand (bezahlen), und das andere glaubt niemand (mehr).

Das Verb zum Adjektiv „nachhaltig“ gibt wieder, dass das Kriterium nur im Rahmen eines Prozesses erfüllbar ist, der ständiger Begleitung bedarf: „nachhalten“. Auf diese Weise erfordert Nachhaltigkeit nicht nur den gehobenen Aufwand bei der Problemanalyse und der Lösungsentwicklung, sondern zuzüglich fortlaufenden. Das ungesagte Versprechen ist, dass er sich auszahlen wird – auf Dauer.

Der dritte Weg zu einer gedeihlichen Entwicklung ist die nachhaltige Grundhaltung, die deshalb nicht darin bestehen kann, schnell und hohen Ertrag bei geringem Einsatz zu erlangen. Einem kaufmännisch orientierten Unternehmen oder einer wirtschaftsorientierten Gesellschaft wird es schwer fallen, sich davon zu lösen.

In der Gewahrung der Tatsache, dass das Beste für alle und immer nicht planbar ist, kann man sich ebenso gut den geeigneteren Grundhaltungen verschreiben:
Wohlwollen, Offenheit, Angemessenheit, Bereitschaft, Geduld und Vertrauen

Der Prozess der Nachhaltigkeit obliegt alleine der Bewertung der Menschen die ihn begleiten. Diese verändert sich über die Zeit und die wechselnden Bedingungen. Was heute noch richtig war, ist es mit den Erkenntnissen von morgen nicht mehr. Die gute Idee von gestern ist schlechter als die bessere von heute. Was uns bisher daran hindert nachhaltig zu sein ist die Missanerkennung dieser Tatsachen.

Dies vorausgeschickt um das Thema „Nachhaltigkeit“ für die Anforderung nachhaltig untersucht zu haben.
Wenn nachhaltig zu kopflastig ist, dann ist das Wort das Du suchst emotional in dem zu finden was man sich von der „wahren Liebe“ verspricht, bildhaft in dem was man tun muss um das „Paradies“ zu erlangen, oder musikalisch in dem, was man „Harmonie“ nennt. Die wahre Liebe mag man gerne leben, im Paradies mag man gerne sein, und harmonische Bedingungen sind immer bequem – aber kraftlos/passiv. Damit steht die Frage im Raum ob die kraftvolle Entwicklung nach der wir eigentlich streben in ihrem Sinn auch nachhaltig ist. So wie wir sie bisher wahrnehmen können wir heute erkennen, dass es nicht so ist, wir zu dynamisch geworden sind, um noch sicherstellen zu können, dass wir unsere eigene Entwicklung überleben. Es lässt sich allerdings wiederum schlecht verkaufen, einen Gang zurückzuschalten.

Der Vor- und Nachteil von „zurück“ liegt in dem was vor einem liegt. Ein Schritt zurück vor dem Verderben kann ein Schritt vorwärts sein. Je schneller der Fluss ist auf dem man sich bewegt, umso höher sind die Anforderungen an denjenigen, der manövriert. Von hastig vorgenommen Aktionen kann nicht erwartet werden, dass sie sich nachhaltig vorteilhaft auswirken, vielmehr ist davon auszugehen, dass im nächsten Moment die nächste hastige Reaktion notwendig wird, Tetris.

Die Güte der Manöver hängt grundlegend von dem ab was erfasst werden konnte. Das geeignetere Wort für Nachhaltigkeit ist darum:

W E I T S I C H T

oder in einem Slogan „Weit- und Breitsicht“

Sie wirkt sich auf alle Dimensionen in voller Auflösung aus – was um einen herum ist, was hinter einem liegt, was vor einem liegt, was in der Vergangenheit und was in der Zukunft liegt. Die möglichst vollständige Erfassung, so viel wie möglich einzubeziehen und so wenig wie möglich zu vernachlässigen führt zur geeigneten Handlungsweise.