Gesinnungswandel

Gab es irgendwann in Deinem Leben einen Moment, in dem Du inne hieltst und voll und ganz von dem Gedanken erfüllt warst, wie großartig es ist, ein Mensch zu sein?

Um herauszufinden was uns nachhaltig erfüllt und das Richtige dafür zu tun, haben wir einen „Sinn“, dem wir nicht mehr folgen. Da stehen zu viele „Ja Abers“ im Weg. Wissen alleine hat nämlich noch keine Bedeutung.

Wachstum ist nicht in jedem Fall verkehrt – es kommt immer darauf an, was wir steigern wollen. Mehr Genuss kann ich auch mit weniger Ressourcenaufwand haben, auch mehr Zufriedenheit, Liebe und Glück. Füllen ist hingegen was für Hohlräume… Wer ein reiches Innenleben hat, kennt den Unterschied zwischen Frotzelei und Erfüllung, zwischen Schein und Sein.

Mensch war und wird es immer (gewesen) sein, ein Teil von einem unvorstellbar großen, mit unvorstellbaren Entwicklungspotentialen ausgestatteten Ganzen, dessen erlangbare Komplexität auf Grund der Einfachheit seines grundlegenden Wirkprinzips nach oben offen zu sein scheint. Die oberen Grenzen erlangbarer Intelligenz kennen wir nicht, so dass wir uns fälschlicherweise schon jetzt für dort angelangt zu halten scheinen. Dabei reizen wir nicht mal die Potentiale aus die wir haben, und jeder Einzeller führt ein nachhaltigeres Dasein als wir.

Wir sind um ein Vielfaches mehr als das, was uns bewusst ist. Die innere Spielwiese zu erforschen, immer mehr davon ins Bewusstsein zu holen und sich daran zu entwickeln ist eine Lebensaufgabe. Wer weiß was ihn alle(s) ausmacht, weiß auch was er will und findet zu einem erfüllten Leben ohne Maßlosigkeit und Zerstörung. Wenn wir von etwas nie genug kriegen, ist die Erfüllung da nicht drin. Aber wir haben diese materielle Wachstumsstrategie „erlernt“ und wenden dieselben darauf abgestimmten Routinen immer weiter an, weil wir nichts anderes kennen, da unser Vorstellungsvermögen vor lauter „Wissen“ kaum noch Volumen hat um die überholte Strategie zu über- und eine neue zu erdenken. Doch sowohl ein ausgeprägtes, eigenständiges (und daher kritisches, hinterfragendes) Selbstbewusstsein, als auch Glück und Zufriedenheit sind keine guten „Wirtschafts“motoren. Satte Menschen lassen sich nicht instrumentalisieren, daher muss man dafür sorgen, dass sie immer hungrig bleiben. Das gelingt am besten, wenn sie zugemüllt von lauter Kaufreizen gar nicht erst herausfinden, wer sie eigentlich sind, sondern sich nur noch durch vorgemachte Pseudowerte definieren lassen. Lösungen sind zumindest von dem Standpunkt aus gar nicht erwünscht.

Das genau genommen heute in hohem Maße unwirtschaftliche (gemessen an echten Werten) „Wesen Wirtschaft“ hat andere Menschen aus uns gemacht. Altruismus, Liebe, Vertrauen und all das, was uns zu interaktiven sozialen und wertereichen Gruppen schweißte, wurde durch den wachsenden Hunger des Wesens zum existentiellen Nachteil. Es wollte schneller und mehr gefüttert werden, und vereinnahmte nahezu den ganzen Menschen. Zum Hinterfragen blieb dem Einzelnen immer weniger Zeit. Sein Gewissen hätte den Verarbeitungsaufwand nur erhöht, und das Wesen Wirtschaft ihn dafür schnell durch einen neuen Füllautomaten ersetzt. Wir entwickelten und brauchen diese uns zur Besinnung bringenden Wesenszüge jedoch um zu überleben! Wenn sie aus der Wertung fallen, bleiben nur noch die primären Triebe übrig, um die Werte vorzugeben, mit denen wir unsere Entscheidungen gewichten. Da deren Gier, die nur durch äußere Umstände oder emotional-sozial begrenzbar ist, niemals zu einem „Genug“ finden kann, passen wir nicht mehr in die Lebensumgebung. Das ist eine reale, gegen uns gerichtete Bedrohung, die wir nur selbst besiegen können. „Sich selbst zu bekriegen ist der größte Krieg, sich selbst zu besiegen, der größte Sieg“ klingen mir grade die Worte meiner Großmutter im Ohr.

Wir wissen zu wenig über die globalen Zusammenhänge, als dass wir alle relevanten Werte „rational“ abhandeln und in unsere Rechnungen einbeziehen könnten. Da Werte bereits in unserem Fühlen falsch gewichtet werden, ist unser ganzes Denken ohnedies verzerrt. Die Relevanzen die unser Bewusstsein erreichen sind nicht mehr umgebungsangemessen. Geld höher zu gewichten als das Wohl anderer, der Umwelt und des Klimas ist gelinde gesagt sehr kurz gedacht und selbst von der erkennbaren Realität ein gutes Stück weg.

Es ist höchste Zeit zu erkennen, dass wir schwere Schulden gemacht haben und sofort damit aufhören müssen. Ich meine nicht in Geld, sondern was wir der Natur gewaltsam abtrotzten oder für uns abtrotzen ließen. Die Natur gab uns was wir ihr entrissen, weil sie es uns nicht verweigern konnte. Daher sehen wir vielleicht nicht ein, was für ein Gewaltakt die Art unserer Entnehmungen sind, da wir Gewalt mit der Überwindung des Willens eines Anderen assoziieren. Die Natur muss nicht zornig werden, um uns die Herausgabe dessen in Zukunft nicht mehr gestatten zu können, was durch unsere eigene Unbedachtheit schlicht nicht mehr da sein wird.

Ausgebeutete, gequälte und dem Tode geweihte Lebewesen die wir aus „Jux und Tollerei“ versklaven (quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie Du den Schmerz!), haben uns keine vergleichbaren Bosheiten entgegenzusetzen. Das alleine reichte, jedwede Hemmung zu verlieren, ihnen Übelstes anzutun. Auch wenn sie nicht explizit das Wort „nein“ dazu sagen können, ist es trotzdem brutalste Gewalt die wir legal und als eine der „normalsten“ Sachen der Welt ausüben, noch dazu gegen Wehrlose und ihre grundlegendsten eigenen Bedürfnisse. Wenn wir die Bedürfnisse dieser Wesen schon ignorieren und uns darüber hinwegsetzen, was widerfährt dann erst den unseren?

Die Fortführung des erreichten Ausmaßes an Zerstörung ist lediglich dann weiterhin möglich, wenn Menschen – Du und ich – sich weiterhin nur von den Fäden reiner, von der Umgebung aufgesetzter, Gewohnheiten ziehen lassen. Damit sind wir nichts anderes als die billige Kopie eines von außen implementierten Massenstrebens nach schneller Botenstoffstimulation, aber eines ganz sicher nicht – Individuen. Modediktat, Schminkvorschriften, sich Zerstörerisches, Abgetrotztes, durch Unterdrückung und Ausbeutung Herausgezwungenes als „gesund“ und „notwendig“ verkaufen zu lassen degradiert uns auf die Bedeutungsstufe von Ameisen, die wir für dumme Automaten halten, da sie wie Teile eines Programms schnurstracks einer Duftspur folgen. Doch wie sie sich den Duft dem sie folgen, lassen wir uns die Marken Dritter ins Gehirn brennen, um genau das zu tun was die von uns wollen und kopieren deren Fehler und Untaten millionen- und milliardenfach mit ebensolcher Wirkung. Nur dadurch – nicht durch vorausgeplante Verschwörung – konnten sich solche destruktiven Mächte überhaupt kumulieren. „Mensch, hüte Dich vor Deinen Wünschen, denn Du hast keinen Feind außer diesen.“

Es ist alles nur eine Rechnung. Und es wäre ein fataler Fehler, sie ohne Gefühle zu machen, in ihrer vollen Bandbreite (Gruppierung von Gehirnen). Diese gehören mit in die Überlebensrechnung – und nicht als Freizeitvergnügen ausgelagert. Gefühle sind kein Selbstzweck, sie sind Information und Indikator. Ein Job bei dem sich einer nicht wohlfühlt, kann keine Aufgabe für diesen Menschen sein. Die Rechnung des Gehirns geht immer in Richtung Wohlbefindenssteigerung. Da kann sehr viel drin sein (das Wohl der ganzen Welt), oder wenig (Pflicht- oder Zwangsgefühl, persönliche Gier), doch leiten sich daraus in jedem Fall Haltung und Methodik ab. Überleben ist eine Frage der emotionalen (und damit automatisch auch kognitiven) Bewegtheit und nicht dessen, was wir wissen oder können. Im Gegenteil, letzteres kann uns sehr schnell zum Verhängnis werden, wenn es uns dabei um das Falsche geht.

Zukunft ist denkbar. Auf 2010.

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